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Eidgenössisches Departement für Verteidigung,
Bevölkerungsschutz und Sport
Gripen

Tiger-Teilersatz TTE

Fragen und Anworten

 

 

Bedarf

 

Wieso müssen die Tiger ausser Dienst gestellt werden?

Die Tiger wurden mit den Rüstungsprogrammen 1975 und 1981 beschafft. Sie basieren auf veralteter Technologie und genügen den Mindestanforderungen für den Luftpolizeidienst nicht mehr: Sie sind nicht bei jedem Wetter sowie Tag und Nacht einsetzbar, und der Radar kann nicht tiefer fliegende Objekte erfassen.

 

Wozu brauchen wir Kampfflugzeuge?

Die Luftwaffe überwacht und verteidigt den Luftraum der Schweiz; das ist ihre wichtigste Aufgabe. Sie soll zudem Aufklärung aus der Luft betreiben und das Heer durch die Bekämpfung von Bodenzielen unterstützen. Die beiden letzten Aufgaben wurden mit der Ausserdienststellung der Mirage III RS 2003 (Aufklärung) und der Hunter 1994 (Luft-Boden-Einsätze) temporär aufgegeben. Mit dem Tiger-Teilersatz soll das Know-how dafür wieder aufgebaut werden.

 

Wofür ist es nötig, Luft-Boden-Fähigkeiten wieder aufzubauen?

Für die Abwehr eines militärischen Angriffs muss die Luftwaffe das Heer mit der Bekämpfung von Bodenzielen unterstützen, und die Fähigkeit dazu muss im Frieden aufgebaut werden, wenn sie im Krieg verfügbar sein soll. Die Luftwaffe soll deshalb Know-how für Luft- Boden-Einsätze wieder aufbauen. Dieser Aufbau hat aber keinen Einfluss auf die Anzahl der zu beschaffenden Flugzeuge.

 

Wieso genügen 33 F/A-18 nicht?

Bei einer konkreten Bedrohung erfordert die Kontrolle und der Schutz des schweizerischen Luftraums eine Permanenz von Kampfflugzeugen in der Luft. Dann überwachen typischerweise vier Flugzeuge den Luftraum. Mit den 33 F/A-18 allein kann das die Luftwaffe höchstens rund drei Wochen durchhalten. – Im Übrigen reicht die F/A-18-Flotte auch nicht für den Wiederaufbau einer Minimalbefähigung in den Bereichen Luftaufklärung und Luft-Boden.

 

Wieso genügt es bei einer konkreten Bedrohung nicht, am Boden startklar zu sein?

Ein durchfliegendes Jetflugzeug benötigt weniger als 15 Minuten, um die Schweiz von Norden nach Süden zu überqueren. Auch mit einem Alarmstart reicht die Zeit nicht aus, um mit einem Kampfflugzeug aufzusteigen und zu intervenieren. Ein weiterer Grund für Permanenz in der Luft ist die Fähigkeit moderner Kampfflugzeuge, tieffliegende Flugzeuge in Tälern mit dem Bordradar zu entdecken. Dies ist mit bodengestützten Radarsystemen nicht effizient möglich.

 

Wie lange fliegen die F/A-18 noch?

Die F/A-18C/D können noch bis mindestens 2030 eingesetzt werden.

 

Könnten wir nicht mit Nachbarstaaten kooperieren?

Die Schweiz kooperiert mit ihren Nachbarstaaten, z.B. im Austausch von Luftlagedaten und wenn es darum geht, verdächtige oder unkooperative Flugzeuge zu identifizieren und zu verfolgen. Wenn es aber um Luftpolizeidienst und Luftverteidigung geht (wie übrigens auch Aufklärung und Luft-Boden-Einsätze), dann steht die Souveränität auf dem Spiel, und fast alle Staaten nehmen diese Aufgaben selbst wahr – selbst innerhalb von Bündnissen.

 

Alternativen

 

Wieso stehen gebrauchte F/A-18C/D nicht zur Diskussion?

Die Produktion der F/A-18C/D, also jener Version, von der die Schweiz 33 Stück betreibt, wurde vor Jahren eingestellt. Das VBS hat sich bei Staaten, die ebenfalls F/A-18C/D betreiben, umgesehen, aber in nützlicher Frist sind keine gebrauchten F/A-18C/D erhältlich. (Gebrauchte F/A-18A/B müssten vollständig überholt und veraltete Systeme ersetzt werden. Das Verhältnis von Preis und Leistung wäre schlechter und die Risiken höher als bei neuen Flugzeugen.)

 

Wieso werden keine russischen Kampfflugzeuge beschafft?

Die Integration eines Kampfflugzeugs aus Russland in die Infrastruktur der Luftwaffe wäre Neuland mit Unbekannten, technischen Risiken und finanziellen Konsequenzen. Die deutsche Luftwaffe musterte die von der DDR übernommenen MIG-29 nach wenigen Jahren aus, weil die Instandhaltungskosten sehr hoch und die Beschaffung von Ersatzteilen schwierig waren. Auch osteuropäische Länder haben grösstenteils zu westlichen Modellen gewechselt.

 

Wieso wurden keine US-Kampfflugzeuge evaluiert?

Die F/A-18E/F ist eine Weiterentwicklung der F/A-18C/D, aber grösser und leistungsfähiger. Der Hersteller (Boeing) lehnte eine Teilnahme an der Evaluation ab. Der Joint Strike Fighter (F-35) kommt für die Schweiz zu spät auf den Markt, und der F-22 Raptor ist auf höchste operationelle Leistung ausgelegt, und selbst die amerikanische Luftwaffe beschaffte aus finanziellen Gründen nur relativ wenige Flugzeuge.

 

Sind Drohnen keine Alternative?

Unbemannte Maschinen – auch solche modernster Bauart - können bemannte Kampfflugzeuge noch nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Besonders für den Luftpolizeidienst ist die Präsenz eines Piloten vor Ort wichtig, um situationsgerechte Entscheide zu treffen. Generell sind unbemannte bewaffnete Flugzeuge nicht gleich vielfältig einsetzbar wie bemannte.

 

Sind Boden-Luft-Raketen keine Alternative?

Boden-Luft-Raketen können nur eingesetzt werden, um Flugobjekte abzuschiessen, nicht aber, um sie vor Ort zu identifizieren, zu warnen, abzudrängen oder zur Landung zu zwingen. Sie sind damit für den Luftpolizeidienst unbrauchbar: ein unkooperatives Flugobjekts einfach abzuschiessen, wäre - ausser im Krieg - keine akzeptable Option.

 

Sind Helikopter oder bewaffnete leichte Flugzeuge keine Alternative?

Bewaffnete Helikopter und bewaffnete leichte Flugzeuge sind zu langsam, um zivilen Jet-Passagierflugzeugen zu folgen, ganz zu schweigen von Kampfflugzeugen. Sie können zudem nicht genügend hoch eingesetzt werden. Weiter haben sie auch keinen Luft-Luft-Radar zum Erkennen anderer Flugobjekte. Schliesslich hat sich gezeigt, dass selbst Kampfhelikopter gegenüber Beschuss vom Boden aus sehr verwundbar sind.

 

Könnte mit Luftbetankung mehr aus den F/A-18 herausgeholt werden?

Luftbetankung erlaubt es Kampfflugzeugen, länger in der Luft zu bleiben. (Sie müssen aber während des Tankvorgangs ihren Einsatz unterbrechen.) Damit könnte mit gleich vielen Flugzeugen eine dauernde Präsenz in der Luft länger durchgehalten werden. Allerdings ist der Effekt eher gering, weil die Distanz zwischen Einsatzort und Flugplatz in der Schweiz kurz ist. Zudem müssten erhebliche Investitionen für den Aufbau eigener Luftbetankung getätigt werden.

 

Typenwahl

 

Weshalb soll der Gripen beschafft werden?

Alle drei evaluierten Flugzeuge erfüllen die militärischen Anforderungen. Der Gripen ist mit Abstand das Günstigste in Bezug auf die Beschaffung und den Betrieb. Damit lässt seine Beschaffung auch Raum für eine umfassende und moderne Ausrüstung und Bewaffnung der anderen Teile der Armee. Der Entscheid für den Gripen ist in diesem Sinn richtungswesend; Es kann nicht Leitlinie sein, ohne Rücksicht auf die Kosten das technisch Beste zu beschaffen.

 

Ist der Gripen E/F ein „Papierflieger“?

Der Gripen E/F ist eine Weiterentwicklung des Gripen C/D, der bei fünf Luftwaffen (Schweden, Tschechische Republik, Ungarn, Südafrika, Thailand) im Einsatz ist. Es handelt sich nicht um ein völlig neues Flugzeug, auch wenn wichtige Komponenten (z.B. Triebwerk, Radar, Grösse der Tanks) verbessert werden. Das technische und finanzielle Risiko dieser Weiterentwicklungen wurde in den Kosten mit einer höheren Risikomarge berücksichtigt.

 

Muss sich die Schweiz an der Entwicklung des Gripen E/F beteiligen?

Die Offerte von Saab für 22 Gripen E/F schliesst alles ein, auch den Entwicklungsaufwand bis zur Ablieferung der Flugzeuge. Spätere Upgrades, wie sie für jedes Kampfflugzeug üblich sind, würden separat verrechnet. Die Schweiz geht aber keine Verpflichtungen ein, sich an späteren Weiterentwicklungen zu beteiligen – sie kann das nach Massgabe der Bedürfnisse der Luftwaffe entscheiden.

 

Wäre Leasing eine Option?

Da geplant ist, die Flugzeuge während 30 Jahren zu betreiben, wäre Leasing im Vergleich zum Kauf wirtschaftlich nicht interessant.

 

Wann werden die Gripen an die Schweiz geliefert?

Der Zeitpunkt der Ablieferung ist noch offen; frühestens könnte dies 4 Jahre nach Vertragsabschluss erfolgen. Frühestens wäre dieser Vertragsabschluss nach der Zustimmung des Parlaments zum Rüstungsprogramm 2012 möglich (Ende 2012). Wenn aber ein Referendum gegen die Finanzierung der Armee hängig ist, muss man die Abstimmung abwarten. Zudem ist es technisch und finanziell naheliegend, mit Schweden einen gemeinsamen Zeitplan zu finden.

 

Welche Erfahrungen haben die Tschechische Republik, Ungarn, Südafrika und Thailand mit dem Gripen gemacht?

Die Schweiz hat eine eigenständige Evaluation der drei Flugzeuge durchgeführt. Grundsätzlich kann aber festgehalten werden, dass die Gripen-Betreiberstaaten mit dem Flugzeug (es handelt sich dabei um das Modell C/D) zufrieden sind. Die Tschechische Republik und Ungarn, die ihre Gripen nicht gekauft, sondern geleast haben, beabsichtigen diese Verträge zu verlängern. Südafrika und Thailand haben die Gripen erst vor kurzem erhalten.

 

Wieso verhandeln wir mit der schwedischen Regierung?

Das VBS verhandelt nicht nur mit der Firma Saab, sondern auch mit der schwedischen Regierung (FXM – die Rüstungsexportbehörde im Verteidigungsministerium), um die Konditionen zu optimieren und die schweizerischen und schwedischen technischen Anforderungen und Zeitpläne zum Vorteil beider Seiten aufeinander abzustimmen. Es ist noch offen, ob schliesslich ein Vertrag mit der schwedischen Regierung oder Saab abgeschlossen wird.

 

Wieso wurde der Typenentscheid nicht stärker als Mittel der Aussenpolitik eingesetzt?

Die Wirkung des Typenentscheids, um Konzessionen in anderen Dossiers zu erreichen, ist begrenzt: Die Evaluation basiert auf der Annahme, dass technische und finanzielle Gründe entscheidend sind; Regierungen von Anbieterstaaten können das Problem allein auf ihrer Ebene eventuell gar nicht beilegen; und der Versuch, Konzessionen zu erreichen, kann die entgegengesetzte Wirkung haben, wenn man schliesslich doch ein Konkurrenzprodukt wählt.

 

Wird Saab in 30 Jahren noch existieren und Flugzeuge produzieren?

Die schwedische Regierung garantiert die Unterstützung – d.h. die technische Weiterentwicklung und den technischen Support - des Gripen bis mindestens 2040. Diese Garantie wird durch den Umstand gestützt, dass die schwedische Luftwaffe für ihre Jet-Flotte zu 100% auf den Gripen setzt. Die Frage, ob Saab Nachfolgetypen zum Gripen produzieren wird, ist offen. Das gilt aber auch für die anderen europäischen Kampfflugzeughersteller.

 

Können Dassault oder EADS neue Angebote unterbreiten?

Der Bundesrat hat den Typenentscheid nach einer gründlichen, systematischen und auch langen Evaluation gefällt. Die Hersteller reichten im Lauf des Evaluationsprozesses insgesamt vier Offerten ein und hatten dabei genügend Möglichkeiten, ihre Preise wettbewerbsfähig zu gestalten. Es besteht deshalb kein Anlass, auf den Entscheid zurückzukommen. Neue Offerten der Hersteller werden weder angeregt, noch könnte auf sie eingetreten werden.

 

Für Fragen zu dieser Seite: Kommunikation VBS
Zuletzt aktualisiert am: 09.03.2012
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