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NASAK: Ein wirksamer Hebel für die Sportförderung

Wer auf höchstem Niveau Sport treiben will, braucht dazu zweckmässige Anlagen. Um den Bau von Sportanlagen von nationaler Bedeutung zu unterstützen und in die richtigen Bahnen zu lenken, gibt es das nationale Sportanlagenkonzept NASAK des BASPO.

20.01.2021 | Kommunikation BASPO, Nick Salzmann

Bob-Anschiebebahn (Übungsanlage für Starts) in Filzbach/GL, auf dem Areal des Sportzentrums Kerenzerberg. Foto: Maximilian Schubiger

 

Kurz vor der Jahrtausendwende bestand in der Schweiz ein akuter Mangel an regelkonformen Fussball-, Eishockey- und Leichtathletik-Stadien. Die Durchführung grosser internationaler Wettbewerbe war gefährdet, die sportliche Isolation drohte. Auch polysportive Grosshallen und Spezialsportanlagen fehlten. Die Politik hatte das Problem erkannt und im Hintergrund die notwendigen Schritte eingeleitet.

«Dreifuss will neue Sportanlagen für 120 Millionen» titelte die SonntagsZeitung am 21. Juli 1996 und brachte das noch vertrauliche Nationale Sportanlagenkonzept an die Öffentlichkeit. Die damalige Sportministerin und Vorsteherin des Eidgenössischen Departements des Innern hatte zwei Jahre zuvor die Eidgenössische Sportschule Magglingen (ESSM) mit der Erarbeitung dieses Konzepts beauftragt. Eine Arbeitsgruppe um und mit Hans-Jörg Birrer übernahm die Aufgabe, den Bedarf an nationalen Sportanlagen zu ermitteln und eine entsprechende Kreditbotschaft vorzubereiten.

Am 22. April 1998 wurde diese Kreditbotschaft zu NASAK 1 im Bundesrat gutgeheissen und 60 Mio. Franken für den Bau neuer Sportanlagen zugesichert. Seitdem wurden in unregelmässigen Abständen vier weitere, unterschiedlich hohe NASAK-Kredite bewilligt, insgesamt über 185 Mio. Franken. Hans-Jörg Birrer blieb bis zu seiner Pension im Frühling 2020 am BASPO für das NASAK verantwortlich, danach hat der Politologe Maximilian Schubiger das Ruder übernommen.

Die Bedeutung der «nationalen Bedeutung»

Beim NASAK geht es um die Förderung von Sportanlagen von nationaler Bedeutung. Welche Eigenschaften muss eine geplante oder bestehende Sportanlage aufweisen, um das Prädikat «von nationaler Bedeutung» zu erhalten? Zentral ist, dass ein oder mehrere nationale Sportverbände nachweisen können, dass sie die Anlage unbedingt benötigen, z. B. für Trainingslager und Zusammenzüge der Nationalkader, Ausbildungs- und Trainingskurse auf nationaler Ebene, nationale Wettbewerbe mit «einmaligem» Charakter und internationale Wettkämpfe. Daneben müssen weitere Kriterien kumulativ erfüllt sein.

Kriterien für die «nationale Bedeutung»

  • Nachgewiesener Bedarf von mind. einem nationalen Sportverband
  • Fehlende Alternativen
  • Zweckmässigkeit
  • Konformität mit nationalen/internationalen Reglementen (z. B. betr. Spielfeldgrössen)
  • Eignung als Wettkampfanlage (Stichwort Zuschauer­infrastruktur)
  • Erschliessung durch öffentliche Verkehrsmittel
  • Berücksichtigung raumplanerischer Vorgaben
  • Erfüllung neuster technischer Standards (z. B. betr. Strom- und Wasserverbrauch)
  • Barrierefreiheit (Eignung für den Behindertensport)

 

Die Etikette «nationale Bedeutung» sichert einer Sportanlage den prestigeträchtigen Eintrag in den NASAK-Katalog, aber noch nicht die finanzielle Unterstützung durch den Bund. Damit ein Anlagenprojekt durch NASAK-Gelder unterstützt werden kann, muss die restliche Finanzierung sichergestellt sein, sowohl der Investition wie auch des langjährigen Betriebs. Die Sportverbände müssen ausserdem vertraglich zusichern, dass sie die verlangten Sportanlagen auch langfristig nutzen.

Ob ein Sportanlagenprojekt dereinst zu Stande kommt, hängt von vielen Faktoren ab und so ist auch dessen Aufnahme in eine NASAK-Kreditbotschaft mit Unsicherheiten behaftet. So kann es z. B. sein, dass für eine Anlage noch eine Umzonung nötig ist, über die das Stimmvolk einer Gemeinde noch abstimmen muss, dass die Beiträge von anderen Geldgebern noch unsicher sind oder ähnliches. «Das ist oft wie ein Blick in die Kristallkugel», meint Maximilian Schubiger. Aus diesem Grund ist vorgesehen, dass der Bundesrat künftig bei Bedarf Verschiebungen zwischen den einzelnen Verpflichtungskrediten oder innerhalb der bezeichneten Sportartengruppen vornehmen kann. So sollen Subventionen an nicht zustande kommende Projekte anderweitig eingesetzt werden und der Sportförderung erhalten bleiben.

5–25 % mit grosser Wirkung

Die NASAK-Finanzhilfen finanzieren jeweils nicht ganze Sportanlagen. Der Anteil der Bundesgelder darf maximal 40 % der Investitionskosten betragen. Bei den bisherigen Projekten lag der Beitragssatz zwischen 5 und 25 %, knapp 10 % durchschnittlich.

«Je kleiner ein Projekt, desto höher ist meist der NASAK-Anteil», meint Maximilian Schubiger. «Da kann man richtig was bewirken!» Als Beispiel erwähnt er begeistert eine elektronische Schiessanlage für den Modernen Fünfkampf. Dank einer sehr kleinen Finanzhilfe konnte so einem kleineren Verband in einer Randsportart zu einem wichtigen Trainingselement verholfen werden.

Die Hebelwirkung der NASAK-Subventionen ist auch gesamthaft gesehen bemerkenswert: Mit den bisher realisierten NASAK-Projekten wurde ein Gesamtinvestitionsvolumen von rund 1.7 Mrd. Franken ausgelöst. 98 Anlagen sind in Betrieb, 8 Projekte sind im Bau oder in Planung. Durch diese beachtliche Verbesserung der Sportinfrastruktur konnte die Leistungsfähigkeit der Athletinnen und Athleten unserer Nationalkader im internationalen Vergleich gestärkt werden, und die Schweiz konnte sich als Austragungsort für internationale Wettkämpfe auf höchstem Niveau positionieren. Obwohl die NASAK­Finanzhilfen auf den Schweizer Leistungssport zielen, schaffen sie auch für den Breitensport bessere Bedingungen, denn die Anlagen stehen auch dem Jugend- und Freizeitsport zur Verfügung.

Einige Beispiele von NASAK-Anlagen

  • Nationales Zentrum Frauenfussball Biel (Inbetriebnahme 2016)
  • BMX-Supercrosspiste beim Centre Mondial du Cyclisme Aigle (Inbetriebnahme 2011)
  • Biathlon-Arena Lenzerheide (Inbetriebnahme 2016)
  • Diverse Skipisten für alle Disziplinen, darunter die Sommerski-Infrastrukturen in Zermatt und Saas-Fee
  • Die Pilatus-Arena in Kriens/LU
  • Das Rudersportzentrum am Rotsee in Luzern
  • Bob-Anschiebebahn in Filzbach GL (Inbetriebnahme 2020)

Jetzt aktuell: NASAK 5

Technik, Gesellschaft und Wirtschaft entwickeln sich ständig weiter und so steigen auch die Anforderungen an die Sportinfrastruktur. Dass ein sportpolitisch derart erfolgreiches Programm fortgeführt werden muss, fand auch der ehemalige Ständerat Claude Hêche (SP, Kanton Jura) und brachte 2016 den Stein für die Zukunft des NASAK mit einem politischen Vorstoss ins Rollen. Im Austausch mit den Sportverbänden hat das BASPO innerhalb der letzten Monate die Kreditbotschaft NASAK 5 erarbeitet. Der Bereich Sportpolitik hat sie unter der Federführung von Maximilian Schubiger im Oktober finalisiert und in den politischen Prozess gegeben.

Der Bundesrat wird die Botschaft voraussichtlich Anfang 2021 behandeln.