print preview Zurück zur Startseite

«Mir ist es wichtig, einen guten Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit zu haben»

Heute ist der Internationale Männertag. Im Zentrum dieses Tages steht die Gleichberechtigung aus Sicht der Männer. Insbesondere der Wunsch, Teilzeit arbeiten zu können, steht dabei im Fokus. Zum Thema Teilzeitarbeit stellen wir Fragen an Alexander T.*, der 60 Prozent im Jobsharing beim Nachrichtendienst des Bundes arbeitet.

19.11.2019 | Personal VBS

Was hat Sie dazu bewogen, Teilzeit zu arbeiten?

Ich habe zwei Kinder, mit denen ich mehr Zeit verbringen wollte als nur das Wochenende. Ganz allgemein will ich einen gleichberechtigten Anteil an der Kinderbetreuung und am Haushalt leisten; und mir ist es wichtig, einen guten Ausgleich zwischen Arbeit und Freizeit zu haben.

Werden Sie oft darauf angesprochen, dass Sie als Mann Teilzeit arbeiten?

Nein. Es ist aber so, dass meistens angenommen wird, ich arbeite Vollzeit. Wenn ich dann erkläre, dass ich Teilzeit arbeite – und vor allem 60 Prozent – ernte ich oftmals erstaunte Reaktionen und werde gefragt, aus welchem Grund. Wenn ich als Grund die Familie und die Kinderbetreuung nenne, sind die Reaktionen dann hingegen meistens wohlwollend.

Sie arbeiten beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) in einem Jobsharing. Wie ist es dazu gekommen?

Der NDB ist seit 2016 durch die Fachstelle «UND» als besonders familienfreundlicher Arbeitgeber mit dem Prädikat «Familie UND Beruf» zertifiziert. In diesem Rahmen wurden auch Jobsharing-Modelle eingeführt. Meine Stelle war als Jobsharing-Stelle mit einem 60-Prozent-Pensum ausgeschrieben. Diese Kriterien waren für mich denn auch eine ganz spezielle Motivation, mich auf die Stelle zu bewerben.

Welchen Nutzen für den Arbeitgeber haben aus Ihrer Sicht Teilzeitmitarbeitende?

Oftmals haben Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mit Teilzeitpensen eine höhere Motivation und sind effizienter, da sie schlicht weniger Zeit haben, ihre Aufgaben zu erfüllen. Für den Arbeitgeber bietet sich auch die Chance, mehr Diversität hineinzubringen, da Personen mit ganz unterschiedlichen persönlichen Situationen an Teilzeitpensen interessiert sind. Beispielsweise Personen mit Betreuungsaufgaben, Personen in Ausbildung, Personen mit zusätzlichen Interessen wie Sport, Forschung, Politik oder Musik oder Personen, die aufgrund von Beeinträchtigungen nur reduziert arbeiten können. Daraus ergibt sich eine bessere Durchmischung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ausserdem können mehr Personen für die gleichen Stellenprozente eingestellt werden. Nicht zuletzt sind Teilzeitstellen wichtig, um das Personal an sich binden zu können, da so gegebenenfalls auf sich verändernde, individuelle Lebenssituationen Rücksicht genommen werden kann.

Welches sind die Herausforderungen der Teilzeitarbeit?

Nach wie vor ist Teilzeitarbeit in vielen Fällen ein Hindernis für den beruflichen Aufstieg. In meinen Augen hat dies auch damit zu tun, dass nach wie vor vielerorts Präsenz im Büro automatisch mit Leistung gleichgestellt wird. Für den Arbeitgeber können sich teilweise auch organisatorische Schwierigkeiten ergeben, wenn zum Beispiel in einem Team sehr viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Teilzeit arbeiten und es schwierig wird, gemeinsame Termine zu finden. Mit einer guten Planung lässt sich dem aber gut vorbeugen. Auf einer persönlichen Ebene empfinde ich teilweise auch Frustration darüber, nicht alle Projekte, die ich gerne durchführen möchte, auch verfolgen zu können, da mir dafür einfach die Zeit fehlt.

Laut einer Studie wünscht sich eine Mehrheit der Männer, Teilzeit zu arbeiten. Tatsächlich arbeiten aber nur wenige Männer Teilzeit. Welche Gründe könnte dies Ihrer Meinung nach haben?

Ich kann mir vorstellen – und weiss dies auch von Bekannten – dass viele Männer mit ihren Forderungen nach einer Reduktion des Pensums zurückhaltend sind, da sie die Reaktion ihrer vorgesetzten Person fürchten und Angst haben, karrieretechnisch einen Rückschritt zu machen. Es gibt natürlich auch verschiedene handfeste Gründe wie finanzielle Überlegungen oder branchenspezifische Aspekte, welche die Teilzeitarbeit verunmöglichen. Allgemein bin ich jedoch der Ansicht, dass in vielen Fällen Männer in Teilzeit arbeiten möchten, aber ihre Forderung zu wenig stark anbringen.

* Name geändert

Information zum Internationalen Männertag

Der Internationale Männertag wurde 1999 in Trinidad und Tobago eingeführt. Seine Ziele sind die Fokussierung auf die Gesundheit von Jungen und Männern, die Förderung der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen sowie die Hervorhebung männlicher Vorbilder. Das klassische Verständnis von Familie hat sich gewandelt, und die klassische Familie, in welcher der Mann als Ernährer zur Arbeit geht und die Frau zum Haushalt und den Kindern schaut, ist nur noch eine Möglichkeit unter vielen. Somit können heute beide Geschlechter zunehmend ihre individuellen Lebensentwürfe realisieren.

Arbeitgeber VBS

Rund 12 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen sich tagtäglich in über 200 zivilen und militärischen Berufen für eine sichere Schweiz ein. Kaum ein Departement ist vielfältiger als das VBS. Das VBS setzt sich konsequent für Gleichstellung ein. Die Lohngleichheit zwischen Frau und Mann gilt und wird periodisch überprüft. Die Gleichstellung ist Teil der täglichen Arbeit und wird bei allen Personalprozessen berücksichtigt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird u.a. durch flexible Arbeitsformen, finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung, Mutter- und Vaterschaftsurlaub, die Möglichkeit der Reduktion des Arbeitspensums nach der Geburt unterstützt.

Arbeitgeber VBS