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Air2030 – Thema Kompensationsgeschäfte (Offsets)

Kompensationsgeschäfte erhöhen die Transaktionskosten und verteuern damit Beschaffungen. VBS-Chef Guy Parmelin hatte die bisherige Praxis zur Diskussion gestellt. Weshalb wird die Praxis beibehalten?

08.05.2018 | Kommunikation VBS

FA-18 Hornet und F5 Tiger


Ausländische Lieferanten müssen den Kaufpreis bei grösseren Geschäften zu 100 Prozent durch die Vergabe von Aufträgen in der Schweiz kompensieren. Es gibt gute Gründe, diese Praxis beizubehalten:
 

  • Kompensationsgeschäfte bringen der Volkswirtschaft zusätzliche Aufträge und schaffen Arbeitsplätze; eine regionale Verteilung wird angestrebt.
  • Durch direkte Kompensationsgeschäfte (direkte Beteiligung am Herstellungsprozess) können Schweizer Unternehmen Zugang zu Spitzentechnologien erhalten.
  • Durch direkte Kompensationsgeschäfte erworbene Fähigkeiten im Unterhalt von Kampfflugzeugen wirken sich positiv auf die Einsatzbereitschaft der Flugzeugflotte aus und können die Abhängigkeit vom Hersteller verringern.
  • Kompensationsgeschäfte können dazu dienen, neue Märkte zu erschliessen, die auch nach Wegfall der Offsetverpflichtungen erhalten bleiben.

 

Es gibt aber auch Gründe, die Verpflichtung der Hersteller zu Kompensationsgeschäften in Frage zu stellen:

  • Kompensationsgeschäfte erhöhen die Transaktionskosten und verteuern damit Beschaffungen.
  • Kompensationsgeschäfte können der Transparenz abträglich sein.
  • Kompensationsgeschäfte können auf Strukturerhaltung in der schweizerischen Rüstungsindustrie hinauslaufen und die Anpassung an den Markt verzögern.

 

In Abwägung aller Argumente will der Bundesrat (ebenso wie das VBS) die bisherige Praxis weiterführen und von den Herstellern (neue Kampfflugzeuge ebenso wie bodengestützte Luftverteidigung) Kompensationsgeschäfte im Umfang von 100 Prozent des Kaufpreises verlangen. Es soll dabei maximale Transparenz in der Abwicklung der Kompensationsgeschäfte hergestellt werden. Dazu gehört ein Register, aus dem ersichtlich ist, welche Schweizer Unternehmen Aufträge erhalten haben, die bei diesen Offset-Verpflichtungen angerechnet werden.

Laut Pilatus-Chef Oskar J. Schwenk käme die Kampfjetbeschaffung eine Milliarde Franken günstiger ohne Offsetgeschäfte. Ist diese Zahl aus Sicht des VBS realistisch?

Diese Zahl scheint hoch gegriffen. Das VBS hat aber keine Möglichkeit, diese Zahl oder eine tiefere zu verifizieren. Selbst eine parallele Anfrage von Preisen mit und ohne Offsetverpflichtung wäre nicht schlüssig, weil die Versuchung bestünde, die (kompliziertere) Version mit Offsets teuer erscheinen zu lassen, um die andere Version attraktiver erscheinen zu lassen.