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MitteilungVeröffentlicht am 26. Februar 2024

«Der grösste Vorteil meiner Arbeit ist der Nutzen für die Gesellschaft»

Interview mit David Jaeggi, Geologe und Projektleiter im Felslabor Mont Terri des Bundesamts für Landestopografie swisstopo.

David Jaeggi, Projektleiter im Felslabor Mont Terri

Wozu dient das Felslabor Mont Terri?

Das Felslabor Mont Terri in St-Ursanne im Kanton Jura spielt in der Forschung und der Charakterisierung von geologischen Formationen – insbesondere des Opalinustons – eine entscheidende Rolle. Hauptziel ist es, das Potenzial dieser Formationen für die geologische Lagerung von radioaktiven Abfällen, aber auch von CO2 zu evaluieren. Das Labor trägt also zur Sicherheit des Landes hinsichtlich der Problematik radioaktiver Abfälle bei. Mont Terri ist zudem ein Ort der internationalen Zusammenarbeit. Hier teilen Forschende aus mehreren Ländern ihr Wissen und nehmen an gemeinsamen Forschungsprojekten in den erwähnten Fachgebieten teil. Im Felslabor Mont Terri geht es ausschliesslich um Forschung; die Lagerung von Abfällen ist dort nicht vorgesehen.

Was ist Ihre Funktion bei swisstopo?

Meine Arbeit als Projektleiter und stellvertretender Leiter des Labors Mont Terri ist sehr abwechslungsreich. Ich organisiere den Austausch und die Sitzungen mit unseren 22 internationalen Partnern. Ich bin auch für die Organisation neuer Forschungsprojekte zuständig. Das bedeutet, dass ich die Forschungsteams bilde, das Budget verwalte und Material bestelle. Zudem bin ich für mehrere Experimente zur Hydrogeologie, d. h. Gesteins-Wasser-Wechselwirkungen, zur Entwicklung von Multisensorsystemen und zur sicheren Lagerung von CO2 verantwortlich.

David Jaeggi im Stollen des Labors

Was war Ihr beruflicher Werdegang vor der aktuellen Stelle?

Nach dem Master habe ich an der ETH Zürich ein Doktorat zur Porenstruktur eines fossilen Korallenriffs auf Mallorca gemacht. Danach arbeitete ich in der Privatwirtschaft in Geologiebüros in Zürich und Muttenz. 2009 bin ich schliesslich auf eine Stellenausschreibung bei swisstopo gestossen, mit der ein wissenschaftlicher Mitarbeiter gesucht wurde. Diese Gelegenheit habe ich mir nicht entgehen lassen und seither arbeite ich hier.

Weshalb fiel die Wahl auf swisstopo und insbesondere auf das Felslabor Mont Terri?

Ich kannte das Felslabor Mont Terri kaum, bevor ich zu swisstopo kam. Ich hatte es nur einmal während des Studiums besucht. Für mich war ein Pluspunkt, dass ich in einem Bereich näher an der Wissenschaft arbeiten kann, wo Forschung und Praxis verbunden sind. Genau das hatte mir in der Privatwirtschaft gefehlt. Das internationale und mehrsprachige Umfeld war ebenfalls ausschlaggebend. Für mich ist wichtig, dass ich Deutsch, Französisch, Englisch und manchmal sogar Spanisch brauchen kann. Dies aufgrund der internationalen Teams, die im Labor arbeiten. Swisstopo gibt uns auch wirklich die Mittel für die Umsetzung unserer Experimente. Wir verfügen über das notwendige Budget und die Zeit, die für eine sorgfältige und präzise Ausführung der Forschungsarbeiten notwendig sind.

David Jaeggi erklärt ein neu entwickeltes Multisensorsystem

Welche persönlichen Eigenschaften sind für Ihre Aufgabe notwendig?

Die erforderlichen Eigenschaften sind zahlreich und vielfältig. Zuerst einmal muss man sich für Naturwissenschaften begeistern und das wissenschaftliche Arbeiten mögen. Kommunikative Fähigkeiten sind ebenfalls gefragt, insbesondere zur Aufrechterhaltung des Kontakts mit verschiedenen Partnern für die Planung und Durchführung von Experimenten. Dafür muss man gerne in einem internationalen Umfeld arbeiten. Flexibilität ist auch eine wichtige Eigenschaft und in Problemsituationen gilt es, in einem kleinen Team Lösungen zu finden. Man muss offen sein und gerne neue Technologien und Arbeitstechniken testen.

David Jaeggi mit einem Bohrkern aus dem Felslabor

Was sind die Vorteile Ihres Berufs?

Der grösste Vorteil meiner Arbeit ist der Nutzen für die Gesellschaft. Wir alle benötigen im Alltag Energie und Elektrizität, aber die Produktion erzeugt Abfälle. Im Felslabor Mont Terri arbeiten wir an einer sicheren Lösung für die Lagerung von radioaktiven Abfällen und CO2. Dies trägt zur Sicherheit der Bevölkerung in der Schweiz bei. Mit einer Lösung für die Lagerung von Abfällen im Inland sind wir nicht von anderen Ländern abhängig. Zudem schätze ich sehr, dass ich dank guter verfügbarer Infrastruktur eine qualitativ hochwertige Arbeit ausführen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass ich in zahlreiche Projekte involviert und mit vielen Menschen in Kontakt bin: mit Fachleuten aus dem Bereich Bohren, mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus dem In- und Ausland, Personen aus dem universitären Umfeld sowie Besucherinnen und Besuchern des Labors.

Was sind Ihre Erfolgserlebnisse bei swisstopo?

Wenn man sich für eine neue unkonventionelle Bohrmethode mit einem hohen Risiko entscheidet, die aber schliesslich gelingt. Das löst viele Emotionen aus und macht Freude. Einmal führten wir eine 250 Meter tiefe Bohrung durch. Fachleute, die seit 30 Jahren in diesem Bereich tätig sind, sagten uns, dass das nie funktionieren würde. Zu unserer grossen Zufriedenheit klappte die Bohrung jedoch mit der von uns vorgeschlagenen Methode. Ein anderes Mal wollten wir eine 12 Meter lange Kernbohrung mit einem Durchmesser von 1,2 Metern vornehmen. Kein verfügbares Bohrgerät der Welt hätte dies geschafft. Deshalb liessen wir eine neue Maschine entwickeln und die Bohrung war erfolgreich. Die Bergung des ersten Bohrkerns war ein sehr emotionaler Augenblick.

Demonstrations-Experiment im Felslabor

Profil

Nach einem Doktorat in Geologie an der ETH Zürich arbeitete David Jaeggi einige Jahre für Geologiebüros in Zürich und Muttenz. 2009 kam er als wissenschaftlicher Mitarbeiter zu swisstopo und wurde später Projektleiter. Der 49-Jährige aus Oberdorf (SO) ist passionierter Bergsteiger, interessiert sich sowohl für Höhlenforschung als auch für Forstwirtschaft und sammelt auf Spaziergängen gerne Steine und Fossilien.