«Als Kind wollte ich mit meinem Bruder einen Zirkus gründen»
Bundesrat Martin Pfister hat am Zukunftstag den Newsroom von CH Media in Aarau besucht – und stellte sich den Fragen der Jugendlichen.
13.11.2025 / Aargauer Zeitung, aufgezeichnet von Michael Graber und Doris Kleck
Was war Ihr Traumberuf als Kind?
Martin Pfister: Ich wollte mit meinem Bruder einen Zirkus gründen. Er wäre für die Tiere zuständig gewesen, ich für die Ansagen. Und als Clown wäre ich dann auch noch eingesprungen.
Warum sind Sie Bundesrat geworden?
Das wird man nicht, wenn man es sucht. Als ich angefragt wurde, waren die Verhältnisse grad ideal und ich hatte bitz Glück, dass ich mehr Stimmen bekommen habe, als der andere Kandidat. Aber natürlich: Interesse und Leidenschaft braucht es schon. Bundesrat zu werden, war nie ein Lebensziel von mir. Aber ich habe eine Anekdote dazu: In der ersten Klasse war die Frage, wer zur Logopädin muss. Jedes Kind musste einen Satz nachsprechen. Die Logopädin, Frau Dossenbach, sagte zu mir: «Martin, du kommst in die Logopädie.» Ich sagte: «Nein, Frau Dossenbach, ich komme nicht.» Und sie antwortete: «Doch, Martin, wenn du mal Bundesrat werden möchtest, dann musst du in die Sprachheilschule kommen.»
Was ist Ihr grösstes Ziel?
Ich habe zwei Ziele. Erstens, dass der Bundesrat als Team gut funktioniert und dass wir gut durch diese angespannte Weltlage kommen.
Wie gehen Sie mit Kritik um?
Manchmal bin ich ein wenig beleidigt, wenn ich kritisiert werde – das kann ich nicht abstreiten. Aber man muss das immer auch konstruktiv nehmen. Meistens hat der Kritiker ja schon auch ein bisschen recht.
Wann hat Sie das letzte Mal eine Kritik so richtig fest getroffen?
Am meisten trifft mich Kritik, wenn sie von Leuten kommt, die mir nahestehen. Das passierte, als ich im Kanton Zug eine Notfallstation schliessen musste.
Würden Sie für Ihr Land sterben?
Ich bin Vorsteher des Verteidigungsdepartements und das verlangen wir ja von unseren Soldaten. Und wenn die bereit sind, im äussersten Fall für unser Land zu sterben, dann bin ich das selbstverständlich auch.
Den ganzen Tag habe ich immer interessante Menschen um mich herum.
Was finden Sie cool an Ihrem Job?
Ich habe so viel mit Menschen zu tun. Den ganzen Tag habe ich immer interessante Menschen um mich herum. Das ist wunderschön.
Was finden Sie an Ihrem Beruf nicht so toll?
(zögert) Das ist eine schwierige Frage. Meine Familie findet es nicht so toll, dass ich nicht mehr so viel bei ihnen bin. Ich habe auch Enkel, die sehe ich nicht sehr oft. Das ist eine Seite an meinem Amt, die nicht so toll ist.
Was halten Sie von US-Präsident Donald Trump?
Das ist eine schwierige Frage. Als Bundesrat kritisiert man nie die Regierung eines anderen Landes. Ich muss mich mit meiner persönlichen Meinung zurückhalten. Trump ist demokratisch gewählt, und man muss ihn als Präsidenten akzeptieren. Es ist beeindruckend, wie viel er schon verändert hat.
Würden Sie gerne für eine andere Partei arbeiten?
Als Bundesrat muss man nicht parteipolitisch denken, sondern die Interessen des ganzen Landes im Auge haben. Deshalb könnte ich mir heute auch vorstellen, in einer anderen Partei zu sein.
In welcher?
Am nächsten der Mitte-Partei ist die FDP.
Was war als Kind Ihr Lieblingssport?
Als Jugendlicher ging ich am liebsten auf Skitouren. Im Sommer ging ich Rennen. Das mache ich auch heute noch.
Haben Sie Angst vor Künstlicher Intelligenz?
Nein, aber Respekt. KI verändert vieles, und wir müssen das gut beobachten. Aber Angst vor einer neuen Technologie ist nie ein guter Ratgeber.
Wie haben Sie in der Pfadi geheissen?
Mein Name war Hecht.
Was mussten Sie an Ihrer Pfadi-Taufe essen?
Das weiss ich nicht mehr. Ich glaube, ich musste etwas grusiges trinken.
Was ist Ihr berühmtester Kontakt auf dem Handy?
Meine sechs Kolleginnen und Kollegen aus dem Bundesrat.
Hat der Bundesrat eine WhatsApp-Gruppe?
Wir dürfen nicht auf WhatsApp sein, weil es nicht sicher ist. Ausländische Nachrichtendienste könnten mithören. Deshalb sind wir auf Threema verbunden. Das ist eine sichere Gruppe, in der wir uns austauschen können.
Verteidigungsminister ist der spannendste Job.
Gibt es einen spannenderen Job im Bundesrat als Verteidigungsminister?
Ich finde nicht. Verteidigungsminister ist der spannendste Job. Denn die Welt verändert sich derzeit sehr stark. Sicherheit ist sehr bedeutend und betrifft uns alle. Deshalb ist es ein Privileg, Chef des Verteidigungsdepartements zu sein.
Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?
Das ist sehr unterschiedlich. Der Mittwoch ist ein wichtiger Tag, weil wir dann Bundesratssitzung haben. Wir treffen uns jeweils um 9 Uhr zum Zmorge. Mein Tag beginnt aber schon um 6 Uhr. Dann bin ich im Büro. In der Regel fangen die Sitzungen um 7 Uhr an – und dann geht es weiter mit Sitzungen.
Was ist für Sie die schwierigste Aufgabe als Bundesrat?
Es gibt Themen, von denen ich fast allein überzeugt bin, dass sie wichtig wären. Es ist ein langer Weg, bis ich dann im Bundesrat eine Mehrheit finde.
Gibt es Tage, an denen Sie denken: Was mache ich hier überhaupt?
Bis jetzt nicht. Die Arbeit ist sehr intensiv, aber es gibt immer neue Themen. Das ist zwar manchmal anstrengend, aber vor allem sehr interessant.
Warum gibt es in der Schweiz eine Armee, wenn es keinen Krieg gibt?
Die Armee hat verschiedene Aufgaben. Sie half ja zum Beispiel auch nach dem Bergsturz von Blatten. Wenn es einen Krieg gäbe, wären wir froh, wenn wir eine Armee hätten. Zudem hat eine Armee eine abschreckende Wirkung auf mögliche Angreifer.
Wenn Sie etwas Verbotenes oder Verrücktes tun könnten, was würden Sie machen?
Mich würde es reizen, etwas Spannendes in der Natur zu machen – eine Expedition im Himalaja zum Beispiel.
Warum haben Sie die J+S-Gelder gekürzt?
Wir haben sie ja jetzt gar nicht gekürzt. In den letzten zwei Jahren gab es einfach sehr viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer und darum war der Topf ausgeschöpft. Wenn wir es nicht aufgestockt hätten, dann hätten wir die Beiträge kürzen müssen.
Die grösste Gefahr sind aber Cyberangriffe.
Was ist die grösste Gefahr für die Schweiz?
Im Moment ist die Gefahr, dass Panzer in die Schweiz einrollen, nicht so wahnsinnig gross. Aber die Gefahr gibt es schon – es rüsten ja auch alle Länder gerade wahnsinnig auf und kaufen viele Panzer und andere Waffen. Die grösste Gefahr sind aber Cyberangriffe. Dass es übers Internet Angriffe gibt, Daten gestohlen werden und es zu Erpressungen kommt.
Wenn Sie nicht Bundesrat wären, was wären Sie dann?
Vorher war ich im Zuger Regierungsrat. Das ist fast das Gleiche, einfach auf Kantonsebene.
Haben Sie gerne Interviews?
Ja, doch. Da wird man immer angeregt, sich über Fragen Gedanken zu machen, die man sich sonst nicht gestellt hätte.
Wieso gibt es nur sieben Bundesräte?
Unser Staat ist schon lange so organisiert. Bei der Gründung haben sieben noch gut gereicht. Mittlerweile wurden die Aufgaben mehr. In anderen Ländern hat man teilweise 20 Minister. Wir haben es einfach nie angepasst.
Was haben Sie im Militär gemacht?
Ich war bei den Rettungstruppen. Die sind bei den Katastrophen und so im Einsatz.
Woher nimmt die Schweiz das Geld für die Kampfjets?
Jedes Departement bekommt jeweils ein Budget. Das ist ein bisschen wie bei euch das Sackgeld, einfach ein wenig mehr. Einen grossen Teil des Gelds haben wir bereits nach Amerika überwiesen. Wie es genau weitergeht, entscheidet der Bundesrat bis Ende November. Also schon sehr bald.
Ich war ein guter, aber nicht immer ein fleissiger Schüler.
Waren Sie ein guter Schüler?
Ja, ich war ein guter, aber nicht immer ein fleissiger Schüler.
Was war ihr Lieblingsfach und welches Ihr Hassfach?
Das Lieblingsfach war Geschichte. Ein richtiges Hassfach hatte ich nicht. Ich war da relativ neutral.
Mit wem haben Sie es aktuell am besten im Bundesrat?
Das kann ich nicht sagen, sonst sind die anderen dann böse auf mich. (lacht) Nein, im Ernst: Ich habe es wirklich mit allen gut. Das ist auch wichtig für die Arbeit im Team.
Haben Sie viel Freizeit?
Nein, ich habe wenig Freizeit. Aber ich versuche, mir immer ein bisschen Zeit freizuhalten. Dann lese ich beispielsweise etwas. Das ist meistens am Abend.
Verdient man gut als Bundesrat?
Ja, ich habe noch nie so gut verdient wie jetzt, muss ich sagen. Aber wegen des Verdienstes wird glaub niemand Bundesrat.
Was für Musik hören Sie?
Rap und Hip-Hop habe ich über meine Kinder kennengelernt. Aber wenn ich frei wählen kann, dann wähle ich Klassik oder Jazz.
Glauben Sie, die Schweiz schafft es, den Zoll herunterzuhandeln?
Ein Kollege von mir ist gerade in den USA. Und wir hoffen sehr, dass wir es schaffen. Aber am Ende entscheidet dort der Präsident. Wie es ausgeht, wissen wir nicht. Aber ich bin zuversichtlich. Wir haben einige Anstrengungen unternommen.
Wenn Sie ein Tier wären, welches Tier wären Sie?
Löwe!
Was war die schlimmste Erinnerung in der Schule?
Als ein Klassenkamerad in der ersten Klasse gestorben ist. Er hatte eine Herzklappenentzündung.
Welches ist Ihre Lieblingsfarbe?
Blau.
Denken Sie, der EVZ wird Schweizer Meister?
Ich hoffe, dass Zug Meister wird. Aber auch Davos wäre aushaltbar, da ist ein ehemaliger Zuger Spieler mittlerweile Trainer.

