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Veröffentlicht am 14. Juli 2021

Aktionsplan Strahlenschutz

Mit dem Aktionsplan Strahlenschutz legt das VBS seine Ziele für die bestmögliche Reduktion vermeidbarer Strahlenbelastungen für die Periode bis 2035 fest. Der Aktionsplan fokussiert auf die dauerhafte Reduktion der Strahlenbelastung, insbesondere Radon, sowie die Verbesserung der radiologischen Sicherheit.

Operatoren messen Radioaktivität

Ionisierende Strahlung

Ionisierende Strahlung, umgangssprachlich als radioaktive Strahlung bezeichnet, ist der Sammelbegriff für eine Teilchen- oder Photonenstrahlung, deren Energie ausreicht, um bei Atomen oder Molekülen Elektronen aus der Atomhülle herauszulösen. Ionisierende Strahlungen werden hauptsächlich über natürliche Quellen abgegeben. So ist beispielsweise Radon, ein im Boden entstehendes natürliches Edelgas, für etwa 40 % der Strahlenbelastung der Bevölkerung in der Schweiz verantwortlich. Ionisierende Strahlung kann aber auch von radioaktiven Quellen ausgehen.

Hauptaufgabe des Strahlenschutzes ist es, Menschen und Umwelt vor den schädigenden Wirkungen der ionisierenden Strahlung künstlichen wie auch natürlichen Ursprungs zu schützen, die nutzbringende Anwendung dieser Strahlung aber dennoch zu ermöglichen. In der Medizin sind das zum Beispiel Methoden zur Bildgebung in der Diagnostik oder zur Behandlung von Krebserkrankungen in der Strahlentherapie. Weiter geht es beim Strahlenschutz auch darum, für Störfälle sowie Notfall-Expositionssituationen die Vorsorge und die Bewältigung sicherzustellen.

Für das VBS als einem der grössten Immobilieneigentümer der Schweiz stellt Radon eine grosse Herausforderung dar. Da die Radonbelastung in unterirdischen Anlagen und Trinkwasserfassungen erfahrungsgemäss hoch ausfällt, sind insbesondere Bauten der Armee von der Radonproblematik betroffen.

Weiter wurden in der Armee Systeme eingesetzt, die Materialien mit Radiumleuchtfarbe enthalten (Panzer oder Flugzeuge mit radioaktiven Instrumenten). Das Radium verursacht sowohl bei der Lagerung wie auch in der Verwendung grosse Probleme durch Folgekontaminationen über das radioaktive Gas Radon. Solches Material ist heute noch im Bereich des historischen Armeematerials auffindbar.

Stetig steigend sind die Anforderungen an den ABC-Schutz für Sicherheitsanlässe in der Schweiz. Sowohl ein Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos wie auch eine Friedenskonferenz müssen aufgrund der sicherheitspolitischen Lage mit ABC-Messsystemen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz (BABS) überwacht werden. Immer häufiger werden die Spezialfahrzeuge des VBS für Schwerpunktkontrollen an Grenzen und für radiologische Einsätze benötigt.

1 Massnahmen zur Abwehr und Vermeidung atomarer (nuklearer und radiologischer), biologischer und chemischer Bedrohungen und Gefahren

Vision und Strategie

Für einen optimalen Schutz von Mitarbeitenden des VBS und Angehörigen der Armee vor vermeidbaren Strahlenexpositionen, insbesondere Radon, werden regelmässig Messungen durchgeführt, bei Neubauten Schutzmassnahmen in Bezug auf Radon ergriffen und Sanierungen vorangetrieben. Vorhandene Überwachungsmittel im Bereich ionisierende Strahlung werden zielgerichtet zum Schutz der Bevölkerung eingesetzt, beispielsweise an Sicherheitskonferenzen sowie bei Grenzkontrollen. Die Vision:

Das VBS verhindert bestmöglich vermeidbare Strahlenbelastungen.

Stossrichtungen

Die Strategie besteht aus vier Stossrichtungen:

  • Strahlenquellen erfassen und eliminieren
  • Strahlenbelastung dauerhaft reduzieren
  • Radiologische Sicherheit verbessern
  • Sensibilisieren und ausbilden

Controlling

Das VBS überprüft regelmässig den Stand der Zielerreichung und die Umsetzung der definierten Massnahmen im Aktionsplan Strahlenschutz VBS.

Ziele und Massnahmen

Abgeleitet aus der Vision und den Stoss-richtungen der Strategie hat das VBS im Aktionsplan Strahlenschutz sechs Ziele definiert. Die Verwaltungseinheiten des VBS tragen jeweils mit eigenen Massnahmen zur Erfüllung der Ziele bei. Bis 2035 will das VBS die nachfolgenden Ziele und Massnahmen umsetzen:

Ziel 1: Dokumentation der Strahlenquellen und Systeme

Sämtliche im VBS vorhandenen Strahlenquellen und Systeme sind zentral zu dokumentieren.

Massnahme

  • Sämtliche Strahlenquellen des VBS zentral dokumentieren

Ziel 2: Beschaffung von Systemen ohne radioaktive Stoffe

Bei der Neubeschaffung von Systemen sind, sofern vorhanden, Alternativen zu radioaktiven Stoffen zu wählen.

Massnahme

  • Nach Möglichkeit Systeme ohne radioaktive Stoffe beschaffen

Ziel 3: Reduktion von Strahlenbelastungen, insbesondere durch Radon

Neubauten, Umbauten oder Sanierungen von Immobilien des VBS sind so zu planen, dass der Referenz- oder Schwellenwert für die Radongaskonzentration immer unterschritten wird.

Massnahmen

  • Radonbelastung systematisch ermitteln und überwachen
  • Radonbelastung durch organisatorisch-betriebliche Schutzvorkehrungen senken
  • Radonbelastung durch bauliche Massnahmen präventiv reduzieren

Ziel 4: Überwachung von radioaktiven Materialien

Befinden sich radioaktive Materialien unkontrolliert im Umlauf, können sie eine Gefahr für Mensch und Umwelt darstellen und grossen Schaden verursachen. Um solche Abweichungen festzustellen, sind regelmässige Kontrollen zur Überwachung der Radioaktivität notwendig.

Massnahme

  • Vorhandene Mittel im Bereich Radioaktivitätsmessung wirkungsvoll zu Gunsten Dritter einsetzen

Ziel 5: Wirksamer Schutz vor ionisierender Strahlung

Mit Aus- und Fortbildungsmassnahmen wird das korrekte Verhalten im Umgang mit ionisierender Strahlung gefördert. Und: Besitzer von historischem Armeematerial werden über das mögliche Vorhandensein von radioaktiven Stoffen informiert, der korrekte Umgang vermittelt und periodisch kontrolliert.

Massnahmen

  • Mit Aus- und Fortbildungsmassnahmen im Bereich Notfallschutz den korrekten Umgang mit ionisierender Strahlung bei Ereignissen fördern
  • Mitarbeitende und Armeeangehörige sensibilisieren und schulen

Ziel 6: Korrekter Umgang mit radioaktiven Stoffen und Quellen

Die Mitarbeitenden des VBS und die Angehörigen der Armee müssen die für ihre Tätigkeiten relevanten Vorgaben zum korrekten Umgang mit radioaktiven Stoffen (Lagerung, Transport, Entsorgung etc.) und die Handhabung von Geräten (Gepäckröntgenanlagen, medizinische Röntgengeräte etc.) kennen und sind entsprechend zu schulen.

Massnahme

  • Sammler von historischem Armeematerial bezüglich korrekten Umgangs instruieren und kontrollieren

Kosten

Für die Umsetzung der Massnahmen schätzt das VBS den Sach- und Personalaufwand auf bis zu 6 Mio. Franken und rund 41 000 Stunden bis 2035. Der Aufwand ist letztlich vom Umfang der umgesetzten Massnahmen abhängig.

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