«Wir sind das New Kid on the Block»
Das neu geschaffene Staatssekretariat für Sicherheitspolitik SEPOS stärkt die Schweizer Sicherheitspolitik durch strategische Koordination. Joachim Adler berichtet über seine Erfahrungen, die Start-up-Atmosphäre und aktuelle sicherheitspolitische Herausforderungen.

Joachim Adler, wie sind Sie zu Ihrer heutigen Tätigkeit als Chef Verteidigungspolitik gekommen?
Es war viel Glück und Zufall, dass ich schliesslich über diesen Weg in der Sicherheitspolitik gelandet bin – ich habe ursprünglich theoretische Philosophie studiert. Aber während meines Studiums habe ich mich intensiv mit Sprache beschäftigt und in meiner Tätigkeit spielt Sprache eine wichtige Rolle.
Seit 10 Jahren arbeite ich im VBS, zuerst in der Armeeplanung, dann als Verteidigungsattaché an der Schweizer Botschaft in London und zuletzt im GS-VBS in der Abteilung Sicherheitspolitik.
In all den Jahren hatte ich das Glück, von engagierten Chefs und einer engagierten Chefin gefördert zu werden, was mich letztlich zum SEPOS geführt hat. Ich hatte nie einen konkreten Plan oder eine Vision. Es hat sich alles einfach so ergeben.
Warum wurde das Staatssekretariat für Sicherheitspolitik SEPOS geschaffen?
Das SEPOS stärkt die sicherheitspolitische Koordination und Kohärenz. Dazu wurde unter anderem die Abteilung «Sicherheitspolitik» des Generalsekretariats VBS in die neue Organisation integriert und zu «Strategie und Kooperation» umbenannt. Diese Abteilung hat sich durch den Wechsel verändert, ist gewachsen und hat einige neue Themen übernommen. Die Kernaufgaben sind aber weitgehend noch dieselben.
Neben der Abteilung Strategie und Kooperation gehören die Fachstellen des Bundes für Informationssicherheit und für Personensicherheitsprüfungen zum SEPOS. Das zeigt die Bandbreite der Sicherheitspolitik – von den sicherheitspolitischen Vorgaben für den Bundesrat bis hin zu Vorgaben Informationssicherheit und Personensicherheit.
Was ist Ihre Aufgabe im SEPOS?
Ich leite den Bereich Verteidigungspolitik. Zu den verteidigungspolitischen Geschäften, die wir führen oder begleiten, gehören beispielsweise das Verfassen von Bundesratsanträgen oder parlamentarischen Botschaften, die die Armee betreffen, Sprechnotizen für den Departementsvorsteher oder die Teilnahme an Kommissionsitzungen.
Gehört zu Ihren Aufgaben auch, Referate über Ihre Tätigkeit zu halten?
Ja, ich halte regelmässig externe und interne Referate und mache es sehr gern. Ich lerne dabei viel: über den Gegenstand des Referats, über das Publikum und über mich selbst. Man merkt, welche Argumente funktionieren und wo man besser erklären muss. Es ist immer sehr bereichernd.
Erzählen Sie uns, wie ein typischer Arbeitstag von Ihnen aussieht.
Mein Arbeitsalltag ist sehr vielfältig: viele Sitzungen, viel Arbeit an Texten, viel Abstimmen und Koordinieren mit anderen Stellen im VBS wie der Gruppe Verteidigung und armasuisse, aber auch mit anderen Departementen wie dem WBF, EJPD und EDA.
Für Aussenstehende ist der Rollen-Unterschied zwischen SEPOS und EDA nicht immer klar ersichtlich. Worin unterscheiden sich die Aufgaben konkret?
Das EDA bringt eine aussenpolitische Perspektive ein, während wir aus sicherheitspolitischer Sicht argumentieren – zwei Blickwinkel oft auf dieselbe Sache. Im Alltag arbeiten wir aber eng zusammen; Sicherheits- und Aussenpolitik sind stark ineinander verzahnt; das prägt unsere Zusammenarbeit.
Hatten Sie andere Erwartungen, als Sie die Stelle übernommen haben?
Es gab viele Überraschungen. Schon das SEPOS an sich war eine Überraschung (lacht). Infolge des Kriegs in der Ukraine ist eine enorme Dynamik in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik entstanden. Die Entwicklungen sind schwer vorhersehbar geworden.
Das Wort «Start-up» wird häufig im Zusammenhang mit SEPOS genutzt. Inwiefern ist die Stimmung im SEPOS ähnlich wie in einem Start-up?
Ich habe zwar nie in einem Start-up gearbeitet, aber ich stelle es mir ähnlich vor. Es gibt viel Gestaltungsspielraum. Am Anfang waren Prozesse, Postweg, Zuständigkeiten und Führungsprozesse nicht vollständig definiert. Wir konnten vieles von Grund auf gestalten. Ein echtes Privileg, denn normalerweise ist in der Verwaltung vieles bereits vorgegeben und fest etabliert.
Die Transformation bedeutete auch, dass man sich als neuer Akteur in der bestehenden Verwaltungslandschaft erst behauptet. Man ist das «New Kid on the Block» und muss zeigen, dass man dazu gehört und etwas beizutragen hat.
Auch die Stimmung bei uns erinnert vielleicht an ein Start-up: Wir haben ein starkes Gemeinschaftsgefühl und halten zusammen. Die Vielfalt im SEPOS schafft sicher auch einen guten Zusammenhalt.
Zur Person
Joachim Adler ist Chef Verteidigungspolitik und stellvertretender Chef der Abteilung Strategie und Kooperation beim SEPOS. In seiner Freizeit klettert und kocht er gerne, liest und hört viel Musik. Er lebt mit seiner Frau und zwei Kindern im Aargau.
