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Maschinenbauerin, Musikerin und Überfliegerin

Nichts ist unmöglich für die 30-jährige Lara Egli. Sie ist ETH-Maschinenbauerin und zivile Luftfahrtexpertin der Armee sowie Offizier im Grad eines Majors. Sie repariert Flugzeuge, fliegt selber und spielt auch noch ausgezeichnet Cello. Ihre Devise: Wenn Plan A nicht klappt, gibt es auch Plan B und C.

17.09.2019 | Kommunikation Verteidigung, Ruth van der Zypen

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Major Lara Egli hat aktuell (August 2019) 706 Diensttage und ist im Stab der Luftwaffenausbildungs- und -trainingsbrigade zugeteilt.

Neugierig auf den Militärdienst wurde Lara Egli durch die positiven Berichte ihres Vaters, von dem sie auch den Flugvirus geerbt hat. Sie beschloss, die Selektion zum Militärpiloten zu absolvieren. Wie so viele Kandidaten gelangte sie jedoch nicht in die Endselektion, aber das hinderte sie nicht daran, voll motiviert bei der Führungsunterstützung Luftwaffe die militärische Ausbildung bis und mit Offizier zu absolvieren.

Karrierepläne A, B und C

Auch Eglis zivilen Berufspläne unterlagen mit den Jahren einem Wandel. Nach Plan A wäre sie Profi-Musikerin geworden und nach Plan B hätte sie Astrophysik studiert. Die ersten zwei Pläne setzte sie zwar nicht um, doch hatte sie noch einen Plan C: Sie studierte an der ETH Zürich Maschinenbau. «Hauptsache, man hat Pläne», schlussfolgert Egli mit einem Augenzwinkern. Die Musik kam dennoch zum Zug: Während des Studiums finanzierte sie sich mit musikalischen Engagements als Cellistin zum Teil die Segelflugstunden. Zusätzlich arbeitete sie als Hilfsflugzeugmechanikerin am Flugplatz in Grenchen. Auf die häufig gestellte Frage, wie Maschinenöl und Cellosaiten sich vertragen, antwortet sie praktisch: «Es gibt ja Seife.»

Fachkompetenz und Verantwortung in der Armee

Major Egli erlebt ihre militärische Kaderlaufbahn als anspruchsvoll aber bereichernd. «Im WK gab es Soldaten, die zehn Jahre älter waren als ich. Da war mir als junges Kader anfangs mulmig zumute. Schnell habe ich gelernt, dass man über Fachkompetenz und auf Augenhöhe führen soll. Ich verlange von meinen Unterstellten nur, was ich selber gewillt bin zu leisten», so Major Egli. Dass man bereits mit 20 Jahren die Führung und somit Verantwortung über 35 Menschen hat, sieht Egli als eine Herausforderung und vor allem als Lebensschule. Wichtig war dabei auf jeden Fall die Unterstützung durch die Berufsmilitärs und Vorgesetzten, die sie erfuhr. Als Einheitskommandant ist sie jeweils offen für Einwände und Vorschläge ihrer Kader: «Mein Kader soll ebenfalls mitdenken und mir sagen, wenn etwas anders oder besser sein könnte, als ich das gedacht habe.»

Auch zivile Mitarbeiterin der Armee

Lara Egli arbeitet auch zivil für die Armee, ihre Stellenbezeichnung heisst Kernprozessmanagerin Systeme Luftwaffe sowie Stellvertreterin des Bereichsleiters. Sie liefert Grundlagen zu Anforderungen von militärischen Luftfahrtsystemen, erstellt Berichte, wie etwa zur Verfügbarkeit der F/A-18 Kampfjets, andere Male liefert sie Informationen für die Departementschefin Bundesrätin Viola Amherd.

Privat und beruflich ein Plus

Neben der früh erlernten Durchhaltefähigkeit erkannte sie bereits während ihres Studiums einen Mehrwert in der militärischen Ausbildung. So etwa bei der besseren Zeiteinteilung vor Prüfungen. Major Egli ist überzeugt, dass sie dank ihres Militärdienstes schneller gelernt hat, vernetzt und strukturiert zu denken. Die Milizkarriere kann ihrer Meinung nach für die zivile Karriere punkto Erfahrung und Wissensvorsprung ein Vorteil sein. «Man investiert viel und muss manchmal durchbeissen. Auch in der Männerdomäne kann man aber als Frau sich selber sein – und wird belohnt mit mehr Selbstvertrauen, Selbstkompetenz und Führungserfahrung.»

Fit sein und durchhalten

Ihre Tipps für den Militärdienst sind einfach und einleuchtend: «Besonders Frauen sollten sich sportlich gut vorbereiten auf die RS. Alles geht einfacher, wenn man nicht dauernd physisch am Limit ist.» Major Egli hat es selber vorgemacht. Heute hat sie eine Doppelrolle, einerseits als Chef Nachrichtenbeschaffung im Stab einer Brigade, andererseits wurde sie angefragt, interimistisch das Kommando einer Kompanie zu übernehmen. «Kader sein heisst nicht einfach Macht. Es heisst, Verantwortung zu übernehmen.» Begeistert ist Egli auch von den Ausbildungen, welche sie im Militärdienst absolvieren kann: «Ich erhalte gute Ausbildungen und werde dafür quasi auch noch bezahlt.» Ihr eigenes Motto ist gut in jeden zivilen und militärischen Kontext übertragbar: «Wenn es mal hart ist: einfach durchhalten, nicht aufgeben! Man wächst daran.»

 

 

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