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Damit drin ist, was drauf steht

Rund 200 Millionen Franken wurden 2017 für 5,6 Millionen Diensttage ausgegeben. Alleine 53 Millionen Franken verschlingt die Verpflegung. 8,75 Franken pro Tag und Armeeangehörigen werden für drei Mahlzeiten und zwei Zwischenverpflegungen eingesetzt. An der Qualität wird nicht gespart, stammen doch die meisten Lebensmittel aus Schweizer Produktion.

03.10.2018 | Kommunikation Verteidigung, Gabriela Zimmer

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Milizoffizier Lucas Urban sorgt mit seinem Team dafür, dass auf dem grössten Waffenplatz der Armee in Thun dreimal täglich durchschnittlich 1200 Armeeangehörige gut essen. Was die Küchenchefs mit ihren Mitarbeitern, unter der Führung des vollamtlichen Verpflegungscenterleiters, auf die Mittagszeit zubereiten, wird eine Woche im Voraus geplant und eingekauft. Zwanzig Prozent der Produkte sind sogenannter Armeeproviant. Dieser wird in Grossmengen und damit günstig eingekauft, im Armeeverteilcenter Brenzikofen gelagert, disponiert und für die Truppe bereitgestellt. Beim Armeeproviant handelt es sich um gut hundert Produkte, unter anderem Pasta, Reis, Polenta, Tee, Riegel, Schokolade und Biskuits.

Frischprodukte aus der Region

Gemüse, Salat, Fleisch, Brot und Milchprodukte stammen aus der Region. Das Kalbsgeschnetzelte, wurde frühmorgens im Umfang von 300 Kilo aus einer Dorfmetzgerei angeliefert. Die Zusammenarbeit mit den Lieferanten und den Branchenverbänden führt dazu, dass die Armee nicht mehr wie früher als garantierte Abnahmequelle für mindere Qualität dienen muss. Als zuverlässige Kundin mit grossen Abnahmemengen und Zahlungsgarantie kann die Armee immer wieder von Spezialangeboten profitieren. «Wir pflegen mit unseren Lieferanten eine direkte und ehrliche Kommunikation. Wenn mal etwas nicht passt, reagieren wir sofort. Bei grösseren Konflikten hilft uns das Truppenrechnungswesen», weiss der Quartiermeister. Claude Portmann, Chef Truppenrechnungswesen der Armee, hat mit seinem Team im Truppenrechnungswesen mit den Schweizer Branchenverbänden entsprechende Verhaltenskodexe ausgehandelt. Das Interesse, gut im Geschäft zu bleiben, ist gegenseitig – und seit dem Entscheid «Schweizer Produkte für Schweizer Armee» – noch enger.

Michael Wölfli von der Metzgerei im bernischen Uetendorf bestätigt das Interesse an einer Zusammenarbeit. Als Fleischlieferant für den Waffenplatz Thun bietet er deshalb auch immer mal wieder ein Sonderangebot an. «Grade bei Bestellungen für Grossanlässe kann es je nach Besucheraufmarsch einen grösseren Lagerposten geben. Wenn ich diesen dann der Armee zu einem günstigen Preis anbiete, ist beiden geholfen», findet Wölfli. Er ist glücklich über den Entscheid der Armee, auf Schweizer Fleisch zu setzen. Wölfli betont auch, dass die Quartiermeister der Armee, dank den haushälterischen Vorgaben von 8,75 Franken pro Tag, nicht nur Filet und Huftfleisch auftischen können, wie das im Privathaushalt zunehmend der Fall sei. «Ich finde es ethischer, wenn man das gesamte Tier verwertet und nicht übermässig Schlachtabfälle produziert.»

Armeeproviant schont die Truppekasse

Peter Hofer, Bereichsleiter Armeeproviant im Armeeverteilcenter Brenzikofen, ist Herr über Lebensmittel, welche im Hochregallager rund 3000 Paletten in Anspruch nehmen. Diese werden acht- bis zehnmal pro Jahr nachgefüllt. Grundlage sind Rahmenverträge mit den Lieferanten, die auf Bestellung liefern. «Damit vermeiden wir Konflikte mit den Verfalldaten», erklärt Hofer. Gleiches ermöglicht auch das per 1. Januar 2018 eingeführte neue System des Rückschubs, bevor die Schulen mit der Phase der Verbandausbildung beginnen. Damit werden die 18 Wochen unterbrochen, die Bestellmengen sind kleiner und die Ablaufdaten kein Problem. «Dank den grossen Mengen, welche wir in den Rahmenverträgen festhalten, profitieren wir von einem extrem guten Einkaufspreis. Das entlastet die Budgets der Quartiermeister.»

Mehrheitlich Schweizer Lebensmittel

Seit über drei Jahren werden in der Truppenküche mehrheitlich Schweizer Lebensmittel aufgetischt. Wie stellt Quartiermeister Urban sicher, dass die Lieferung auch – wie deklariert – inländisch produziert wurde? «Fleischprodukte werden bei der Anlieferung minutiös überprüft. Auch, ob die verlangten Gewichte eingehalten wurden. Sonst stimmt die Buchhaltung nicht», betont Leutnant Urban, der im zivilen Leben Elektroniker ist und nach dem Abverdienen ein Studium als Wirtschaftsinformatiker beginnen will. Für ihn ist der Job als Quartiermeister in der Armee, und besonders auf dem grössten Waffenplatz der Schweiz, zwar eine tägliche Herausforderung, aber eine sensationelle Lebensschule: «Ich habe dreimal täglich Einsatz. Wenn wir versagen, isst die Truppe nicht.» Das Truppenrechnungswesen vergütet täglich 8,75 Franken pro Armeeangehörigen für drei Mahlzeiten und zwei Zwischenverpflegungen. Da bedeutet für Urban und seinesgleichen genau kalkulieren.

B-Post und weniger Zeitungen

Auch im Postwesen hat das Truppenrechnungswesen Leistungen optimiert. Claude Portmann Chef Truppenrechnungswesen der Armee, hat neu für die Feldpost B-Frankatur angeordnet. Pro Sendung hat das wenig Wirkung. Wenn man aber bedenkt, dass 2017 rund 1,3 Millionen Briefpostsendungen verschickt wurden, kommt da eine beachtliche Einsparung zusammen. Nicht nur die Reduktion der Frankatur ist ein Gewinn, auch die geringere Auflage der Zeitungen, die in der Armee ausgeliefert werden, hat das Verteidigungsbudget entlastet. Vor fünf Jahren wurden in die Pausenräume der Armee jährlich noch vier Millionen Zeitungen ausgeliefert. Nachdem man festgestellt hatte, dass die Zeitungen von den Angehörigen der Armee nicht mehr gelesen wurden und man stapelweise Zeitungen ungelesen entsorgen musste, reduzierte man das Angebot. Heute werden noch 800 000 Zeitungen aufgelegt. Diese Massnahme hat den Haushalt von 1,4 Millionen Franken auf rund 300 000 Franken reduziert – und gleichzeitig die Menge Altpapier reduziert.