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Eidgenössisches Departement für Verteidigung,
Bevölkerungsschutz und Sport

Aktuelle Trends in der verteidigungspolitischen Meinungsbildung der Schweizer Bevölkerung

Die wichtigsten Erkenntnisse für die Armee aus der Studie "Sicherheit 2011" der Militärakademie an der ETH Zürich und des Center for Security Studies der ETH Zürich.


Notwendigkeit und Bedeutsamkeit der Armee

Notwendigkeit und Bedeutsamkeit der Armee

Insgesamt ist die Zustimmung zur Notwendigkeit der Schweizer Armee im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozentpunkte von 74% auf 79% gestiegen. Diese Zunahme muss allerdings aufgrund der statistischen Verteilung relativiert werden. Im Mittel ist die Akzeptanz konstant geblieben, da die Armee leicht seltener für «unbedingt» (26%, –2%) und häu¬figer für nur «eher» notwendig (53%, +7%) gehalten wird. Niedriger liegt wie immer der Zustim¬mungswert bei den 20–29-Jährigen und bei politisch links Eingestellten. Doch es gibt hierbei eine bemerkenswerte Veränderung: Während die Zustimmung zur Notwendigkeit der Armee bei den poli¬tisch links Eingestellten konstant bei 49% (–2%) blieb, ist sie bei den 20–29-Jährigen signifikant auf 69% (+15%) gestiegen.

Wehrstruktur : Milizarmee versus Berufsarmee

Milizarmee versus Berufsarmee

In den siebziger bis Mitte der achtziger Jahre bestand in der Schweiz bezüglich der Wehrform ein breiter Konsens: Für die Sicherstellung der Landesverteidigung wurde die Milizarmee eindeutig der Berufsarmee vorgezogen. Der Anteil der SchweizerInnen, die eine Berufsarmee befürworten, ist im langfristigen Trend bis 1999 relativ kontinuierlich gestiegen. Seit der Jahrtausendwende halten sich mit kleineren Schwankungen die beiden Lager in etwa die Waage. 2007 bis 2010 lag der Anteil der BefürworterInnen einer Milizarmee wiederum leicht über jenem der BefürworterInnen einer Berufsarmee. Im Januar 2011 werden die beiden Ansichten jedoch wieder ungefähr gleich häufig vertreten. 48% (–2%) der Befragten ziehen für die Sicherstellung der Landes¬verteidigung eine Milizarmee vor, 43% (–1%) eine Berufsarmee.
Die 18–29-Jährigen, das heisst die Kohorte der Wehrpflichtigen, befürworten im langjährigen Trend die Berufsarmee stärker als der Rest der Bevölkerung (57%, ±0%).

 

Milizkader

Milizkader

Zwar hat seit 1983 der Prestigewert einer Militärkarriere tendenziell abgenommen, nach 2005 stieg dieser – entgegen der landläufigen Vermutung eines kontinuierlichen Prestigeverlustes – jedoch wieder an. Der bereits im Jahr 2010 beobachtete Prestigegewinn wird durch die diesjährige Erhebung bestätigt. So glauben 69% (–1%, bzw. +7% im Vergleich zu 2005), dass eine militärische Führungserfahrung auch im Zivilen berufliche Vorteile brächte. Als ehrenvoll wird die militärische Beförderung von 62% (–1% bzw. +10% im Vergleich zu 2005) wahrgenommen. Dies ist ein ähnlich hoher Prozentsatz wie im Jahr 1983.
Die Wahrnehmung, dass eine Milizkarriere mit beruflichen Nachteilen verknüpft sei, ist hingegen seit 1998 im Mittel konstant geblieben. Im Jahr 2011 vertreten 38% (–3%) diese Ansicht.
Im Vergleich zum Vorjahr hat die Ablehnung einer Zwangsverpflichtung zum Weitermachen signifikant abgenommen. Während 2010 nur jeder Fünfte die Zwangsverpflichtung befürwortete, wird diese im Januar 2011 von jedem Vierten gutgeheissen (25%, +5%).

 

Einstellung zu den Verteidigungsausgaben

Verteidigungsausgaben

Der öffentliche Druck zu Sparmassnahmen im Verteidigungsbereich hat sich – wie bereits im Jahr 2010 anhand einer anderen Fragestellung beobachtet werden konnte – abgeschwächt: Noch nie seit Beginn dieser Erhebungsreihe im Jahr 1986 gaben so viele Befragte wie im Januar 2011 an, die Schweiz gebe «zu wenig» (14%) oder «viel zu wenig» (2%) Geld für die Ver¬teidigung aus. Im Vergleich zur letztmaligen Erhebung im Jahr 2009 hat sich dieser Anteil von 7% auf 16% mehr als verdoppelt. Während die Auffassung, die Ausgaben seien zu hoch, gegenüber 2009 mit 39% (–1%) konstant häufig vertreten wird, halten 2011 deutlich weniger Befragte die Ausgaben für «gerade richtig» (38%, –8%).

 


Datenbasis

Die Studienreihe «Sicherheit» der Militärakademie an der ETH Zürich in Zusammenarbeit mit dem Center for Security Studies der ETH Zürich beruht auf einem Kern von Fragestellungen und Daten, die bis 1991 und zum Teil noch weiter zurückreichen. Damit wird dem Studienkonzept, Tendenzen und längerfristige Trends in der aussen-, sicherheits- und verteidigungspolitischen Meinungsbildung der Schweizer Bevölkerung mittels Repräsentativerhebungen sichtbar zu machen, Rechnung getragen. Die Datenerhebung fand 2011 vom 17. Januar bis 4. Februar telefonisch bei 1209 StimmbürgerInnen in allen Sprachregionen der Schweiz statt.

Die ±-Prozentzahlen in Klammern geben die Differenz zur Januarerhebung 2010 an. In der Befragung Sicherheit 2011 liegt der mögliche Stichprobenfehler bei einem Sicherheitsgrad von 95% im ungünstigsten Fall bei ±3%. Das heisst, ein von uns gemessener Wert von 50% für x gehört mit einer 95%igen Wahrscheinlichkeit zur Grundgesamtheit, d.h. der Schweizer Stimmbevölkerung, bei der die Häufigkeit von x zwischen 47% und 53% liegt. Wo nicht anders erwähnt, entsprechen die in Klammern ausgewiesenen prozentualen Häufigkeitsveränderungen zum Vorjahr nicht einem über dem Mittel signifikanten Meinungswandel. Hat sich die Einstellung gegenüber dem Vorjahr statistisch gesehen signifikant verändert,
dann wird dies im Text explizit erwähnt.

Am 13. Februar 2011 stimmten die StimmbürgerInnen über die Volksinitiative «Für den Schutz vor Waffengewalt» ab. Diese verlangte die Deponierung der Armeewaffen im Zeughaus und ein gesamtschweizerisches Waffenregister. Die Volksinitiative wurde bei einer Stimmbeteiligung von 48,8% mit 56,3% Nein- zu 43,7% Ja-Stimmen abgelehnt. Da die Meinungsbildung unter anderem durch aktuelle Ereignisse beeinflusst werden kann, könnte die Diskussion um die Ordonnanzwaffe, bzw. über die Initiative einen Einfluss auf die Resultate der Erhebung «Sicherheit 2011» ausgeübt haben. Inwiefern dies zutreffend ist und falls ja in welchem Masse der Abstimmungskampf die öffentliche Meinung zu Fragen der Sicherheitspolitik beeinflusste, lässt sich aus unseren Daten aber nicht ableiten.

 

Für Fragen zu dieser Seite: Kommunikation VBS
Zuletzt aktualisiert am: 03.11.2011
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