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«Für naturwissenschaftliche Bereiche ist es wichtig, weibliche Vorbilder zu haben»

In der Schweiz arbeiten signifikant weniger Frauen als Männer in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen. Oft mangelt es an Vorbildern. Das nehmen wir als Anlass und interviewen ein solches Vorbild im VBS, Montserrat Maria Fernández-Bolaños Badia, Wissenschaftliche Projektleiterin bei armasuisse, Wissenschaft und Technologie.

26.08.2019 | Personal VBS

Montserrat Maria Fernández-Bolaños Badia
Montserrat Maria Fernández-Bolaños Badia, Wissenschaftliche Projektleiterin bei armasuisse, Wissenschaft und Technologie

Montserrat Maria Fernández-Bolaños Badia. Haben Sie beruflich viel mit Frauen zu tun?

Während meiner akademischen und bisherigen beruflichen Tätigkeiten waren die Frauen immer in der Minderheit. Während des Bachelorstudiums in Spanien beispielsweise waren wir in meiner Klasse rund 10 Prozent Frauen und während des Doktorats an der EPFL etwa 25 Prozent.

Was war Ihre Motivation, Ingenieurin zu werden?

Ich bin in einer «wissenschaftlichen» Familie aufgewachsen: Mein Vater ist Arzt, meine Mutter Ökonomin, meine Schwester studierte ebenfalls Medizin. Auch ich wollte etwas Naturwissenschaftliches studieren, aber es musste eine angewandte Wissenschaft sein, die mir auf dem Arbeitsmarkt die meisten Türen öffnen würde. Darum habe ich mich schliesslich für die Ingenieurwissenschaften entschieden. Im Ausschlussverfahren bin ich auf Telekommunikationsingenieurin gekommen: Die anderen Zweige des Ingenieurwesens kannte ich bereits ein wenig. Schliesslich war ausschlaggebend, dass ich etwas Neues, mir noch völlig Unbekanntes entdecken konnte.

Wie würden Sie Ihre Arbeit als wissenschaftliche Projektleiterin beschreiben?

Es ist eine sehr interessante, naturwissenschaftliche Arbeit. Besonders gefällt mir, dass immer wieder Herausforderungen und Probleme zu bewältigen sind. Ausserdem komme ich mit neuen Themen in Berührung und lerne jeden Tag Spannendes dazu. Meine Aufgaben sind vielfältig. Ich erstelle zum Beispiel Simulationen und mathematische Modelle von Radaren und simuliere den Einfluss der Turbinen im Windpark auf Radare. Weiter führe ich Messkampagnen mit Drohnen oder Flugzeugen durch, um die Funktionstüchtigkeit der Radare oder das Potenzial von Passivradaren zu evaluieren. Schliesslich gehört auch das Prüfen der Spezifikationen und der Leistung neuer Systeme im Rahmen der Beschaffung zu meinen Aufgaben.

Wurden Sie als Kind in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT-Fächer) gefördert?

Nicht speziell, das hat sich von selbst so ergeben. Ich fand es persönlich einfacher, mit MINT-Fächern zu beginnen und allenfalls in einen anderen Bereich zu wechseln, falls es mir dort nicht gefallen würde. Ausserdem war ich in der Schule in Mathematik besser als beispielsweise im Schreiben.

Sie sind Mutter von drei Kindern. Wie sieht ein typischer Tag mit Familie und Beruf bei Ihnen aus?

Den typischen Tag gibt es eigentlich nicht, eher drei «Modelle». Da sind zunächst die Tage, an denen ich mit den Kindern frühstücke und danach zur Arbeit fahre, während mein Mann die Kinder zur Schule und in die Krippe bringt. Dann die Tage, an denen ich sehr früh aus dem Haus gehe und dafür früher heimgehe. Und schliesslich habe ich die Möglichkeit, einen Tag pro Woche im Home-Office zu arbeiten, was ich sehr schätze. So organisiert und strukturiert verfüge ich über eine gewisse Flexibilität, um beispielsweise eine Sitzung bei der Arbeit nicht zu verpassen.

Macht es einen Unterschied in Ihrem beruflichen Werdegang, dass Sie Familie haben?

Ja, ich finde, dass ich effizienter und besser organisiert bin, seit ich Kinder habe. So weiss ich zum Beispiel, dass ich zu einer bestimmten Zeit los muss, um die Kinder abzuholen. Also muss ich mich so organisieren, dass ich die Arbeit bis dann erledigt habe.

Wie kann die Arbeitgeber-Attraktivität für Frauen mit MINT-Berufen gesteigert werden?

Insbesondere für naturwissenschaftliche Bereiche finde ich es wichtig, weibliche Vorbilder zu haben, insbesondere auch Frauen in verantwortungsvollen Positionen. Das ermutigt andere Frauen und gibt ihnen das nötige Selbstvertrauen. Allgemein finde ich wichtig, dass der Arbeitgeber attraktive Arbeitsbedingungen bietet, namentlich eine gewisse Flexibilität bei der Arbeitsorganisation, die Möglichkeit, zu Hause arbeiten zu können, oder zusätzliche Unterstützungsangebote für Familien mit Kindern.

Frauen - Gleichstellungstag

Am 26. August findet jährlich der Tag der Gleichstellung der Frauen statt. Dieser Tag ist weniger bekannt als beispielsweise der Tag der Frauen der jährlich am 8. März stattfindet. Der 26. August erinnert an den Protest im Jahr 1917. Damals protestierten Frauen vor dem Weissen Haus täglich während 18 Monaten, um Aufmerksamkeit zu erregen und um insbesondere das Wahlrecht zu erhalten.

Arbeitgeber VBS

Rund 12‘000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter setzen sich tagtäglich in über 200 zivilen und militärischen Berufen für eine sichere Schweiz ein. Kaum ein Departement ist vielfältiger als das VBS: Sie finden attraktive Stellen unter anderem in Berufsfeldern wie Wirtschaft, Soziales oder Aus- und Weiterbildung und in allen MINT–Fächern wie beispielsweise Informatik und Naturwissenschaften. Das VBS ist in allen Teilen der Schweiz vertreten. Das VBS setzt sich konsequent für Gleichstellung ein. Die Lohngleichheit zwischen Frau und Mann gilt und wird periodisch überprüft. Die Gleichstellung ist Teil der täglichen Arbeit und wird bei allen Personalprozessen berücksichtigt. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird u.a. durch flexible Arbeitsformen, finanzielle Unterstützung bei der Kinderbetreuung, Mutter- und Vaterschaftsurlaub, die Möglichkeit der Reduktion des Arbeitspensums nach der Geburt unterstützt.

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