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Bundesrätin und Sportministerin Viola Amherd empfängt Medaillengewinner

Am 17. Dezember 2019 sind die Elite WM- und EM-Medaillengewinner und -Gewinnerinnen aus 21 verschiedenen Verbänden der Einladung von Bundesrätin Amherd zum zweimal jährlich stattfindenden Sportlerempfang im Bernerhof gefolgt. Die Sportministerin hat sich sehr über die vielen spannenden Begegnungen und den interessanten Austausch mit den Sportbotschaftern unseres Landes gefreut. Wir hatten Gelegenheit, anlässlich des Anlasses ein Interview mit dem 20-jährigen Sascha Lehmann zu führen. Seine Disziplin, das Sportklettern, wird 2020 zum ersten Mal olympisch.

18.12.2019 | Kommunikation VBS, Tanja Rutti

Bundesrätin Amherd inmitten der Seilzieher, welche dieses Jahr sehr erfolgreich an der EM in Castlebar/Irland unterwegs waren und gleich mehrere Medaillen nach Hause bringen durften. Foto: VBS-DDPS Alex Kühni


Sascha Lehmann, Sie sind ein sehr erfolgreicher Athlet und Medaillengewinner in der Disziplin "Sportklettern". Herzliche Gratulation! Was war für Sie Ihr bisher schönster Sieg?

Sascha Lehmann: Ich durfte in meiner Karriere zum Glück schon sehr viele schöne Momente erleben. Für mich gibt es aber einen Moment, der alle anderen noch übertrifft. Der bisher schönste Erfolg war der Weltcupsieg vor heimischem Publikum in diesem Jahr in Villars-sur-Ollon. Es war eine grossartige Atmosphäre und dass ich diesen Moment mit meinen Freunden und meiner Familie feiern konnte, machte die Erfahrung perfekt. Ich habe in Villars ein grosses Ziel erreicht und werde diesen Abend sicher nie vergessen.

Was bedeutet es für Sie, dass Ihre Sportart, das "Sportklettern", das nächste Jahr in Tokyo erstmal eine olympische Disziplin wird?

Mir persönlich bedeutet es sehr viel, dass die Sportart nun olympisch ist. Für mich zeigt dies, dass das Sportklettern eine Trendsportart ist und dass das Niveau und die Professionalität in den letzten Jahren stark gestiegen sind. Das IOC hat mit seinem Entscheid anerkannt, dass Klettern eine Sportart ist, welche weltweit betrieben und in vielen Ländern von immer mehr Leuten ausgeübt wird. Das Medieninteresse wird sicher in den nächsten Jahren dadurch auch steigen, was es für uns Athleten einfacher macht, professionell für unsere Ziele zu arbeiten. Ich hoffe einfach, dass durch das zusätzliche Interesse die Fairness in unserem Sport nicht verloren geht. Ich freue mich sehr auf den Moment, wenn die ersten olympischen Medaillen im Sportklettern vergeben werden und bin gespannt, wie sich die Sportart weiterentwickelt.

Ihre letzte Chance ein Ticket zu den Olympischen Spielen zu ergattern, werden Sie an den Euromeisterschaften im März haben. Wie schätzen Sie ihre Chancen sein?

Die EM im kommenden Jahr wird sehr spannend. Ich weiss, dass ich das Niveau habe und mir den letzten Platz sichern kann. Dieses Niveau haben aber einige andere Athleten auch und es wird auch etwas Wettkampfglück im Spiel sein. Da das Resultat der Olympischen Kombination aus den multiplizierten Rängen der einzelnen Disziplinen zustande kommt, können kleine Fehler sehr grosse Auswirkungen haben. Mein Ziel wird es sein, Spass am Klettern zu haben. Wenn ich mein Können im richtigen Moment abrufen kann, habe ich gute Chancen mich noch für Tokyo 2020 zu qualifizieren.

Wir drücken Ihnen auf jeden Fall ganz fest die Daumen. Wie sehen Ihre Vorbereitungen vor einem solchen Wettkampf aus? Haben Sie für die Euromeisterschaften ein spezielles Trainingsprogramm vorgesehen?

Ich werde mich auf die Europameisterschaften so vorbereiten wie auf andere grosse Wettkämpfe auch. Speziell wird sein, dass ich in allen drei Disziplinen in Form sein muss, da die Kombination zählt. Dadurch muss ich im Training einen guten Mix finden. Im Januar werde ich einen Fitness- und Kraftaufbau machen. Im Februar werde ich wieder vermehrt in die Technik investieren und die gewonnene Power an der Wand optimieren, bevor ich im März vor allem noch Wettkampftrainings machen werde. 

Die Sportministerin und der 20-jährige Sportkletterer und Sportrekrut Sascha Lehmann mit seiner EM-Bronzemedaille. Foto: VBS-DDPS Alex Kühni


Ihre sportliche Laufbahn begann als Geräteturner. Als Sie als Sportkletterer immer erfolgreicher wurden, mussten Sie Ihre Aktivität als Turner aufgeben. Ist Ihnen dieser Entscheid schwergefallen? Und hat Ihnen Ihre Vergangenheit als Turner bei Ihrer jetzige Sportkarriere geholfen?

Der Entscheid, dass ich mich aufs Klettern konzentrieren möchte, ist mir nicht ganz leichtgefallen. Auch das Turnen hat mir damals sehr viel Spass gemacht. Aber um ins Kunstturnen zu wechseln und ganz an die Spitze zu kommen, war ich schon fast etwas zu alt. Auch wenn ich mich manchmal frage wie mein Leben jetzt aussehen würde, wenn ich mich anders entschieden hätte, habe ich den Entscheid nie bereut. Das Turnen hat mir beim Klettern sehr geholfen, da ich dort ein Körpergefühl aufgebaut hatte. Zudem bekam ich dadurch auch ein grosses Bewegungsrepertoire und habe Kraft aufgebaut.

Was ist Ihr Lieblingsdisziplin?

Meine Lieblingsdisziplin ist das Lead-Klettern. Das Spannende ist, dass man nur einen Versuch hat um die komplexen Bewegungen richtig zu machen. Zudem muss man einen grossen Kampfgeist haben und trotz der Ermüdung die richtigen Entscheidungen treffen. In dieser Disziplin kann ich den Fokus am besten nur auf meinen Körper und die Bewegungen richten und erlebe das stärkste "Flow"-Gefühl.

Was sind die besonderen physischen Voraussetzungen, um diesen Sport auf Höchstniveau auszuüben?

Es ist sehr wichtig, dass man ganzkörperlich in guter Form ist. Die Bewegungen sind sehr abwechslungsreich und dadurch muss man für jede Situation gewappnet sein. Klettern braucht jeden Muskel des Körpers. Fürs Speedklettern und Bouldern ist Maximal- und Explosivkraft gefordert, fürs Leadklettern Kraftausdauer.

Haben Sie nie Höhenangst?

Höhenangst war für mich nie ein Problem. Ich mag es, sehr hoch über dem Boden zu sein. Das bedeutet aber nicht, dass ich keinen Respekt vor der Höhe habe. Ich bin mir sehr wohl bewusst, dass kleine Fehler schwere Folgen haben können.

Sascha Lehmann in Aktion in der Kletterwand an den Weltmeisterschaften in Innsbruck. Foto: ©vladekzumr.com

Sportklettern

Das Sportklettern wird seine olympische Premiere in Tokio 2020 haben. Das Internationale Olympische Komitee hatte im August 2016 beschlossen, dass das Freiklettern ins olympische Programm aufgenommen wird. Der Wettbewerb an den Olympischen Spiel wird als Kombination aus Speedklettern, Bouldern Leadklettern ausgetragen. Beim Speedklettern geht es darum, in möglichst kurzer Zeit eine Route zu klettern. Speedklettern wird sowohl am Fels wie auch an künstlichen Wänden (meist in Form von Wettkämpfen) durchgeführt. Bouldern (englisch boulder „Felsblock“) ist das Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Felsblöcken, Felswänden oder an künstlichen Kletterwänden in Absprunghöhe (das heisst bis zu einer Höhe, aus der ohne Verletzungsgefahr von der Wand abgesprungen werden kann). Ziel beim Leadklettern ist es, eine Route innerhalb eines festen Zeitlimits möglichst sturzfrei zu meistern, bzw. in dieser Route möglichst höher als die Konkurrentinnen und Konkurrenten zu klettern.