«Wir können Lillehammer toppen»
01.02.2011 | St. Galler TagblattDer VBS-Chef ist für eine Olympia-Kandidatur. Sie tut seiner Meinung nach der Schweiz gut.
Interview: eno/ja
Warum setzen Sie sich für Olympische Winterspiele in der Schweiz ein?
Ueli Maurer: Es täte dem Land nach innen und aussen gut, wieder einmal ein gemeinsames Projekt zu haben. Die Schweiz leidet ein bisschen darunter, dass sie zu wenige solche Projekte hat. In anderen Ländern werden Milliarden in den Wintersport investiert. Bei uns läuft das eher schleppend. Olympische Spiele sind die beste Möglichkeit, sich im globalisierten Wettbewerb als Wintersportland in Erinnerung zu rufen.
Gibt es auch Nachteile?
Es ist eine riesige Kiste. Das wird von potenziellen Organisatoren eher unterschätzt. Darum ist es wichtig, dass man sehr gründlich und sachlich die Möglichkeiten auslotet. Wir können nicht wie Sotschi (Winterspiele 2014, Anm. d. Red.) alles aus dem Boden stampfen. Die Nachhaltigkeit müsste oberste Priorität haben.
Die Hoffnungen in die Euro 08 wurden kaum erfüllt.
Man hatte zu hohe Erwartungen. Die Fussball-EM brachte touristisch nichts, aber immerhin hat sie die durch Steuergelder bestrittenen Ausgaben wieder herein gespielt. Sportlich sind die Effekte aber noch immer spürbar: Der Fussballverband hat sehr viel in die Jugend investiert. Das wäre bei Winterspielen ähnlich. Nicht nur dem Tourismus, auch der Jugend und dem Spitzensport gäbe es wichtige Impulse. Und: Man kann bestehende Anlagen auf den neuesten Stand bringen für die nächste Generation. Die positiven Effekte lassen sich erst längerfristig messen.
Sie haben zusammen mit Swiss Olympic einen strengen Anforderungskatalog an eine Kandidatur formuliert. Haben Sie damit nicht möglichen Organisatoren den Wind aus den Segeln genommen?
Die Regionen müssen an die Grenzen gehen für eine Kandidatur. Eine Grund-Infrastruktur muss vorhanden sein, um allein das olympische Dorf beherbergen zu können. Wahrscheinlich lassen sich die Spiele nur überregional organisieren. Denken Sie an Luzern: Es gibt kaum Pisten, kaum Eishallen. Höchstens in Engelberg liessen sich zurzeit Wettkämpfe organisieren. Aber es gäbe Kreativpotenzial, um auch hier eine Lösung in einem überregionalen Verbund zu finden.
Wird es ein Bewerber schaffen, diese Anforderungen zu erfüllen?
Ich bin dieser Überzeugung. Ich war letztes Jahr in Vancouver. Ich kenne Lillehammer. Lillehammer gilt als olympisches Märchen. Das könnten wir mindestens so gut organisieren oder sogar toppen. Wir haben die schönsten Berge der Welt, wir sind eine Wintersportnation, haben harte Winter, müssen nicht überall beschneien. Voraussetzung ist, dass das Olympische Komitee die Spiele2022 oder 2026 wieder an einen eher kleineren Ort vergibt.
Der Widerstand, gerade von Umweltorganisationen, scheint schon programmiert.
Wir haben eine starke Umwelt-Sensibilität in diesem Land, fast schon eine Nachhaltigkeits-Manie. Es ist klar: Olympische Spiele finden bei uns nur statt, wenn sie von diesen Kreisen mit Überzeugung mitgetragen werden. Wenn wir ein nachhaltiges Projekt machen mit regionaler Entwicklung, mit Tourismus, mit Anlagen, die später keine Ruinen werden, haben wir eine Chance. Wir haben 12 oder sogar 16 Jahre Zeit, um uns vorzubereiten. Das braucht es.
