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«Der Fokus liegt ganz klar auf der Räumung»

Das ehemalige Munitionslager soll geräumt werden. Dazu hat ein Projektteam Varianten ausgearbeitet und in Mitholz präsentiert. Oberst i Gst Hanspeter Aellig, Teilprojektleiter «Variantenevaluation», erklärt, worum es geht.

05.12.2019 | Kommunikation VBS, Valentine Zubler-Mäder

Hanspeter Aellig: «Nichts ist zurzeit ausgeschlossen. Vielleicht können wir den Sprengstoff aus den Munitionsrückständen entfernen.» Foto: VBS, Jürg Eichenberger

Herr Aellig, Ihr Projektteam hat sechs Varianten vorgeschlagen, die eine vollständige oder teilweise Räumung zum Ziel haben. Können Sie uns dazu mehr sagen?

Zunächst ist es wichtig zu unterstreichen, dass wir einen Standbericht präsentiert haben. Wir arbeiten mit Hochdruck. Vieles ist in Abklärung und entschieden ist noch nichts.

Ich habe im März 2019 einen grossen, breit abgestützten Workshop im Spiez durchgeführt. Teilgenommen haben Mitglieder der Arbeitsgruppe Mitholz, der Projektgruppe Variantenevaluation, Ingenieure aus der Region, nationale und regionale Politiker sowie lokale Sachverständige. Wir haben dabei 19 Varianten entwickelt. Es ging nach dem Grundsatz: «alles Denkbare denken». Gleichzeitig haben wir ein System entwickelt, um alle Varianten anhand verschiedener Faktoren einheitlich zu bewerten. Dazu gehören natürlich die Sicherheit und die Wohnqualität. Am Schluss dieses Bewertungsprozesses lagen Varianten vor.

Worauf wird nun fokussiert?

Bei sechs Varianten geht es um eine Räumung oder eine Teilräumung der Munition, sei es von Süden oder von Norden der Anlage her. Eine siebte Variante hatte keine Räumung der Munition zum Inhalt, dafür eine dauerhafte Sperrung des Gebietes in einer Sicherheitszone. Diese siebte Variante kommt aber nicht mehr in Frage, wir nehmen nur Teilaspekte wie die Frage des Schutzes für Strasse und Schiene auf. Das haben wir bei unseren Vertiefungen und auch bei Gesprächen mit dem Kanton Bern und Vertretern aus der Region beschlossen. Der Fokus liegt ganz klar auf der Räumung der Munition. Dieser spiegelt auch die Absicht von Bundesrätin Amherd.

Stichwort Räumung. Sie sprechen unter anderem von «schichtweise Abtragen». Wie kann man sich diese Arbeiten vorstellen?

Wir werden uns von aussen Schicht um Schicht vorarbeiten müssen, um zu erkennen, wie und wo die Munition genau liegt. Wir versprechen uns davon, bereits hier Munition zu bergen und Erkenntnisse über die Situation an der Sohle des Bahnstollens zu gewinnen. Eine Möglichkeit wäre es, vor dem ehemaligen Lastwagentunnel Süd zu beginnen. Den Aushub könnten wir untersuchen und sortieren, um gleich als Baumaterial für Schutzbauten hinter der Baustelle zu verwenden. Aber das ist nur eine von verschiedenen Überlegungen.

Für solche Arbeiten haben Sie von ferngesteuerten Baggern gesprochen.

Unser angestrebtes Ziel ist es, die Bevölkerung und die Verkehrswege zu schützen, aber auch unsere Mitarbeitenden. Solche ferngesteuerten Maschinen würden uns helfen, die Risiken der Arbeiten zu senken. Das Kommando Kamir, die Fachstelle der Schweizer Armee, hat diese Maschinen teilweise schon im Einsatz. Ob es sich dabei um die richtigen Modelle handelt, müssen wir noch abklären.

Wird die geborgene Munition vor Ort vernichtet?

Die ganze Thematik Munitionssortierung und -vernichtung ist ein weiterer Teil unserer Abklärungen. Wir gehen davon aus, dass wir mit einem Teil der Munition sicher umgehen können, das heisst, wir können sie mit einem geschützten Transportfahrzeug zur Munitionsvernichtung transportieren. Es gibt aber Munition, die vor Ort vernichtet werden muss. Dazu werden wir im Januar nationale und internationale Experten für die Thematik «Räummethoden» einladen.

Könnte man einen Teil der geborgenen Munition kontrolliert sprengen?

Nichts ist zurzeit ausgeschlossen. Möglicherweise können wir den Sprengstoff mit bereits bekannten technischen Methoden aus den Munitionsrückständen entfernen. Das muss nicht immer eine Sprengung sein. Alle diese Methoden hängen stark vom Zustand der Munition ab.

Muss während der Arbeiten im Bahnstollen die Umgebung abgesperrt werden?

Solange wir im ehemaligen Bahnstollen arbeiten und Munitionsrückstände räumen, ist das Risiko erhöht. Wenn es zu hoch ist, müssen wir die Bevölkerung in dieser Phase evakuieren. Es sei denn, wir können es mit Schutzbauten deutlich senken. Sicher ist, dass niemand aus der Bevölkerung oder auf den Verkehrsachsen zu Schaden kommen darf.

Wie geht es weiter?

Am 25. Februar 2020 wird die Bevölkerung von Mitholz über die Auswirkungen der Varianten informiert. Gleichzeitig eröffnet das VBS dazu eine Mitwirkung. Diese Ergebnisse fliessen in die Bewertung der Varianten ein.