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MitteilungVeröffentlicht am 13. Juli 2026

«Jede Probe erzählt ihre eigene Geschichte»

Woher stammt ein Material und welchen Weg hat es hinter sich? Im Labor Spiez wird genau das untersucht. Michael Hofstetter gibt Einblick in die Welt der nuklearen Forensik und erklärt, warum dabei nicht nur Fachwissen, sondern auch Zusammenarbeit entscheidend ist.

Michael Hofstetter ist Doktorand an der ETH Zürich und am Paul Scherrer Institut in Villigen. Seit 2022 arbeitet er im Labor Spiez im Bereich der nuklearen Forensik.

Herr Hofstetter, was genau umfasst Ihre Arbeit im BABS?
Ich arbeite im Bereich der Radioanalytik oder genauer der nuklearen Forensik und untersuche Kernmaterial auf charakteristische Verunreinigungen, die aus dem Ursprungsmaterialen stammen oder bei der Verarbeitung hinzukommen. Dadurch lassen sich Spuren identifizieren, die wie eine Art «Fingerabdruck» funktionieren. Sie helfen uns, unbekannte Proben einzuordnen und im besten Fall einem Hersteller oder zumindest einem bestimmten Verarbeitungsschritt zuzuweisen. Daraus lassen sich Rückschlüsse auf die Herkunft oder den möglichen Entwendungsort ziehen.

Am einfachsten kann man sich das wie bei der Tatortforensik vorstellen. Dort arbeitet man mit DNA oder Fingerabdrücken, wir hingegen mit chemischen Signaturen im Material.

Was gefällt Ihnen besonders an Ihrer Arbeit?
Besonders schätze ich die Kombination aus praktischer Laborarbeit und analytischem Denken. Ich arbeite direkt mit den Proben und muss gleichzeitig Zusammenhänge verstehen und richtig einordnen. Die nukleare Forensik ist zudem ein sehr breites Gebiet, in dem man immer wieder unterschiedliche Aspekte zusammenbringen muss.

Was treibt Sie an, jeden Tag Ihr Bestes zu geben?
In erster Linie ist es die Faszination für das Fach. Chemie hat mich schon im Gymnasium begeistert. Mich motiviert, dass ich über längere Zeit an einem Thema arbeiten und in die Tiefe gehen kann. Bei der Untersuchung eines Materials sucht man nach verschiedenen Puzzleteilen, die alle zusammenpassen müssen und so ein Bild ergeben. Meine Stärken liegen darin, komplexe Zusammenhänge zu verstehen. Daher bereitet mir dieses Thema besonders Freude. Ein Doktorat dauert mehrere Jahre, da braucht es echtes Interesse und Ausdauer.

Im Rahmen meiner Tätigkeit im Labor Spiez leiste ich mit meiner Arbeit auch einen Beitrag zur Sicherheit der Schweizer Bevölkerung. Das ist für mich ein wichtiger Aspekt.

Was erzählen Sie Freunden oder der Familie über Ihre Arbeit?
Das ist nicht immer ganz einfach. Viele können sich wenig darunter vorstellen, und bei Themen wie Nuklearchemie denken viele schnell an Kernwaffen, Nuklearenergie oder Radioaktivität, oft verbunden mit Ängsten und negativen Vorurteilen. Jedoch ist das Feld sehr faszinierend. Es ist ein breites Fachgebiet und erfordert spezifisches Fachwissen, um es richtig einordnen zu können. Deshalb spreche ich von mir aus eher selten darüber. Viele können mit dem Thema wenig anfangen. Wenn ich zu Fragen in der Kerntechnik oder Forschung konkret angesprochen werde, kläre ich gerne auf; aber sonst lasse ich es meist. Natürlich gibt es auch Aspekte die klar der Vertraulichkeit unterliegen und ich nicht teilen kann.

Was macht Ihren Arbeitgeber für Sie attraktiv und würden Sie ihn weiterempfehlen?
Das Labor Spiez ist relativ klein und sehr kollegial organisiert. Die Fachbereiche arbeiten eng zusammen und man kennt sich persönlich. Wenn ich eine Frage habe, kann ich unkompliziert auf jemanden zugehen und mich direkt austauschen. Diese kurzen Wege sind ein grosser Vorteil.

Die Lage ist für mich ein zusätzlicher Pluspunkt, da ich im Emmental wohne und einen kurzen Arbeitsweg habe. Insgesamt würde ich das Labor Spiez aufgrund des offenen Arbeitsklimas und der spannenden wie auch einzigartigen fachlichen Möglichkeiten klar weiterempfehlen.

Was unterscheidet Ihren Arbeitgeber von anderen?
Ein wesentlicher Unterschied ist der hohe Anspruch an unsere Arbeit von unseren Auftraggebern. Als akkreditiertes Labor mit Aufträgen, welche Teils politisch motiviert sind, müssen unsere Resultate verlässlich und nachvollziehbar sein. Das bedeutet, dass sie überprüfbar sind und auch externen Anforderungen standhalten müssen.

Für uns steht nicht Geschwindigkeit im Vordergrund, sondern Genauigkeit. – Wir müssen und können uns die nötige Zeit nehmen, um Ergebnisse bis ins kleinste Detail sauber zu erarbeiten, was sich direkt auf die Qualität auswirkt. Dies ist ein Privileg und nicht selbestverständlich.

Gibt es etwas, das Sie sich von Ihrem Arbeitgeber zusätzlich wünschen würden, um ihn noch attraktiver zu machen?
Grundsätzlich bietet mein Arbeitgeber sehr gute Rahmenbedingungen. Es gibt aber Bereiche, in denen ich mir mehr Mitgestaltungsmöglichkeiten wünschen würde, etwa bei administrativen Prozessen oder bei Vorgaben, die von übergeordneten Stellen kommen.

Zur Person

Michael Hofstetter ist Doktorand an der ETH Zürich und am Paul Scherrer Institut in Villigen. Seit 2022 arbeitet er im Labor Spiez im Bereich der nuklearen Forensik. Sein Doktorat schliesst er im nächsten Winter ab. Zum Labor Spiez kam er ursprünglich über seine Tätigkeit als Fachoffizier im ABC-Abwehrbataillon 20 während eines Wiederholungskurses.

Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit engagiert er sich als Präsident der Laborkommission, der internen Personalkommission des Labors Spiez. In dieser Funktion vertritt er die Anliegen der Mitarbeitenden und fördert den Austausch zwischen Mitarbeitenden und Führung.

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