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Bauen für die Zukunft

Die Bundesverwaltung braucht im virtuellen Raum mehr Platz und Sicherheit und baut dafür neue Rechenzentren. Im Winter 2020 wird, gut zwei Jahre nach der Grundsteinlegung, das Rechenzentrum in Frauenfeld in Betrieb genommen. Armee und Verwaltung nutzen das Zentrum gemeinsam.

28.07.2020 | Kommunikation FUB, Anna Muser

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Die Führungsunterstützungsbasis der Armee (FUB) trägt die Verantwortung für einen reibungslosen Betrieb rund um die Uhr. (Fotos: VBS, Justus Bernold und Anna Muser)

Das Rechenzentrum (RZ) CAMPUS ist im Kern ein Bauwerk, in dem Computer installiert und betrieben werden. Auf die Leistungen und Programme kann von ausserhalb zugegriffen werden, was die digitale Arbeit der Bundesverwaltung verbessert. Diese Computer sind hochverfügbar. Die Programme und Leistungen, die darauf laufen, stehen praktisch ohne Unterbruch zur Verfügung. Dafür besitzt das Rechenzentrum gleich mehrere Notstromaggregate, autonome Kühlsysteme und redundante Anbindungen ans Netz. Diese Verfügbarkeit entspricht dem höchsten Niveau an Ausfallsicherheit, die in der Schweizer RZ-Landschaft existiert. Welchen Output die Computer im Rechenzentrum CAMPUS haben, wäre eine interessante Information für mögliche Angriffe im Cyberraum. Darum ist die Information vertraulich.

Sicher, zusätzlich klimaschonend

CAMPUS steht gut sichtbar neben der Kaserne Auenfeld auf dem Waffenplatz Frauenfeld. Die Nähe zur Kaserne, die vor allem der Lehrverband Führungsunterstützung (Ristl S 61) nutzt, war ein wichtiger Faktor bei der Standortwahl. Die Abwärme, die bei der Kühlung der Server anfällt, wird in ein Fernwärmenetz eingespeist. Das RZ heizt also unter anderem auch die Kaserne. Die sinnvolle Nutzung der Abwärme ist aber nur ein Faktor bei der Standortwahl. Für den Bau einer solch kritischen Infrastruktur existiert ein ganzer Katalog an Bedingungen. So muss genügend elektrische Energie zur Verfügung stehen, und es darf weder ein Kernkraftwerk noch eine Staumauer in der Nähe liegen. Auch die Distanz zu den anderen Rechenzentren ist ein Faktor: Je weiter diese voneinander entfernt sind, umso kleiner ist die Gefahr, dass bei einem Erdbeben mehrere Rechenzentren Schaden nehmen. «Mit der Nutzung der Leistung vom Rechenzentrum in Frauenfeld durchbrechen wir Grenzen für die Datensicherheit der Zukunft», sagt Pierre Wirth, Auftraggeber für das Migrationsprojekt des Informatik Service Centers des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements (EJPD).

Synergieeffekte unter einem Dach

Wäre das RZ CAMPUS ein Wohnbau, dann wäre es eine Wohngemeinschaft mit sehr unterschiedlichen Bewohnern. Das EJPD und das Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) mieten Platz, um ihre Server unterzubringen. Die zivilen Stellen werden zu Beginn die Hälfte der Kapazität beanspruchen – und zahlen auch einen entsprechenden Kostenanteil. Gespräche mit weiteren Mietinteressenten wie Kantonen oder anderen Bundesstellen sind am Laufen. Die Führungsunterstützungsbasis (FUB) der Armee betreibt das Rechenzentrum. Das ist in dieser «WG» die Bewohnerin mit den höchsten Ansprüchen an die Sicherheit. Deshalb hat die FUB im Bereich Sicherheit das Sagen. Justus Bernold ist Programmleiter von FITANIA, wovon CAMPUS ein Element ist. In der Zusammenarbeit zwischen zivilen und militärischen Stellen sieht er eine Chance, die Datensicherheit in der Schweiz zu erhöhen. «So können wir vermeiden, dass die zivilen Stellen in sensitiven Bereichen mit externen, privaten Cloud-Lösungen arbeiten. Beim RZ-Verbund Bund haben wir die Sicherheit in der eigenen Hand.»

Heute für morgen gebaut

Das RZ in Frauenfeld besteht aus zwei verschiedenen Elementen: dem Kopfbau und den Modulbauten. Im Kopfbau sind alle administrativen Einheiten untergebracht wie die Zutrittskontrolle zu den als «Schutzzone» klassifizierten Räumen, die Schleusen für die Anlieferung von neuen Geräten, die Arbeitsplätze und Aufenthaltsräume des Betriebsteams der FUB sowie Testräume.

Daran angeschlossen ist der Modulbau. In den Modulen sind die Räume für die Server untergebracht, die je nach Bedürfnis der Nutzer anders ausgestattet sind. In diesen Räumen entsteht die eigentliche Leistung des RZ: sichere Rechenleistung und Speicherung von Informationen. Aktuell steht einer von vier möglichen Modulbauten. Sollte die Nachfrage nach Platz steigen, ist der Ausbau möglich. Die Leitungskanäle dafür sind bereits gelegt. «Beim Bau sind wir agil vorgegangen», meint Daniel Kurth, Betriebsprojektleiter CAMPUS und RZ-Spezialist, schmunzelnd. Um die Bauzeit zu optimieren, wurde in den oberen Geschossen noch betoniert, während in den unteren die Technikerinnen und Techniker bereits den Endausbau umgesetzt haben. Der Gebäudebetrieb, die Gebäudesicherung und auch der IT-Betrieb gehen in solch komplexen Infrastrukturen wie einem Rechenzentrum ineinander über und können damit nicht klar abgegrenzt werden. Die Logistikbasis der Armee (LBA) ist verantwortlich für den Gebäudebetrieb. «Die bisherige Arbeit war spannend und intensiv. Auch künftig werden die Logistikbasis der Armee und die FUB im CAMPUS Schulter an Schulter zusammenarbeiten», sagt René Altmann, Chef Betreiber Immobilien V und Mitglied im Projektausschuss RZ VBS. Das vom Chef FUB und dem Chef LBA bewilligte integrale Betriebsmodell sei ein Grundstein für die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Für den Betrieb der IT-Systeme in den neuen Rechenzentren des VBS wird noch Personal gesucht. Interessierte können sich hier melden.

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