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Sommer-RS 2019 – Einsatz auf sechs Beinen

Zweimal pro Jahr rücken junge Frauen und Männer in die Rekrutenschule (RS) des Kompetenzzentrums Veterinärdienst und Armeetiere in die Kaserne Sand-Schönbühl BE ein. Der Alltag für die zwei- wie auch für die vierbeinigen Auszubildenden im Train-, Veterinär- und Hundeführerzug ist abwechslungs- und lehrreich. Ein Einblick in die letztjährige Sommer-RS.

25.06.2020 | Kommunikation VBS, Tanja Rutti

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Die Freiberger warten mit einer Trainsoldatin geduldig auf den nächsten Einsatz. Foto: VBS/DDPS Tanja Rutti

«Die meisten Rekruten verlassen die Rekrutenschule mit einem Gewehr, bei uns verlassen sie sie mit dem besten Freund.»

«Die meisten Rekruten verlassen die Rekrutenschule mit einem Gewehr, bei uns verlassen sie sie mit dem besten Freund.» Der 26-jährige Waadtländer Leutnant und Zugführer Luca Lezzi fasst die Besonderheit der Hundeführer-RS prägnant zusammen. Unter Lezzis Aufsicht bereiten sich die Rekruten an diesem Vormittag im strömenden Regen auf dem Flugplatz in Wilderswil auf die Prüfung zum Erhalt des Nationalen Hundehalterbrevets vor. Mit verschiedenen Übungen werden alltägliche Situationen simuliert wie Begegnungen mit anderen Hundehaltern, nervösen Joggern oder Passanten in Begleitung mit einem schreienden Kleinkind. Die Rekruten arbeiten konzentriert mit ihren Vierbeinern und man merkt den motivierten jungen Leuten die Liebe zu und den Respekt vor ihrem Tier an. 

Hunde-RS – mit dem Freund fürs Leben im Einsatz

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Letzte Vorbereitungen für die Prüfung fürs Nationale Hundehalterbrevet. Foto: VBS/DDPS Tanja Rutti

 

Die Plätze in der Hundeführer-RS sind begehrt. Pro RS gehen bis zu 200 Bewerbungen ein. 75 Dossiers werden vorselektioniert und letztlich 15 bis 20 Plätze vergeben. Die ausgewählten Rekruten haben zu Beginn der RS die Möglichkeit, ihre Wünsche bezüglich Geschlecht, Rasse und Charakter ihres zukünftigen Kompagnons anzugeben. Derweil bereiten die Fachlehrer des Armeehundewesens der Kaserne Sand die Vierbeiner – meistens Deutsche oder Belgische Schäfer und Labradore – auf ihren baldigen Einsatz als Militärhund vor.

In der 5. RS-Woche werden die Hunde den Rekruten zugeteilt. Das ist jener Moment, den viele als den schönsten Augenblick der ganzen RS beschreiben: Der Rekrut stellt sich vor die zugedeckte Box, in der sein zukünftiger Wegbegleiter wartet. Dann geht die Klappe auf, und der Vierbeiner kann sein neues Herrchen begrüssen. Der Hund wird ab sofort nicht nur der treue Partner des Rekruten in der Armee sein, sondern diesem auch in seinem zivilen Leben nicht mehr von der Seite weichen.

Bei der Einschreibung müssen die Anwärter zwischen der Ausbildung zum Rettungshundeführer oder zum Schutzhundeführer auswählen. Während der RS arbeiten die beiden Gruppen nebst gemeinsamen Trainingseinheiten separat an ihrem spezifischen Ausbildungsprogramm. So übt sich die Sektion Rettungshunde unter anderem in der Trümmersuche und im Abseilen, während die Sektion Schutzhunde zum Beispiel bei Fahrzeugkontrollen und Patrouillen zum Einsatz kommt.

 

Trainzug – Spitzenleistungen in unwegsamen Gebieten

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Verdiente Verschnaufpause auf der Alp Bürgli für den Trainsoldaten und seinen Freiberger. Foto: VBS/DDPS Matthias Rust

«Die Soldaten, die Pferde und die Maultiere des Train-Zuges erbringen hier Spitzenleistungen.»

Eine gute Fahrstunde von Wilderswil entfernt, schlängeln sich endlose Kurven immer weiter durchs Berner Oberländer Kiental hinauf. Es nieselt. Nebelschwaden ziehen vorüber, und plötzlich taucht aus dem Nichts eine Gruppe von Freiberger Pferden auf. Die robusten Tiere kommen unter der Leitung der Tessiner Zugführerin Leutnant Chloé Bernasconi im unwegsamen Gelände zum Einsatz, dort, wo kein Gefährt mehr hingelangt. Einer der Aufträge zugunsten der Gemeinde Reichenbach beinhaltet das Abtransportieren eines Metalldepots. Eine andere schwierige Aufgabe besteht im Transport von schwerem Material hinauf auf die Alp Gamchi. Die 22 Pferde werden von den Trainsoldaten mit Zement für die Erneuerung einer Brücke und 20 Kubikmetern Brennholz, 1400 Kilogramm Heu und 300 Kilo Stroh beladen. Gemeinsam bringen sie die Fracht im Gleichschritt an ihren Zielort. Der Fachinstruktor Train, Adjutant Unteroffizier Matthias Rust, ist mit der Arbeit zufrieden: «Die Soldaten, die Pferde und die Maultiere erbringen hier absolute Spitzenleistungen.» 

Solche Einsätze sind auch mit nicht alltäglichen Übernachtungen verbunden. Auf der Alp Bürgli, Ausgangspunkt für die Transporte auf die Alp Gamchi, dürfen die Rekruten statt in der Kaserne oder im Luftschutzkeller auf dem Heuboden, direkt über ihren vierbeinigen Gefährten, ihr Nachtlager aufschlagen.

Für die Train-RS bewerben sich viele Landwirte. Es sind jedoch auch immer mehr Forstwarte, Schreiner oder Metallbauer dabei. Den Ausschlag für ihre Wahl gibt häufig ihr gemeinsames Hobby – das Pferd.

Veterinärzug – für die Gesundheit der Armeetiere

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Die Veterinäroffiziere bereiten mithilfe ihrer Rekruten eine Operation in der mobilen Tierklinik vor. Foto: VBS/DDPS Tanja Rutti

 

Um das Wohlbefinden der Hunde und Pferde der Armee kümmert sich der Veterinärzug. Zugführerin Dzenifer Stevanovic verdient sich während der Sommer-RS 2019 den Grad des Leutnants ab und kann als Absolventin der Hundeführer-RS neue Erfahrungen in der Pflege und bei der Durchführung von Operationen sammeln.

Veterinäroffiziere betreuen die Absolventen des Veterinärzugs. Sie geben theoretische und praktische Kurse in Erster Hilfe für Tiere und führen die Rekruten in die Wundpflege ein. Diese beinhaltet unter anderem die Behandlung von Druckstellen, Schwellungen und Hautschürfungen bei Pferden und Verletzungen an Krallen und Zähnen bei den Hunden. Weiter begleiten sie die Rekruten zu den Ausseneinsätzen und führen sie in die Tierseuchenbekämpfung ein. Die Veterinärrekruten unterstützen die Tierärzte bei ihrer Arbeit, assistieren zum Beispiel während einer Operation, betreuen das Tier beim Erwachen aus der Narkose, fertigen Verbände an und sterilisieren Instrumente. Während einer Übungswoche in Wilderswil assistieren die Rekruten zudem bei Kastrationen von Rüden aus nahe gelegenen Tierheimen und betreuen diese nach der Operation. Die Eingriffe werden in voll ausgestatteten mobilen Tierkliniken durchgeführt.

Einmalige Erfahrungen wappnen für die Zukunft

In Zukunft stehen den Rekruten zahlreiche Optionen offen, in denen sie auch schwierige Situationen meistern müssen. Diese reichen von Einsätzen am WEF über Rettungseinsätze als Mitglied des Vereins für Such- und Rettungshunde REDOG bis hin zu Aufräumarbeiten nach Naturkatastrophen.

Die Absolventen der «Tier-RS» können so einmalige Erfahrungen und Erlebnisse sammeln, dürfen ihr Wissen in realen Situationen einbringen und leisten nützliche Hilfe. Und: Sie wissen um die Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit und lernen, über sich hinauszuwachsen.

Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere

Das Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere der Schweizer Armee verantwortet Ausbildung und Einsatz von Train-, Hundeführer-, Hufschmied- und Veterinärformationen und ist die zentrale fachliche Anlaufstelle innerhalb der Schweizer Armee. Die Ausbildung der Formationen zielt in erster Linie auf den Einsatz in Ernst- und Katastrophenfällen ab. Der Bereich Armeetiere bildet eine wichtige militärische Struktur für die Schweizer Armee zur Erfüllung von Spezialaufträgen im Bereich Schutz und Prävention. In Zusammenarbeit mit Zivilbehörden wird die Armee auch in der Rettung und der Unterbringung von verwahrlosten Tieren aktiv.

Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere

Hoher Frauenanteil – Frauenförderung

Im Gegensatz zur Armee im Allgemeinen ist der Frauenanteil in der Veterinär- und Armeetierabteilung sehr hoch. In der letzten Sommer Rekrutenschule, der RS 46-2/19, waren der Kompaniekommandant (Oberleutnant Naïma Ouahib) und drei von vier Zugführer Frauen. Zum ersten Mal überhaupt gab es in einen RS-Zug (Veterinärzug) mehr Frauen als Männer (Frauenanteil: 57%). In der Veterinär- und Armeetiereabteilung 13 (WK-Formation Stufe Truppenkörper) sind drei von fünf Kompaniekommandanten Frauen. «Die Erhöhung des Frauenanteils ist sehr aktuell in der Armee. Wir fördern Frauen seit Jahren und können mit Erfolg einen stolzen Frauenanteil vermelden», erklärt Oberst im Generalstab Antonio Spadafora, Kommandant Kompetenzzentrum Veterinärdienst und Armeetiere.