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Das Biosicherheitslabor in Spiez

Dieses Jahr ist die höchste Sicherheitsstufe des Biosicherheitslabors im LABOR SPIEZ in Betrieb gegangen. Die Arbeiten im Labor dienen der Diagnostik von hochpathogenen Krankheitserregern sowie der Erforschung von Krankheitsverbreitungen und Therapiemöglichkeiten.

04.08.2014 | Kommunikation VBS / LABOR SPIEZ

Mit dem neuen Biosicherheitslabor kann der Bevölkerungsschutz nun auf eine vollumfängliche, rasche Laboranalytik auf allen Sicherheitsstufen zurückgreifen und das LABOR SPIEZ kann seine wichtige Rolle sowohl in der Gesundheits- wie in der Sicherheitspolitik vollumfänglich wahrnehmen. Das Labor erlaubt die sichere Diagnostik von höchst infektiösen humanpathogenen Krankheitserregern und schliesst damit eine Lücke im nationalen Schutz vor biologischen Bedrohungen, denn erst wenn ein Krankheitserreger identifiziert und charakterisiert werden kann, ist eine effektive Ereignisbewältigung mit zielgerichteter medizinischer Vorsorge und Behandlung möglich.

Ein ausgeklügeltes Containmentsystem

Die Arbeit an hochgefährlichen Krankheitserregern erfordert für die Labors ein ausgeklügeltes Containmentsystem. Dazu gehören Sicherheitsinstallationen und persönliches Schutzmaterial wie zum Beispiel Sicherheitswerkbänke, Vollschutzanzüge, luftdicht abgeschlossene Räume, Unterdruckhaltung in den Labors sowie ein komplexes System an Schleusen und Barrieren. Die Mitarbeiter verlassen die Labors über Chemieduschen, in welchen die Aussenseite ihrer Vollschutzanzüge dekontaminiert wird. Die Abluft sowie sämtliche festen und flüssigen Abfälle müssen mikrobiologisch inaktiviert werden, bevor sie das Biosicherheitslabor verlassen. Feste Abfälle müssen über Autoklaven mit einer Hitzeinaktivierung ausgeschleust werden, flüssige Abfälle, inklusive das Abwasser der Dekontaminationsduschen, müssen in Lagertanks aufgefangen und über Dampfsterilisatoren inaktiviert werden.

Schrittweise in Inbetriebnahme

Bereits seit Februar 2012 kann in Spiez mit Erregern der Risikogruppen 2 und 3 gearbeitet werden. Die Inbetriebnahme der Laboreinheiten der höchsten Sicherheitsstufe 4 erfolgte Anfang 2014. Dem voraus gingen umfangreiche Tests, um absolut sicherzustellen, dass gegen innen (Mitarbeitende) und aussen (Umwelt) zu keiner Zeit ein Risiko durch Verschleppung vom Mikroorganismen besteht.
Von Juli 2014 bis voraussichtlich November 2014 besorgt das LABOR SPIEZ im Rahmen eines Memorandum of Understanding mit dem Nationalen Zentrum für neuauftretende Viruserkrankungen (NAVI) die molekulare Diagnostik von Krankheitserregern für das Genfer Universitätsspital (HUG), dessen Referenzlabor derzeit umgebaut wird und daher keine Analysen für Krankheitserreger der höchsten Risikogruppe vornehmen kann, z.B. virale hämorrhagische Fieberviren wie Ebola, Marburg, Krim-Kongo- und Lassa sowie Pocken.

Vielversprechende Forschungsprojekte

Im weiteren erlaubt das Biosicherheitslabor in Spiez künftig die Realisierung wissenschaftlicher Projekte, welche auf die Infrastruktur eines Labors der höchsten Sicherheitsstufe angewiesen sind. Das Institut für Mikrobiologie der Universität Lausanne (IMUL) wird die ersten beiden Forschungsprojekte im Biosicherheitslabor betreuen. Beide Projekte kombinieren neue und vielversprechende Technologien mit einem hochrelevanten biomedizinischen Problem und könnten damit den Weg zur Entwicklung einer ersten Schutzimpfung gegen hämorrhagische Arenaviren bereiten.
In Afrika verursacht beispielsweise das Lassavirus hunderttausende Infektionen pro Jahr und bedroht derzeit über 180 Millionen Menschen. Der internationale Luftverkehr importiert regelmässig Fälle von Arenavirus in Metropolen überall auf der Welt, was die lokalen Bevölkerungen gefährdet. Derzeit ist keine allgemein zugelassene Impfung gegen Arenaviren erhältlich und die therapeutischen Mittel sind beschränkt. Die Entwicklung wirksamer Medikamente und Impfungen gegen diese Viren ist deshalb von hoher Priorität.


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