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Vom Hilfsdienst zum Militärdienst: Die Sicherheit der Schweiz ist auch weiblich

Anhand von archiviertem Videomaterial zeigt dieses Dossier der Bibliothek am Guisanplatz (BiG), dass die Sicherheit des Schweizer Bundesstaates zunehmend weiblich ist: Vor einem Jahrhundert leisteten Frauen den notwendigen Hilfsdienst, heute sind sie wichtiger Nachwuchs für die Schweizer Armee.

02.09.2020 | Bibliothek am Guisanplatz, Bastien Nançoz

Das Bild zeigt eine Fahrerin, die eine Landeskarte in den Händen hält. (Bild: ZEM)
Eine Kommandantin (Kdt) der Sanitätstruppen des Frauenhilfsdienstes 1978. (Bild: ZEM)

Frauen sind wichtige Nachwuchskräfte für die Schweizer Armee. Auf diesem Hintergrund zeichnet die Bibliothek am Guisanplatz (BiG) anhand von archiviertem Videomaterial aus der historischen Mediathek des VBS in diesem Dossier die Geschichte der Frauen in der Schweizer Armee nach.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zeigte sich, dass Hilfsdienste wie die Samaritervereine eine entscheidende Rolle in der Versorgung von Soldaten spielten. Bereits 1901 versuchte das Militärdepartement deshalb, das noch zivile Hilfswesen in militärische Kommandostrukturen zu überführen. Zwei Jahre später wurden Subventionen für die Ausbildung von Pflegepersonal gewährt, und dank der Entschlossenheit des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins wurde die Regelung der Sanitätshilfe gesetzlich festgeschrieben.

Der Frauenhilfsdienst (FHD)

Während des Ersten Weltkriegs hatten viele Frauen den Wunsch, ihren Beitrag zur Landesverteidigung zu leisten. Während des Kriegs wurden wichtige Arbeiten, etwa in den Kriegswäschereien, bei der Herstellung militärischer Ausrüstung, im Rotkreuzdienst sowie in den Feldlazaretten und Militärspitälern auch von Frauen erledigt. Während die Männer im Aktivdienst waren, übernahmen zudem viele Frauen die Führung der Landwirtschaftsbetriebe und arbeiteten in der Industrie, in Manufakturen und Fabriken.

Doch erst mit der 1934 erlassenen Hilfsdienst-Verordnung erhielten Frauen den Zugang zu den Hilfsdienstgattungen der Armee. Damit war der Frauenhilfsdienst (FHD) geboren. Um genügend Wehrmänner für die «Front» bereitzuhaben, war die Armee auf den FHD angewiesen. Ab 1940 konnten Frauen in militärischen Hilfsdiensten wie der Übermittlung, der Fliegerbeobachtung oder auch im Transport eingesetzt werden.

Gebirgs-Sanitätsübung und FHD-Meldedienst (1940)

Frauen beim Fliegerbeobachtungs- und Meldedienst. (Quelle: ZEM)

Rotkreuzfahrerin (1940)

Frauen beim Verwundetentransport. (Quelle: ZEM)

FHD – Frauenhilfsdienst (1960)

Die Aufgaben des Frauenhilfsdienstes. (Quelle: ZEM)

Wer ist Barbara? (1970)

Der Einführungskurs von Barbara im Frauenhilfsdienst. (Quelle: ZEM)

10 x FHD (1975)

Zehn Tätigkeitsbereiche des Frauenhilfsdienstes. (Quelle: ZEM)

Eindrücke aus einem FHD-Einführungskurs (1983)

Impressionen aus diversen Bereichen des Einführungskurses. (Quelle: ZEM)

Der Weg zum gleichberechtigten Militärdienst

Die Stellung der Frauen in der Armee entwickelte sich parallel zu den gesellschaftlichen Verhältnissen in der Schweiz des 20. Jahrhunderts. Bekanntermassen erhielten die Frauen erst 1971 auf Bundesebene das Stimm- und Wahlrecht. Weitere knapp 20 Jahre mussten sie sich gedulden, bis Appenzell Innerrhoden als letzter Kanton das Frauenstimmrecht einführte. Nach der Gründung des FHD dauerte es ebenfalls fast 60 Jahre, bis die Schweizerinnen gleichberechtigten Zugang zu allen Funktionen und Dienstgraden der Armee erhalten sollten.

Obwohl 1981 in der Bundesverfassung der Grundsatz der Gleichstellung von Mann und Frau festgeschrieben wurde, änderte sich in der Realität jedoch anfangs nur wenig. 1984 wurde der FHD zwar offiziell aufgelöst und durch den Militärischen Frauendienst (MFD) ersetzt. Die neuen Bestimmungen des MFD führten 1986 zudem gleiche Dienstgrade und Funktionsbezeichnungen ein. Entgegen der Gleichberechtigung war den Frauen aber die Ausbildung an der Waffe und das Tragen einer solchen untersagt. Erst 1991 wurde die freiwillige Bewaffnung – allerdings zunächst nur zum Selbstschutz – innerhalb des MFD möglich.

Mit der Auflösung des MFD 1995 wurden auch diese Bestimmungen angepasst. In der Folge war auch für Frauen die Ausbildung am Sturmgewehr möglich. Untersagt blieb den Frauen jedoch weiterhin  die explizite Gefechtsausbildung.

Militärischer Frauendienst – Die Rekrutenschule (1987)

Das Video vermittelt zahlreiche Facetten der Grundausbildung im MFD. (Quelle: ZEM)

Und heute?

Mit dem Übergang zur Armee XXI wurden auch die letzten Hindernisse für eine juristische Gleichberechtigung innerhalb der militärischen Strukturen beseitigt. Seither ist der Dienst mit der Waffe für die freiwillig eingerückte Frau genauso Pflicht wie für die Männer. Für einen Dienst ohne Waffe müssen beide, ob Frau oder Mann, ein Gesuch stellen. Frauen haben zudem gleichberechtigten Zugang zu allen militärischen Funktionen, wie sie den Männern offenstehen. 2019 dienten mehr als 1300 Frauen in der Schweizer Armee , davon 326 im Offiziersrang.

Sicherheit ist auch weiblich (2020)

Frauen in der Armee - Trailer. (Quelle: ZEM)

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