Ohne Nachhaltigkeit keine Sicherheit
Bundesrätin Viola Amherd erläutert exklusiv für die «Handelszeitung» die Nachhaltigkeitsstrategie des Eidgenössischen Departements VBS.
Zwischen der Nachhaltigkeit und meinem Departement VBS besteht ein enger Zusammenhang. Die Armee, der Zivilschutz, das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und weitere Bereiche im VBS unterstützen die zivilen Behörden bei Hochwasser, Murgängen, Erdrutschen und weiteren Naturkatastrophen. Wegen des Klimawandels müssen wir davon ausgehen, dass solche Ereignisse zunehmen.
Auf der einen Seite belastet das VBS bei der Erfüllung seiner Aufgaben die Umwelt, zum Beispiel mit den militärischen Infrastrukturen, bei den militärisch genutzten Naturräumen und Ressourcen.
Auf der anderen Seite leistet das VBS bereits heute einen wesentlichen Beitrag, damit die Welt auch noch für die nächsten Generationen lebenswert bleibt. Etwa indem es hilft, Katastrophen zu bewältigen und die Biodiversität zu fördern.
Durch die Erfüllung seiner Kernaufgaben schafft das VBS die Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung. Es verfügt in seinen Rollen als Immobilieneigentümer, Arbeitgeber und Verbraucher natürlicher Ressourcen auch über einen Gestaltungsspielraum zur nachhaltigen Entwicklung und nutzt diesen. Einzelne Bereiche des VBS haben ihre Leistungen bereits in Nachhaltigkeitsberichten publiziert. Bis Ende dieses Jahres wird in meinem Auftrag ein Nachhaltigkeitsbericht für das ganze Departement mit einem Nachhaltigkeitsleitbild erarbeitet. Darin werden die wichtigsten Themen für das VBS definiert, Ziele formuliert und aufgezeigt, was das VBS für eine nachhaltige Entwicklung leistet und zusätzlich leisten soll.
Nachhaltigkeitsstrategie des VBS
Als grosser Energieverbraucher und Immobilieneigentümer stösst das VBS aktuell rund 200'000 Tonnen CO₂ pro Jahr aus. Gegenüber 2001 konnte es den Ausstoss pro Jahr bereits um über 30 Prozent senken. Bis 2030 werden wir die CO₂-Emissionen gegenüber 2001 um mindestens 40 Prozent reduzieren. Bis 2050 wird die CO₂-Bilanz des VBS ausgeglichen sein (netto null), der Energiebedarf vornehmlich aus erneuerbaren Quellen gedeckt und die benötigte Energie so weit wie möglich selbst produziert werden.
Bereits heute betreibt das VBS über sechzig Solaranlagen mit einer Gesamtproduktion von über 7,2 Gigawattstunden pro Jahr, was dem Durchschnittsverbrauch von etwa 1440 Schweizer Haushalten entspricht. In den nächsten acht Jahren werden wir die Solarstromproduktion mehr als verdreifachen und sämtliche der rund 200 bestehenden Ölheizungen vorzeitig durch nicht fossile Energieerzeuger ersetzt haben.
Neubauten und Gesamtsanierungen werden nach einem der Minergiebaustandards erstellt. Ende 2021 betrug die Fläche an VBS-Gebäuden mit Minergiestandard über 190'000 Quadratmeter. Zudem beschafft das VBS seit diesem Jahr für die ganze Bundesverwaltung im Grundsatz nur noch elektrisch angetriebene Verwaltungsfahrzeuge. Diese und weitere Ziele verfolgen wir mit dem Aktionsplan Energie und Klima. Wir leisten so einen entscheidenden Beitrag zu den klimapolitischen Zielsetzungen der Nachhaltigkeitsstrategie und zur Verbesserung der Resilienz und damit zur Sicherheit.
Das VBS besitzt 24'000 Hektaren Land. Viele Areale weisen überdurchschnittlich wertvolle Flächen mit seltenen Pflanzen- und Tierarten auf. Dem vor zwanzig Jahren eingeführten Programm «Natur – Landschaft – Armee» ist es zu verdanken, dass 60 Prozent von über neunzig nach Roter Liste bedrohten Tier- und Pflanzenarten ihren Verbreitungsschwerpunkt heute auf VBS-Arealen haben. Damit trägt das VBS zu unserem wertvollen Naturerbe Sorge und leistet einen wichtigen Beitrag zur Biodiversitätsstrategie des Bundes.
Da die militärische Nutzung Bodenbelastungen verursacht, trifft das VBS geeignete Vorkehrungen. Übungen mit schweren Fahrzeugen werden nach Möglichkeit am Simulator durchgeführt, sind nur auf befestigten Wegen oder dem hierfür reservierten Fahrübungsgelände erlaubt. Geschossreste auf Schiessplätzen werden regelmässig eingesammelt und Schiessanlagen sind heute zunehmend mit künstlichen Kugelfängen ausgerüstet.
Neu ist auch die Fachstelle «Frauen in der Armee und Diversity».
Wichtige Rolle als Beschaffer
Derzeit erarbeitet das VBS schweizweit zahlreiche Sanierungsprojekte, um die Bevölkerung bei Schiess- und Waffenplätzen von Schiesslärm zu entlasten. Wenn sich Grenzwertüberschreitungen mit betrieblichen oder baulichen Massnahmen am Entstehungsort nicht beheben lassen, kommt das VBS für die nötigen Schallschutzmassnahmen an den betroffenen Liegenschaften auf.
Das VBS beschafft Waren und Dienstleistungen im Wert von mehreren hundert Millionen Franken pro Jahr. Nebst dem Preis werden bei der Auftragsvergabe auch Arbeits- und Umweltschutzkriterien gewichtet. Geprüft werden etwa Arbeitsbedingungen, der Energieverbrauch oder CO₂-Emissionen. Damit berücksichtigt das VBS in seiner Rolle als Beschaffer Nachhaltigkeitskriterien.
Mit rund 12'500 Mitarbeitenden ist das Departement VBS der grösste Arbeitgeber in der Bundesverwaltung. Die Vielfalt der Mitarbeitenden ist eine Stärke. Im Diversity-Management fördert das VBS die Gleichstellung von Frauen und Männern, die Mehrsprachigkeit, die berufliche Integration von Menschen mit einer Beeinträchtigung, die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben sowie die Zusammenarbeit von verschiedenen Generationen. Im VBS sollen alle die gleichen Chancen haben, Diskriminierung wird nicht toleriert.
Anfang Jahr hat bei uns die Fachstelle «Frauen in der Armee und Diversity» ihre Arbeit aufgenommen. Sie plant und realisiert Massnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils und zur Inklusion von Minderheiten in der Armee. Die Fachstelle ist ein Bekenntnis zu einer vielfältigen und inklusiven Armee.
Mit seinen Kernaufgaben im Bereich der Sicherheit leistet mein Departement einen zentralen Beitrag für eine nachhaltige Entwicklung. Es engagiert sich nebst den oben dargelegten Themen in weiteren Bereichen der Nachhaltigkeit (etwa Umgang mit finanziellen Mitteln, Sportförderung, Gesundheit und Sicherheit am Arbeitsplatz, Partnerschaften) und unterstützt dadurch die Strategie des Bundesrats. Dieses Engagement unterstützt wiederum die Erfüllung der Kernaufgaben, was die Sicherheit als Voraussetzung einer nachhaltigen Entwicklung stärkt.
