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MitteilungVeröffentlicht am 30. Juni 2021

On the road mit der Chefin VBS

Als persönlicher Chauffeur von Bundesrätin Viola Amherd ist Heinz Mosimann in allen Ecken der Schweiz unterwegs. Eine Begegnung mit einem stillen Schaffer mit einem nicht alltäglichen Beruf.

Heinz Mosimann, wie kamen Sie zum Beruf des Chauffeurs? Wie ist Ihr Werdegang?
Meine Eltern haben einen Bauernbetrieb und so habe ich zuerst die Landwirtschaftslehre in der Romandie absolviert. Da es jedoch schon immer mein grosser Traum war, als Fernfahrer fremde Länder zu entdecken, habe ich kurz nach meiner Lehre die Lastwagenprüfung in Angriff genommen. Ich arbeitete dann zuerst als Lastwagenchauffeur und später absolvierte ich sämtliche Fahrprüfungen für Cars, Tram und Trolleybus.

Wie wurde das VBS zu Ihrem Arbeitgeber?
2002 erhielt ich eine Stelle beim früheren Bundesamt für Betriebe des Heeres. Dort arbeitete ich als Repräsentationsfahrer und steuerte Kleinbusse und Cars. In dieser Zeit durfte ich hin und wieder aushilfsmässig als Chauffeur für die damaligen Bundesräte Josef Deiss und Samuel Schmid tätig sein. Mit Samuel Schmid verstand ich mich besonders gut und als sein damaliger Chauffeur in Pension ging, habe ich mich auf die vakante Stelle beworben.

Mein grosser Traum war es, als Fernfahrer, viele fremde Länder zu entdecken

Sie haben die Stelle bekommen. Was gab Ihrer Meinung nach den Ausschlag?
Als letzte Etappe des Bewerbungsprozesses musste ich nochmals meine Aufwartung bei Samuel Schmid persönlich machen. Nachdem ich ihm bestätigte, dass ich meinen Militärdienst als Soldat geleistet habe, meinte er einfach: «Sehr gut, das sind die Wichtigsten.»

Seit Ihrer Anstellung 2007 sind Sie der persönliche Chauffeur der VBS-Departementschefs und sind dem Departement treu geblieben. Wollten Sie nie wechseln?
Nach Samuel Schmid war ich der Chauffeur von Ueli Maurer und danach von Guy Parmelin. Bei jedem Departementswechsel fragten mich die Bundesräte, ob ich ihnen nicht ins neue Departement folgen wolle. Obwohl dies natürlich ein grosser Vertrauensbeweis war, habe ich immer abgelehnt. Mir war es wichtig, dem VBS treu zu bleiben. Dieses Departement hat mir damals eine Chance gegeben. Und weil ich dem VBS die Treue gehalten habe, darf ich nun der Chauffeur der ersten Verteidigungsministerin sein. Darauf bin ich sehr stolz.

Diskutieren Sie mit Ihren Fahrgästen auch mal während der Fahrt?
Ich suche selber nie das Gespräch, aber es gibt immer wieder einen Austausch über alltägliche Dinge. Mit Bundesrätin Viola Amherd diskutiere ich zum Beispiel über Garten und Blumen. Mit Ueli Maurer und Guy Parmelin ging es meistens um die Landwirtschaft und mit Samuel Schmid sprachen wir oft über das Militär.

Wer sucht die Musik während der Fahrt aus?
Dass während der Fahrt Musik läuft, ist selten. Bundesrätin Viola Amherd nutzt die Zeit und die Ruhe, um im Auto zu arbeiten.

Haben Sie ein Wunschauto als Arbeitsmittel?
Ich bin nicht fixiert auf eine bestimmte Automarke. Ich bin offen für alles, aber bei einem Maserati würde ich sicher nicht nein sagen (lacht herzlich).

Wie stehen Sie zur Thematik Elektrofahrzeuge und Energieeffizenz?
Bei mir steht der Komfort und die Sicherheit an erster Stelle und zudem ist es für mich wichtig, ein Fahrzeug zu haben, das ein bisschen «Pfupf» hat. Da sind wir mit unserem Mercedes S-Klasse zur Zeit gut bedient. Mit diesem Fahrzeug kann ich beinahe 1000 Kilometer weit bis zum nächsten Tanken fahren, mit einem heutigen Elektrofahrzeug ist es deutlich weniger. Aber selbstverständlich sind mir die Umweltbelange wichtig. Das nächste Fahrzeug wird sicher ein Hybrid oder sogar ein Elektrofahrzeug sein.

Ich darf der Chauffeur der ersten Schweizer Verteidigungsministerin sein, darauf bin ich sehr stolz

Haben Sie bei der Fahrzeugwahl ein Wörtchen mitzureden?
Ja, ich darf beratend zur Seite stehen.

Was ist bis anhin Ihr eindrücklichstes Erlebnis als Chauffeur, bzw. die eindrücklichste Begegnung?
Es gab sehr viele eindrückliche Begegnungen. An den verschiedenen Anlässen trifft man auf viele prominente Persönlichkeiten. Einmal bin ich Tina Turner über den Weg gelaufen. Und es ist auch immer schön, Beat Feuz in Aktion zu sehen. Ich sah ihn nämlich schon als kleiner Bub im Bumbach skifahren. Wenn man das Glück hat, an einer besonderen Sportveranstaltung dabei zu sein, ist das natürlich immer sehr beeindruckend. Spannend finde ich auch jeweils die Militärübungen, zum Beispiel das Panzerschiessen. Vom Fahren her, ist sicher das Konvoi-Fahren eindrücklich.

Welche Persönlichkeit würden Sie gerne mal chauffieren und warum?
(Ohne zu zögern): Bundeskanzlerin Angela Merkel. An der Euro 2008 in Basel habe ich auf Samuel Schmid gewartet und da lief sie an mir vorbei. Sie hat mich als erste deutsche Kanzlerin sofort beeindruckt. Unterdessen ist sie seit 16 Jahre Kanzlerin und ich würde sehr gerne ein paar Runden mit ihr drehen und mehr über diese Zeit diskutieren.

Bundesrats-Chauffeur

Der 55-jährige Emmentaler Heinz Mosimann arbeitet seit 2007 fürs VBS als Bundesrats-Chauffeur. Er ist zusammen mit den Kolleginnen vom Vorzimmer der Chefin VBS und dem Bundesratsweibel dem Team der Kommunikation VBS unter der Leitung von Renato Kalbermatten angegliedert. Nebst dem Fahren gehören zu seinen Aufgaben die vorgängige Koordination der Fahrten, das Erledigen von persönlichen Aufträgen und Botengänge sowie die Reinigung und die Pflege des Fahrzeuges. Von einem Bundesrats-Chauffeur wird nebst einer reichlichen Fahrpraxis, vor allem Verschwiegenheit, Loyalität, Pünktlichkeit und eine grosse Flexibilität verlangt. Auch Nervenstärke ist für diesen nicht alltäglichen Beruf gefragt. Einmal pro Jahr müssen alle Bundesrats-Chauffeure* einen internen, obligatorischen Fahr- und Sicherheitskurs absolvieren.

*Zur Zeit gibt es keine Chauffeurin unter den Bundesratsfahrern.