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Frauen in der Armee: Gleiche Chancen für gleiche Leistung

Seit der Einführung der Armee XXI können Frauen bei Eignung alle Funktionen in der Schweizer Armee ausüben. Für die Rekrutierung der Frauen ist Marina Weber-Tinner als Sachbearbeiterin zuständig. Sie übernimmt alle administrativen Aufgaben und steht gerne als Beraterin zur Verfügung.

11.07.2018 | Kommunikation Verteidigung, Michelle Steinemann

Marina Weber-Tinner, Sachbearbeiterin Frauen in der Armee
Marina Weber-Tinner, Sachbearbeiterin Frauen in der Armee

Heute machen die Frauen knapp 1% aller Dienstleistenden in der Armee aus. Im Jahr 2017 wurden 281 Frauen zugeteilt. Sie haben sich verpflichtet, Militärdienst zu leisten. Marina Weber-Tinner ist verantwortlich für die Information und Rekrutierung der interessierten Frauen.

Weber-Tinner übernimmt alle Angelegenheiten, die mit der Rekrutierung einhergehen. Dazu gehört die Verarbeitung der Anmeldungen, die Koordination mit den Rekrutierungszentren, Infodossiers und -flyer zu erstellen und Auskunft zu geben, beispielsweise über die Anzahl benötigter Sportpunkte für die Einteilung in gewünschte Funktionen.

Offen und ehrlich informieren

Marina Weber-Tinner weiss, wovon sie spricht, ist sie doch Milizoffizier in der Schweizer Armee.
Marina Weber-Tinner weiss, wovon sie spricht, ist sie doch Milizoffizier in der Schweizer Armee.

Den engsten Kontakt zu den potenziellen weiblichen Armeeangehörigen hat Weber-Tinner an den Rekrutierungstagen, an denen sie jeweils über die wesentlichen Punkte informiert und den jungen Frauen bewusst macht, was es heisst, sich fürs Militär zu verpflichten. Mit ihren fünf Jahren Erfahrung als Zeitmilitär und fünf Kommandojahren als Kompaniekommandant bringt sie beste Voraussetzungen für diese Aufgabe mit. Sie erteilt allgemeine Ratschläge: wie sich die Frauen schon vor der RS durch regelmässigen und ganzheitlichen Sport vorbereiten können, wie sie die Schuhe optimal einlaufen und wie sie sich an Ausrüstung und Gepäck mit einem Gewicht von bis zu 25 Kilogramm gewöhnen.

Andererseits macht sie darauf aufmerksam, dass sie als Frauen automatisch unter erhöhter Beobachtung stehen und aus der Masse herausstechen werden. «Sie werden ab der ersten Sekunde beobachtet, beurteilt und meistens direkt auch schon schubladisiert.» Sie macht die jungen Frauen auch auf Dinge aufmerksam, an die diese wahrscheinlich noch nicht gedacht haben. «Ich lege viel Wert darauf, den Frauen ein realistisches Bild zu vermitteln, damit sie sich keine falschen Vorstellungen machen und enttäuscht werden. Immerhin bereiten wir uns in der Armee für den Ernstfall vor, und mit ihrer Unterschrift verpflichten sich die jungen Frauen, bei Bedarf für dieses Land in den Krieg zu ziehen.»

Es gibt für Jede eine passende Funktion

Beim Zuteilungsgespräch mit dem Rekrutierungsoffizier fungiert Weber-Tinner vor allem als beratende Beisitzerin. Ihre Ansicht ist aber klar: «Es gibt über 150 verschiedene Rekrutierungsfunktionen. Wir finden also für jede eine passende und interessante Stelle.» Und wenn die Frau die Leistung erbringe, stünden ihr alle Funktionen offen. «Wir wollen einerseits, dass die Frau ihre zugeteilte Funktion wertschätzt und ohne medizinischen Ausfall die RS zu Ende bringen kann. Es ist uns aber vor allem auch wichtig, dass sie bei dem, was sie macht, Freude und Erfolg hat».

Sie freut sich zu sehen, wenn Frauen jubeln, weil sie in die Wunschfunktion eingeteilt worden sind. Ihrer Meinung nach müssen die Leistungen der Frauen in der Armee von der Gesellschaft mehr anerkannt werden, so Weber-Tinner. «Das sind Frauen, die freiwillig und aktiv einen Dienst für das Vaterland leisten und nicht nur darüber sprechen und abstimmen. Das verdient Anerkennung.»