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«Tschinch chatschaders tschüffan tschinch chamuotschs sül Piz Champatsch»

Heute ist der Europäische Tag der Sprachen. Die Sprachenvielfalt ist ein Kennzeichen der Schweiz: Rätoromanisch beispielsweise wird in keinem anderen Land der Welt gesprochen. Im Interview mit Domenic Dannenberger, Co-Leiter J+S-Ressort Grundlagen am BASPO, erfahren wir mehr über die «mumma romontscha», die Herzsprache der Rätoromanen.

26.09.2019 | Personal VBS, Babice Schlumpf-van Waardenburg

Domenic Dannenberger, Co-Leiter J+S-Ressort Grundlagen am BASPO


Heute ist der Europäische Tag der Sprachen. Welche Sprachen sprechen Sie, Herr Dannenberger?

Ich spreche alle vier Schweizer Landessprachen sowie etwas Englisch und Dänisch. Auch fällt es mir leicht, die lateinischen Sprachen wie Spanisch oder Portugiesisch zu verstehen. Meine Frau ist Dänin. Deshalb komme ich nicht darum herum, mich auch mit Dänisch auseinander zu setzen. Es klappt aber mittlerweile schon ganz gut.

Welche Sprache(n) würden Sie als Ihre Muttersprache bezeichnen?

Diese Frage habe ich mir auch schon mehrmals gestellt. Mein Vater war Rätoromane, meine Mutter Deutsche, deshalb haben wir zu Hause beide Sprachen gesprochen. Ich würde also Romanisch als meine Vatersprache bezeichnen. In der Schule, mit Freunden, sowie mit meinem Vater und meiner Schwester habe ich jeweils Rätoromanisch gesprochen. Das ABC und das Rechnen wurde uns in dieser Sprache gelehrt. Erst ab der 5. Klasse kam Deutsch als «Fremdsprache» hinzu.

Es gibt fünf verschiedene Untergruppen (Idiome) in der rätoromanischen Sprache. Was sind die Unterschiede?

Grundsätzlich wollte man sich früher geographisch voneinander abgrenzen, dies gelang am besten durch die Sprache. In den Sprachen merkt man die geographischen Übergänge sehr gut. So ist das Engadiner Romanisch «Ladin» (mit den Idiomen Vallader oder Puter) den Dialekten der italienischsprachigen Seitentäler sehr ähnlich. Das «Ladin» unterscheidet sich am deutlichsten vom - auch geografisch weit entfernten - Bündner Oberländer «Sursilvan». Dazwischen liegen noch die beiden Idiome «Sutsilvan» und «Surmiran».

Wie verständigen sich die Rätoromanen (mit unterschiedlichen Idiomen) unter sich?

Dies kommt stark auf die Beziehung an: Wenn man jemanden aus einem entfernteren Idiom gut kennt, spricht man eher sein eigenes Idiom. Wenn man mit Leuten kommuniziert, die man nicht so gut kennt, versucht man einen formelleren Weg zu finden. Deshalb gibt es auch das «Rumantsch Grischun», die offizielle Amtssprache der Rätoromanen. Die einzelnen Idiome stellen jedoch aus meiner Sicht den Kern oder das Herz der Sprache dar.

Welche Bedeutung hat die Förderung der verschiedenen Sprachen der Schweiz für Sie persönlich?

Dies ist ein ganz zentrales Thema. Die Sprachen sind aus meiner Sicht eines der Hauptkulturgüter, die wir in der Schweiz haben und deshalb unbedingt pflegen müssen. Der Umgang mit der Mehrsprachigkeit zeichnet die Schweiz aus und macht uns vielleicht etwas weltoffener und toleranter gegenüber anderen Ländern und Kulturen.

Wie erleben Sie die Mehrsprachigkeit am BASPO?

Die Mehrsprachigkeit wird hier am BASPO wirklich gelebt, da wir laufend im Austausch mit Vertretern der verschiedenen Landes- bzw. Sprachregionen sind. Weiter liegt die Region rund um Magglingen/Macolin an der Sprachgrenze, wo sich Deutsch und Französisch einander die Hand geben. Die enge Verbindung mit dem Standort Tenero führt auch zu einem intensiven Austausch mit den italienischsprachigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des BASPO und dem Tessin.

Als Rätoromane freue ich mich jedoch immer wieder, wenn sich die Gelegenheit ergibt, im offiziellen Rahmen mit jemandem rätoromanisch zu sprechen.


Mehrsprachigkeit – in der ganzen Schweiz ein grosses Thema

Am 26.9. findet der Europäische Tag der Sprachen statt. An diesem Tag wird jedes Jahr durch Veranstaltungen auf die sprachliche und kulturelle Vielfalt aufmerksam gemacht, welche aufrechterhalten und gefördert werden muss. Auch die Schweiz ist kulturell durch ihre Sprachenvielfalt geprägt und setzt sich für die Sprachenförderung ein. Im Weiteren bietet dieser Tag die Gelegenheit, an weniger verbreitete Sprachen wie etwa das Rätoromanisch zu erinnern. Die Bündner Herzsprache wurde 1938 als Landessprache in die Verfassung aufgenommen und zählt im Kanton Graubünden ebenfalls als Amtssprache. Noch rund 60'000 Menschen sprechen die «quarta lingua naziunala» heute als Muttersprache.

*Ein typischer rätoromanischer Zungenbrecher:

«Tschinch chatschaders tschüffan tschinch chamuotschs sül Piz Champatsch»
(Übersetzt: Fünf Jäger erlegen fünf Gämsen auf dem Piz Champatsch)

Mehrsprachigkeit im VBS

Die Mehrsprachigkeit ist eine Besonderheit der Schweiz und deren Förderung ein wichtiges Anliegen der Bundesverwaltung und des VBS: Das VBS sorgt als Arbeitgeber für eine repräsentative Vertretung der Sprachregionen und die Gewährleistung der Chancengleichheit für die Angestellten der verschiedenen Sprachgemeinschaften. Grundsätzlich können sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Amtssprache ihrer Wahl ausdrücken. Die Mehrsprachigkeit wird zudem durch verschiedene Massnahmen gefördert.

Im Jahr 2018 waren im VBS 24 verschiedene Muttersprachen vertreten, davon 75% Deutsch, 17.9% Französisch, 6% Italienisch und 0.3% Rätoromanisch. Beim VBS zu arbeiten, bedeutet nicht nur in Bern zu arbeiten. In 23 von 26 Kantonen ist das VBS zu Hause. Sie finden attraktive und vielseitige Jobmöglichkeiten in allen Sprachregionen.