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«Jugend und Sport»-Programm: Moratorium für neue Sportarten fällt

Das seit 2009 geltende Moratorium für neue «Jugend und Sport»-Sportarten wird aufgehoben. Das Parlament hat den Bundesrat beauftragt, die entsprechenden Rechtsgrundlagen anzupassen.

05.06.2018 | Kommunikation VBS, Marco Zwahlen

Jugend + Sport


«2009 hat der Bundesrat aus finanziellen Gründen ein Moratorium eingeführt, das die Aufnahme neuer Sportarten ins Programm Jugend und Sport untersagte. Die Begrenzung auf jene Sportarten, die von ‹Jugend und Sport›-Subventionen profitieren können, wirkt mittlerweile willkürlich und nicht immer zeitgemäss», begründet Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger (CVP, LU) ihre Motion. Und weiter: Das Angebot und auch die Nachfrage von Sportarten in der Schweiz habe sich in den letzten acht Jahren markant verändert. Die Rechtsgrundlagen seien darum anzupassen: Neue Sportarten, die eine gewisse Grösse haben sowie über etablierte Verbands- und Vereinsstrukturen verfügen würden, seien ins «Jugend und Sport»-Programm des Bundesamtes für Sport (BASPO) aufzunehmen. Als Grössenkriterium nennt die Motionärin «600 Kinder und Jugendliche respektive ungefähr 1 Promille aller ‹Jugend und Sport›-Teilnehmerinnen und Teilnehmer». Sie ist überzeugt, dass die Aufnahme neuer Sportarten den Funktionskredit nur wenig belasten würde.

Ausdrücklich «haushaltsneutrale» Umsetzung

Der Nationalrat hatte die Motion im September 2017 befürwortet. Ebenso der Ständerat im März 2018. Dies allerdings mit einer Änderung. Der abgeänderte Wortlaut betont ausdrücklich, dass die Aufnahme neuer Sportarten haushaltsneutral erfolgen soll, d.h. sich nicht auf das Budget des BASPO auswirken darf. Dem stimmt auch der Nationalrat zu. Er hat die abgeänderte Motion ohne Gegenstimme an den Bundesrat überwiesen.

Bundesrat: Kein Bedarf

Der Bundesrat beantragte Ablehnung der Motion. Seine Begründung: « Eine markante Nachfrageverschiebung in Richtung neue Trendsportarten ist nicht zu erkennen.» Die grössten Zuwachsraten in «Jugend und Sport» würden herkömmliche Sportarten wie Fussball, Turnsport oder Tennis verzeichnen. Die Landesregierung bestätigt in ihrer Antwort die von der Motionärin gennannten Grössenkriterien. Erst, wenn diese erreicht würden, sei der Aufwand für den Aufbau einer spezifischen Ausbildungsstruktur zu rechtfertigen. Aber: «Von den rund 25 Sportarten, die in den vergangenen Jahren beim BASPO ein ‹Jugend und Sport›-Aufnahmegesuch gestellt haben, erreichen nach heutigen Schätzungen lediglich zwei Sportarten diese kritische Grösse (American Football, Kampfkünste).»

Der Bundesrat hält zudem fest, dass der Aufnahmestopp für neue Sportarten 2009 per Bundesbeschluss eingeführt worden wäre und dieses mit dem Konsolidierungs- und Aufgabenüberprüfungspaket 2014 bestätigt worden sei.

«Jugend+Sport»-Programm

Jugend+Sport ist das grösste Sportförderungsprogramm des Bundes. Das Jahresbudget beläuft sich auf rund 100 Mio. Franken. Jährlich finden rund 75'000 Sportkurse oder Lager mit rund einer Million Teilnahmen statt. Die Aus- und Weiterbildung von «Jugend und Sport»-Leiterpersonen ist ein zentrales Programmziel, an dessen Umsetzung die nationalen Sportverbände mitwirken. Das Bundesamt für Sport (BASPO) legt für jede «Jugend und Sport»-Sportart die Ausbildungsstrukturen fest, konzipiert die didaktischen Grundlagen und formuliert Grundsätze in den Bereichen Sicherheit, Prävention und Integration. In diesem Zusammenhang entwickelt das BASPO die erforderlichen Lehr- und Lernmittel. Jedes Jahr besuchen über 75 000 Leiterinnen und Leiter sowie rund 3500 Expertinnen und Experten die Aus- und Weiterbildungskurse in «Jugend und Sport».

Jugend+Sport