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MitteilungVeröffentlicht am 27. August 2026

«In der Armee geht es viel kreativer zu und her, als man denkt»

Sara Affolter arbeitet als Fotografin bei den Digitalen Medien der Armee DMA. Warum für sie jeder Tag ein neues Abenteuer ist, wie sie mit ihrer Arbeit auch für den Tierschutz kämpfen kann und warum sie dem Bundesrat Anweisungen geben darf, erzählt uns die 29-jährige aus Lohn-Ammannsegg im Interview.

Interviewserie «Menschen im VBS»

Das VBS beschäftigt über 12'000 Menschen in rund 200 verschiedenen Berufen. In einer losen Serie geben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Bereichen und in verschiedensten Funktionen Auskunft über ihren Werdegang und ihre Tätigkeit.

Kommunikation VBS, Tanja Rutti

Sara Affolter, Sie sind als Fotografin beim DMA tätig. Erläutern Sie uns kurz Ihre Hauptaufgaben.

Ich dokumentiere mit meiner Arbeit, was in der Armee und im VBS passiert, zunehmend nicht nur mit Fotos, sondern auch zusätzlich mit Videos. Die Aufträge sind äusserst vielfältig. Sie reichen von der Begleitung des Chefs der Armee oder des Bundesrats bei offiziellen Besuchen über Gruppenaufnahmen bis hin zur fotografischen Dokumentation von Truppenübungen.

Seit wann sind Sie beim VBS und wie kamen Sie zu dieser Stelle beim DMA?

Während meines Studiums von 2021 bis 2024 arbeitete ich bei swisstopo im Bereich Luftbildscan. Dort baute ich unter anderem ein Reprosystem auf, mit welchem analoge Luftbilder digitalisiert werden. In dieser Zeit stand ich mit dem DMA im Austausch. Die abwechslungsreiche Arbeit und das breite Aufgabenspektrum dort hatten mich sehr angesprochen und als eine Stelle frei wurde, bewarb ich mich und habe dann auch den Zuschlag bekommen.

Wie ist Ihr Werdegang? Welchen Beruf haben Sie erlernt?

Ich habe zuerst eine dreijährige Lehre als Fotofachfrau EFZ mit Fachrichtung Finishing absolviert. Danach habe ich in einem analogen Fotolabor sowie in anderen Fotofachgeschäften gearbeitet. Da ich mehr in die Fotografie eintauchen wollte, absolvierte ich dann die Höhere Fachschule für Fotografie an der Schule für Gestaltung in Bern. Während des Studiums konnte ich zweimal am Canon Student Development Programm teilnehmen, für welches weltweit jährlich 100 Studenten ausgewählt und gefördert werden.

Sie haben beim DMA ein 70%-Pensum und arbeiten nebenbei noch selbstständig. Wie ist für Sie diese Aufteilung?

Bereichernd und reizvoll. Die Einsätze beim DMA haben immer Priorität. Darum herum plane ich dann meine selbstständigen Aufträge und Projekte.

Dies kann auch anstrengend sein.

Ja, das ist richtig, aber dieses Anstellungsmodell hat auch viele Vorteile. Einerseits bietet es die Sicherheit einer Festanstellung, andererseits bleibt genügend Freiraum, um eigene Projekte zu realisieren. Davon profitiert auch das DMA. Es ist auf sehr gute Berufsleute angewiesen, und viele der erfolgreichsten Fotografinnen und Fotografen sind diese, welche auch selbstständig tätig und gefragt sind.

Ein Arbeitstag kann durchaus auch einmal 14 Stunden oder länger dauern.

Wie kann ein Arbeitstag bei Ihnen aussehen?

Bei uns gleicht kaum ein Tag dem anderen. Einsätze finden oft frühmorgens, spätabends oder auch einmal an einem Wochenende statt. Besonders bei Grossanlässen wie dem WEF stehen wir während mehrerer Tage fast ausschliesslich für das DMA im Einsatz. Jeder Auftrag beginnt mit einer sorgfältigen Planung: Ich kläre den Bedarf an Bildmaterial, organisiere den Einsatz und stelle die passende Ausrüstung zusammen – je nach Auftrag vom Rucksack bis zum voll beladenen Einsatzfahrzeug. Nach dem Einsatz werden die Daten gesichert, das Material retabliert und die Bilder bearbeitet, versendet oder für den Druck aufbereitet. Da kann ein Arbeitstag durchaus 14 Stunden oder länger dauern.

Fotografinnen und Fotografen sind sehr kreative Menschen. Kommen Sie bei Einsätzen für die Armee auf Ihre Kosten?

Man denkt sich häufig, dass die Armee mit den Fotografen strikt sei und wir sehr eingeschränkt seien, aber wir geniessen seitens Armee grosses Vertrauen, haben unsere künstlerische Freiheit und wir dürfen auch mal etwas wagen. Klar, es gibt es auch Standardaufträge wie Portrait, Passfotos und Handshake-Fotos, aber das gehört dazu. In der Regel sind die Auftraggeber sehr offen für Ideen und Vorschläge. In der Armee geht es viel kreativer zu und her, als man denkt. (lacht).

Welche Einsätze gefallen Ihnen besonders und gibt es ein Erlebnis, dass Ihnen speziell in Erinnerung geblieben ist?

Ich mag alles, was Dynamik und Action bietet: Reportagen, Truppenübungen oder aufwendige Imageproduktionen. Besonders schön sind Momente, in denen am Ende einfach alles zusammenpasst: das Motiv, das Licht und die Stimmung. Ein besonderes Erlebnis war beispielsweise ein Shooting bei Sonnenuntergang mit der Fliegerstaffel 11 vor einer F/A-18 auf dem Flugplatz Meiringen. Solche Bilder entstehen nur selten und sind auch für uns was Besonders.

Praktisch jede Woche wartet ein neues Abenteuer.

Sie sind sicherlich an den ungewöhnlichsten Orten unterwegs.

Unsere Einsätze führen uns an alle denkbaren und undenkbaren Orte: in einen Sprengbunker, in ein Kernkraftwerk, ins Bundeshaus, ans WEF, auf Militärflugplätze, in den Stollen von Mitholz oder in einen Panzer. Praktisch jede Woche wartet ein neues Abenteuer. An einem Tag begleite ich eine internationale Diplomfeier mit ausländischen Militärangehörigen, am nächsten dokumentiere ich eine Truppenübung im Gelände. Mal bin ich im Anzug im Bundeshaus unterwegs, mal mit Baustellenkleidung und Stahlkappenschuhen im Stollen. Genau diese Abwechslung macht den Reiz meines Berufs aus. Für einen klassischen Büroalltag wäre ich definitiv nicht gemacht.

Was mögen Sie sonst noch besonders an Ihrem Beruf?

Ich finde es an meinem Beruf besonders faszinierend, dass wir mit unseren Bildern die Zeitgeschichte dokumentieren. Bilder prägen unsere Wahrnehmung oft stärker als Worte und bleiben im Gedächtnis. Gerade deshalb hat unsere Arbeit eine grosse Bedeutung. Gleichzeitig tragen wir eine hohe Verantwortung. Denn jedes Bild zeigt nur einen bestimmten Blickwinkel. Vor allem in Krisen- oder Konfliktsituationen können Bilder sehr viel bewirken, sowohl im positiven als auch im negativen Sinn.

Was weniger?

Wenn ich zum Beispiel um Mitternacht mit feuchtem Material nach Hause komme und alles noch trocknen muss oder wenn ich sechs Stunden bei Minusgraden im Nebel auf den Start der Reportage warten muss. Aber auch das gehört dazu (lacht).

Man muss sich trauen, auch einem Bundesrat zu sagen, dass er sein Hemd noch kurz zurechtrücken soll.

Was sind die Voraussetzungen, um Ihren Beruf ausüben zu können?

Es braucht ein hohes Mass an Selbstständigkeit, Zuverlässigkeit und Stressresistenz. Wir sind meistens allein unterwegs und tragen die Verantwortung für den gesamten Auftrag – von der Planung über die Umsetzung bis zur Auslieferung. Oft gibt es nur eine Chance für das entscheidende Bild. Ist der Moment vorbei, lässt er sich nicht wiederholen. Deshalb sind eine gute Organisation, fundiertes Fachwissen und präzises Arbeiten unerlässlich. Dazu kommt eine gewisse körperliche Fitness, denn die gesamte Ausrüstung trägt man oft den ganzen Tag – und dies nicht selten unter anspruchsvollen Wetterbedingungen. Schliesslich braucht es auch eine Portion Selbstbewusstsein. Man muss sich trauen, auch hochrangigen Persönlichkeiten Anweisungen zu geben und einem Bundesrat zu sagen, dass er sein Hemd noch kurz zurechtrücken soll (lacht).

In Ihrer Arbeit sind auch immer mehr Drohnenaufnahmen gefragt. Wie bewerkstelligen Sie diese?

Fotografieren mit Drohnen ist tatsächlich ein sehr grosses Thema und wir arbeiten häufig damit. Aus diesem Grund haben wir bei uns im Team allesamt die Drohnenprüfung abgelegt. Wir haben unterdessen auch ein grosses Drohnensortiment.

Wen oder was würden Sie gerne mal vor die Linse bekommen?

Privat möchte ich mein Wildtierprojekt (siehe Kasten unten) international weiterführen und auf verschiedenen Kontinenten dokumentieren. Beim DMA würde ich gerne einmal eine internationale, mehrtägige Übung im Ausland begleiten. Ich wäre darauf bestens vorbereitet, denn inzwischen weiss ich, wie man speditiv in einen Panzer einsteigt und bei laufenden Rotoren in einen Super Puma springt (lacht).

Den Tieren eine Stimme geben

Nebst ihrer Arbeit für das DMA ist Sara Affolter auch als selbständige Fotografin tätig und engagiert sich dabei mit grosser Leidenschaft für den Tier- und Naturschutz. Sie gewann 2022 den mit CHF 15'000 dotierten Solothurner Kulturförderpreis für Fotografie und konnte darauf ihr Fotobuch «Wegwerfware» verlegen. Mit diesem Fotobuch, welches das Schicksal von Tieren aus Tierheimen und Auffangstationen dokumentiert, gewann sie den FEP Award der Federation of European Photographers für das beste Fotobuch Europas 2024.

Derzeit arbeitet sie an einem neuen Langzeitprojekt über Wildtiere und die Auswirkungen menschlicher Eingriffe auf deren Lebensräume. Die dabei entstandene Bildserie wurde für den Global Peace Photo Award nominiert und auf die Shortlist gewählt. Die Werke sind vom 21. August bis 27. September im Haus der Fotografie in Olten zu sehen, wo Sara Affolter anlässlich der PHOTOVILLE4600 den Young Talent Award in der Kategorie Natur gewonnen hat. Mit ihrer Fotografie möchte Sara Affolter Missstände sichtbar machen und den Tieren eine Stimme geben. Die Herausforderungen sind weltweit ähnlich: Lebensräume werden zerstört, Wildtiere verdrängt und die Artenvielfalt gerät zunehmend unter Druck. Künftig möchte sie deshalb ihr Projekt auch international weiterführen und auf verschiedenen Kontinenten dokumentieren. Dafür bewirbt sie sich derzeit um internationale Fördergelder.

Menschen im VBS