Neubeurteilung zum ehemaligen Munitionslager Mitholz

Ehemaliges Munitionslager Mitholz

Übersicht

Ein Bericht einer Expertengruppe kommt zum Schluss, dass im ehemaligen Munitionslager Mitholz ein höheres Risiko infolge einer Explosion von Munitionsrückständen besteht als bisher angenommen. Gemäss diesem Bericht sollen baldmöglichst Massnahmen zur Reduktion der Risiken für die lokale Bevölkerung auf ein akzeptierbares Mass untersucht und getroffen werden. Bundesrat Guy Parmelin sowie die Autoren des Berichts haben die Bevölkerung und die betroffenen Behörden in Mitholz Ende Juni 2018 an einer Informationsveranstaltung orientiert. Zudem wurden damals neben einem Zwischenbericht der Expertengruppe diverse historische Dokumente publik gemacht.

Neue Risikobeurteilung führt zu anderen Schlüssen als früher

Im 2. Weltkrieg war in Mitholz (Gemeinde Kandergrund BE) ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut worden. 1947 kam es darin zu Explosionen, wobei 9 Menschen in der Umgebung der Anlage starben. Explodiert war ein Teil der eingelagerten rund 7000 Bruttotonnen Munition. Ein weiterer Teil konnte daraufhin geräumt werden. Aufgrund einer Schätzung befinden sich in den eingestürzten Anlageteilen und im Schuttkegel davor noch bis zu rund 3500 Bruttotonnen Munition mit mehreren hundert Tonnen Sprengstoff. Frühere Beurteilungen in den Jahren 1949 und 1986 kamen jeweils zum Schluss, dass zwar weitere Explosionen nicht ganz ausgeschlossen werden könnten, jedoch nur mit lokalen, auf die Anlage beschränkten Schäden zu rechnen sei und dass die Anlage weiter genutzt werden könne. Eine vollständige Räumung der Munitionsrückstände wurde 1948 vor allem aus geologischen Gründen als zu risikoreich erachtet.

Im Zuge von Planungen für ein neues Rechenzentrum in der Anlage hat das VBS Ende 2017 eine neue Risikobeurteilung in Auftrag gegeben. Die Untersuchung führte ein Team von externen Experten durch, unterstützt von verschiedenen Experten des VBS. Laut diesen Experten könnten äussere Einwirkungen wie ein Felssturz, ein Einsturz weiterer Anlageteile oder auch eine Selbstzündung der verschütteten Munitionsrückstände eine Explosion verursachen, die nicht nur Schäden in der Anlage selber, sondern auch in der nahen Umgebung zur Folge hätten. Dies führt zu einem grösseren Risiko als bisher angenommen. Die Experten kommen dabei zum Schluss, dass dadurch die Grenzwerte der heute geltenden Regelungen im Umgang mit Risiken nicht eingehalten werden.

Bundesrat setzt Arbeitsgruppe ein

Laut den Experten sollen unter anderem baldmöglichst Massnahmen zur Reduktion der Risiken für die lokale Bevölkerung auf ein akzeptierbares Mass untersucht und getroffen werden. Deshalb hat der Bundesrat, nachdem ihm die Ergebnisse der Risikoanalyse vorlagen, das VBS beauftragt, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Diese führt ihre Arbeiten unter der Leitung von Brigitte Rindlisbacher, frühere Generalsekretärin des VBS. Der Arbeitsgruppe gehören Vertreter des Bundes, des Kantons Bern, der Gemeinden Kandergrund und Kandersteg sowie der BLS an. Zu ihren Aufgaben gehört insbesondere, weitergehende Untersuchungen wie etwa ein geologisches Gutachten vorzunehmen, konkrete Massnahmen zur Senkung des Risikos für die Umgebung zu prüfen oder rechtliche Folgen zu klären.

Schliessung der Truppenunterkunft

Weitere Empfehlungen der Experten betreffen ausschliesslich das VBS. Dazu gehört, die Truppenunterkunft und ein Lager der Armeeapotheke, die beide in der Anlage in unmittelbarer Nähe zu den Munitionsrückständen liegen, zu schliessen. Auf Anweisung von Bundesrat Guy Parmelin wurden diese Empfehlungen bereits weitestgehend umgesetzt. Die Truppenunterkunft ist bereits geschlossen, das Material aus dem Lager der Armeeapotheke ist bis auf kleine Restposten ausgelagert. Auf ein neues Bauvorhaben in Mitholz wird ebenfalls verzichtet.

Das VBS wurde beauftragt, den Bundesrat aufgrund der neuen Risikobeurteilung zum ehemaligen Munitionslager Mitholz fortlaufend über das weitere Vorgehen zu informieren. Ebenso informiert das VBS die betroffene Bevölkerung und die betroffenen Behörden fortlaufend.

FAQ

Bevölkerung

Rund 100 bis 150 Anwohnerinnen und Anwohner und rund 30 Liegenschaften.

Laut dem Bericht der Expertengruppe sollen baldmöglichst Massnahmen zur Reduktion der Risiken für die lokale Bevölkerung auf ein akzeptierbares Mass untersucht und getroffen werden. Eine mindestens vorübergehende Evakuierung kann insbesondere dann notwendig werden, wenn in der Anlage Arbeiten wie etwa grössere Räumungen stattfinden würden.

An den Wohnhäusern selbst ist dies kaum möglich. Massnahmen müssten im ehemaligen Munitionslager selbst getroffen werden. Solche zu prüfen, gehört zu den Aufgaben der Arbeitsgruppe, die der Bundesrat eingesetzt hat.

Gebäudeschäden, die durch Explosion entstehen, sind im Kanton Bern seit 1971 durch die obligatorische Gebäudeversicherung gedeckt.

Der Gebäudeversicherungswert, der als Basis für die gesetzliche Grunddeckung der GVB dient, ändert sich durch die neue Risikobeurteilung nicht. Was die amtliche Werte und die Verkehrswerte der betroffenen Gebäude betrifft, ist noch zu klären.

Die Experten kommen zum Schluss, dass bei einem Ereignis innerhalb der Anlage wegen der Druckentwicklung und der Bildung von giftigen Gasen von einem sehr hohen Todesfallrisiko auszugehen ist. Deshalb haben sie die Schliessung der Truppenunterkunft und die Räumung des Lagers der Armeeapotheke empfohlen. Ausserhalb der Anlage besteht die Gefährdung im erwarteten Trümmerwurf, der ein bedeutend kleineres Todesfallrisiko darstellt. Deshalb haben die Experten empfohlen, baldmöglichst Massnahmen zur Reduktion der Risiken auf ein akzeptierbares Mass zu untersuchen und zu treffen.

Die vorliegende Risikoanalyse hat keine planerischen und baurechtlichen Folgen (kein Gefahrenperimeter, keine Bauverbote, keine baulichen Einschränkungen). Dies wäre die Voraussetzung, um eine ausserordentliche Neubewertung von Liegenschaften gemäss dem kantonalen Steuergesetz durchzuführen.

Der Bund als Verursacher und Inhaber des ehemaligen Munitionslagers wird in begründeten Fällen die effektive Differenz bei einem Verkauf oder einem Mietzinsausfall übernehmen, sofern diese im direkten Zusammenhang mit der aktuellen Situation entstanden ist. Die aktuelle Situation bzw. ein allfälliger temporärer Minderwert der Liegenschaft löst allein noch keine Entschädigungspflicht aus.

Bahn/Strasse

Laut dem Bericht der Expertengruppe sollen baldmöglichst Massnahmen zur Reduktion der Risiken auf ein akzeptierbares Mass untersucht und getroffen werden. Eine mindestens temporäre Schliessung kann insbesondere dann notwendig werden, wenn in der Anlage Arbeiten wie etwa grössere Räumungen stattfinden würden.

Risikobeurteilung Expertengruppe – Einordnung und Auswirkungen

Gemäss dem bereinigten Expertenbericht vom 9. Februar 1948/14. Juli 1949 entschied die damalige Expertenkommission, dass eine erneute Munitionslagerung in den ehemaligen Munitionskammern in Mitholz nicht in Frage kommt. Als verbleibende Gefahrenquellen wurden nur mögliche Ereignisse infolge der Restmunition im Bahnstollen betrachtet oder erwartet, die maximal zu kleinen, auf die Anlage beschränkten, Lokalschäden führen könnten. Die Expertenkommission entschied daher, dass die Anlage Mitholz als Materiallager, als Werkstätten oder als unterirdisches Spital weiterverwendet werden kann.

Im Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die Armeeapotheke erfolgte 1986 mindestens eine qualitative Beurteilung durch die damalige Gruppe für Rüstungsdienste (GRD). Die GRD hielt fest, dass durch die Munitionsrückstände keine Gefährdung für die Armeeapotheke in Mitholz bestand. Worauf diese Stellungnahme der GRD vom 14. Februar 1986 basiert, ist jedoch unklar. Die heutige Expertengruppe hat ausser dieser Aussage keine weiteren Dokumente oder Berechnungen dazu gefunden.

Bis 2017 wurde daher davon ausgegangen, dass die Gefährdung für die bestehenden Anlageteile und insbesondere die Risiken für die Umgebung klein sind. Im Zusammenhang mit den Überlegungen zum Bau eines Rechenzentrums 2017 wurde aber die Frage aufgeworfen, wie dies mit dem heutigen Stand des Wissens bewertet würde und eine Risikobeurteilung unter Beizug externer Experten durchgeführt. Diese Risikobeurteilung basiert auf Begehungen und einer historischen Untersuchung (d.h. der Auswertung der zahlreichen Dokumente zur Belegung vor dem Ereignis, dem Ereignis selbst sowie den Räumprotokollen). Ein Zwischenbericht der Risikobeurteilung liegt seit dem 27. April 2018 vor, der Schlussbericht seit dem 27. September 2018. Demnach muss das Risiko höher eingeschätzt werden als bisher angenommen. Die Resultate der Risikoanalyse wurden durch beigezogene unabhängige Experten aus Deutschland plausibilisiert. Dem Bundesrat und der Expertengruppe war es dabei wichtig, rasch möglichst die Behörden und die Bevölkerung vor Ort zu informieren. Dies geschah Ende Juni 2018 erstmals und geschieht seither fortlaufend.

Die ermittelten Risiken liegen deutlich über den zulässigen Grenzwerten gemäss den Weisungen über das Sicherheitskonzept für den Umgang mit Munition und Explosivstoffen (WSUME) und bei der Störfallverordnung im nicht akzeptablen Bereich.

Die Experten haben mit zwei Szenarien gearbeitet:

  • 1 Tonne Sprengstoff mit einer Eintretenswahrscheinlichkeit von einmal alle 300 Jahre: Diese Ereignisgrösse hält die Vorgaben der Störfallverordnung ein, überschreitet aber die Grenzwerte der «Weisungen über das Sicherheitskonzept für den Umgang mit Munition und Explosivstoffen».
  • 10 Tonnen Sprengstoff mit einer Eintretenswahrscheinlichkeit von einmal alle 3000 Jahre; Diese Ereignisgrösse hält weder die Vorgaben der Störfallverordnung noch die Grenzwerte der «Weisungen über das Sicherheitskonzept für den Umgang mit Munition und Explosivstoffen» ein.
     

In Zusammenhang mit den Überlegungen zum Bau eines auch auf Erschütterungen sensiblen Rechenzentrums wurde eine Risikobeurteilung unter Beizug externer Experten veranlasst und durchgeführt. Diese basiert auf Begehungen und einer historischen Untersuchung. Die Resultate wurden durch beigezogene Experten aus Deutschland plausibilisiert. Seit dem 27. April 2018 liegt eine Risikoanalyse (Zwischenbericht) und seit dem 27. September 2018 der Schlussbericht vor.

Im Jahr 1986. Damals erfolgte bei Bauarbeiten für die Armeeapotheke mindestens eine qualitative Beurteilung durch einen Physiker der damaligen Gruppe Rüstung. Diese hielt fest, dass durch die Altlasten keine Gefährdung für die neue Anlage entstehe. Worauf diese Stellungnahme basiert ist jedoch unklar. Der Physiker und seine Vorgesetzten, die vermutlich die Situation ebenfalls kannten, sind in der Zwischenzeit verstorben.

Mittlerweile haben sich die Möglichkeiten und Methoden für solche Beurteilungen deutlich verbessert. Hinzu kommt, dass sich die gesetzlichen Bestimmungen im Umgang mit Risiken verschärft haben. Das heisst, dass die Situation vor Ort heute anders beurteilt wird als früher.

Besonders in den Jahren nach dem Zeiten Weltkrieg kam es zu Unglücken in mehreren Munitionslagern. An den meisten Orten wurden die Munitionsrückstände geräumt. Hier eine Übersicht über die heute bekannten Altlasten:

Anlage  Unglücksjahr  Anlagetyp  Altlasten
Ebikon am Rotsee 1916  Oberirdisches Munitionsmagazin und Versuchsstelle für Handgranaten (Lager für 15'000 Handgranaten) Restliche Handgranaten wurden in den Rotsee entsorgt. 1979 wurden 765 geborgen. Im Jahr 2000 wurden weitere 350 Handgranaten geborgen.
Uttigen  1943  Oberirdisches Munitionsmagazin Munitions-einzelstücke, keine grossen Mengen.
Ruis  1946  Unterirdische Felsanlage Nein.
Dailly  1946  Artilleriewerk Dailly Nein.
Mitholz  1947  Unterirdische Felsanlage mit Bahnverladekaverne  Grosse Munitionsmengen
Göschenen  1948  Unterirdische Felsanlage Nein.
Saignelégier  1987  Oberirdisches Munitionslager Munitions-einzelstücke, keine grossen Mengen.
Susten Stein-gletscher  1992  Unterirdische Felsanlage Keine Mengen, welche zu grossen Ereignissen führen könnten und eine relevante Gefährdung für die Umgebung erzeugen würden.

Mehr dazu im Dossier «Boden und Altlasten»

Nein, eine selbstständige Detonation kann praktisch ausgeschlossen werden. Das haben Abklärungen im Jahr 2012 ergeben (Medienmitteilung vom 3.2.2012) Die Munition wurde teilweise von fahrenden Schiffen ohne Munitionsverpackungen in den Schweizer Seen versenkt. Dadurch bildete sich keine grosse Konzentration an Munition wie beispielsweise in Mitholz. Des Weiteren ist die Munition unter einer Schicht Schlick und somit von äusseren Einflüssen wie Luftsauerstoff abgeschlossen.

Mehr dazu im Dossier «Munitionen in Schweizer Seen»

Nein. Die heutige Lagerung der Munition unterscheidet sich komplett von der damaligen Lagerung. Die Munition unterliegt heute einem strengen Munitionsüberwachungsprozess, welcher durch den Bereich Wissenschaft und Technologie von armasuisse durchgeführt wird. Ferner entsprechen die heutigen Munitionslager dem Stand der Technik und verfügen über eine standortbezogene Sicherheitsbeurteilung.

Heutige Munitionslager sind dadurch gekennzeichnet, dass

  • die Zünder getrennt von der Wirkmunition gelagert werden;
  • die Zünder über mehr als ein Sicherheitssystem verfügen;
  • kontrollierte Lagerbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit) herrschen, welche überwacht werden;
  • sie mit Munition belegt sind, die dem Stand der Technik entspricht;
  • auch die Munitionslagerbauten dem Stand der Technik entsprechen und über eine Risikoanalyse verfügen.

Gewisse Informationen über militärische Anlagen wie beispielsweise Munitionslager sind schutzwürdig und werden aus Sicherheitsüberlegungen der Öffentlichkeit nicht offenbart. Diese Informationen betreffen insbesondere die Standorte solcher Anlagen. Zivile und militärische Blaulichtorganisationen werden mittels den VERTRAULICH klassifizierten Störfalldispositiven informiert.

Teilweise, es wird aber auf jeden Fall mit einer Risikoanalyse nachgewiesen, dass die Sicherheitskriterien gemäss Weisungen über das Sicherheitskonzept für den Umgang mit Munition und Explosivstoffen (WSUME) und Störfallverordnung eingehalten werden. Ungünstig gelegene Lager werden wenn möglich geschlossen oder die Belegung wurde stark reduziert.

Die Sicherheitskriterien gemäss Weisungen über das Sicherheitskonzept für den Umgang mit Munition und Explosivstoffen (WSUME) und Störfallverordnung werden eingehalten. Die technischen Grundlagen dafür wie auch die Sicherheitskriterien in den WSUME werden periodisch durch Experten (intern und extern) überprüft und permanent weiterentwickelt. Sie entsprechen dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik und sind international validiert.

Im Zuge der Erarbeitung der Risikoanalyse wurden zwei deutsche Experten für ein Korreferat (Zweitmeinung) zum Vorgehenskonzept beigezogen. Diese bestätigten, dass das Vorgehenskonzept zielorientiert sei und dem Stand der Technik entspreche. Sie betrachten die der Risikoanalyse zugrundeliegenden Szenarien als begründet und die bisherigen Schlussfolgerungen als nachvollziehbar. Sie betrachten diese aber als vorläufig. Für eine abschliessende, belastbare Ereignisanalyse bedarf es auch aus ihrer Sicht weiterer technischer und geologischer Abklärungen. Dies hält auch der Schlussbericht vom 27. September 2018 fest.

Nein. Die Situation der Munitionsrückstände unter dem Schuttkegel ist weniger kritisch als im ehemaligen Bahnstollen. Es werden unter dem Schuttkegel keine grösseren Anhäufungen vermutet.

Experten-Empfehlungen

Laut den Experten besteht keine Notwendigkeit, um für die lokale Bevölkerung Sofortmassnahmen zu ergreifen. Es wird aber empfohlen, Massnahmen zur Risikosenkung zu erarbeiten. Der Bundesrat hat deshalb das VBS beauftragt, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Dabei wird das Bundesamt für Umwelt (BAFU) einbezogen. Weitere Empfehlungen des Zwischenberichts betreffen ausschliesslich das VBS. Diese wurden auf Anweisung des Chefs VBS, Bundesrat Guy Parmelin, bereits umgesetzt oder deren Umsetzung ist im Gang. Dazu gehört, die Truppenunterkunft und ein Lager der Armeeapotheke, die beide in unmittelbarer Nähe zu den Munitionsrückständen liegen, zu schliessen. Auf ein neues Bauvorhaben (Rechenzentrum) in Mitholz wird ebenfalls verzichtet.

Arbeitsgruppe

Zu den Aufgaben der Arbeitsgruppe gehört insbesondere, weitergehende Untersuchungen wie etwa ein geologisches Gutachten vorzunehmen, konkrete Massnahmen zur Senkung des Risikos für die Umgebung zu prüfen oder rechtliche Folgen zu klären.

Am 15. August 2018 ist die Arbeitsgruppeerstmals zusammengekommen und hat die Arbeiten aufgenommen. Brigitte Rindlisbacher, die frühere Generalsekretärin und Leiterin der Abteilung Raum und Umwelt des VBS, übernimmt die Leitung der Arbeitsgruppe. Ihr gehören Vertreter aller betroffenen Departemente des Bundes, weiterer Behörden sowie weiterer betroffenen Stellen an.

Das kann noch nicht beantwortet werden, da viele Fragen offen sind. Es wird aber fortlaufend informiert.

Ehemaliges Munitionslager Mitholz

Die Anlage Mitholz wurde während des 2. Weltkrieg als Munitionsanlage «in der Fluh» gebaut.

Die Anlage wurde nicht mehr als Munitionsanlage genutzt. Sie wurde seither und bis heute als Lager der Armeeapotheke und Truppenunterkunft genutzt

Seit dem Ereignis 1947 lagert neben den Munitionsrückständen keine Munition mehr im Lager Mitholz. Die Munitionsrückstände bestehen neben Munition kleineren Kalibers vor allem aus Artilleriegranaten verschiedenen Kalibers und Bomben bis zu 50 Kilogramm.

Nein, die Anlage Mitholz ist am 25. Juni 2018 vom Chef der Armee aus dem Verzeichnis der militärischen Anlagen gestrichen worden und unterliegt nicht mehr diesen Schutzvorschriften.

Agenda

Agenda

Stand Oktober2018
Schritt  Datum 
Information der Bevölkerung 8. Oktober 2018
2. Sitzung der Arbeitsgruppe 3. Oktober 2018
Publikation Expertenbericht zur Risikoanalyse (Schlussbericht der Experten) 27. September 2018
1. Sitzung der Arbeitsgruppe 15. August 2018
Schliessung Truppenunterkunft und Lager Armeeapotheke Umgesetzt oder im Gang
Information Bevölkerung
28. Juni 2018
Bundesrat setzt Arbeitsgruppe ein 27. Juni 2018
Publikation Risikoanalyse (Zwischenbericht der Experten) 27. April 2018
Auftrag zu neuer Risikobeurteilung ehemaliges Munitionslager Mitholz Ende 2017

Medienmitteilungen

Parlament

Titel Typ Eingereicht von
Pulverfass Mitholz. Definitive Räumung des ehemaligen Munitionslagers Motion Grossen Jürg (Grünliberale Fraktion)
Munitionslager Mitholz. Wer trägt die Verantwortung? Interpellation Grossen Jürg (Grünliberale Fraktion)
Munitionslager Mitholz. Schutz der Bevölkerung, und wer trägt den Schaden? Interpellation Grossen Jürg (Grünliberale Fraktion)

Dokumente

Im Dezember 1947 explodieren im Munitionslager der Schweizer Armee in Mitholz grosse Teile der eingelagerten Munition. 9 Menschen verlieren ihr Leben, es gibt Dutzende von Verletzten zu beklagen, über 40 Häuser werden beschädigt, in der Folgezeit müssen 20 Liegenschaften neu aufgebaut werden. Gesamtschaden: rund 100 Millionen Franken – eine damals horrende Summe. Die Fragen nach der Unglücksursache konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden.

Im Anschluss an die Explosion wurden zwei Kommissionen mit der Aufarbeitung der Katastrophe beauftragt: Kommission I hat sich mit der technischen, Kommission II mit der administrativen Untersuchung befasst. Ihre Erkenntnisse haben die Kommissionen in Berichten dargelegt.

Es war 1940, als die Direktion der Eidgenössischen Bauten ein Projekt für ein unterirdisches Munitionslager im Kandertal in Auftrag gab. Während des 2. Weltkriegs entstanden so am Standort «Fluh» in Mitholz sechs unterirdische Munitionskammern von je 150 m Länge und 8,5 m Breite. Das Munitionslager war geheim – einer der Gründe, weshalb nach dem Unglück von 1947 nur spärlich Informationen zum Unfallstandort an die Öffentlichkeit gelangen.

Im Laufe der Zeit wurden in Mitholz verschiedene Ausbauprojekte realisiert und die Anlage als Armeeapotheke und Truppenunterkunft genutzt. Andere Vorhaben wie ein Militärspital oder eine Abfüllanlage für medizinische Flüssigkeiten kamen nicht über die Planungsphase hinaus.

Am 8. Oktober 2018 veröffentlichte das VBS die vollständige Risikoanalyse zum ehemaligen Munitionslager Mitholz. Gemäss diesem Expertenbericht besteht ein höheres Risiko bei einer weiteren Explosion von Munitionsrückständen als bisher angenommen. Die Analyse entspricht einer sogenannten Historischen Untersuchung (Studium der vorhandenen Akten und Begehungen vor Ort), die nun durch Technische Untersuchungen (Analysen der Munition, der Geologie, etc.) verifiziert wird. Die Risikoanalyse wird vom Bundesamt für Umwelt überprüft.

Bereits kurz nach dem Unglück 1947 verfassten Spezialisten aus Wissenschaft und Verwaltung ausführliche Berichte, in denen das Risiko hingegen noch anders eingeschätzt wurde.

Das Explosionsunglück von Mitholz 1947 hat schon damals grosses Interesse in der Öffentlichkeit und den Printmedien geweckt.

2017, anlässlich des 70. Jahrestages, thematisierten die Medien die Explosionskatastrophe erneut. Ein Buchprojekt und ein Dokumentarfilm zu Mitholz sind in Planung, und der Berner Heimatschutz, Regionalgruppe Thun Kandertal Simmental Saanen hat eine Vortragsreihe durchgeführt, die weitum auf grosses Interesse gestossen ist.

Am 27. Juni 2018 hat der Bundesrat das VBS beauftragt, eine Arbeitsgruppe zu bilden.Einsitz in dieser haben diverse Stellen genommen: die betroffenen Bundesstellen sind genauso vertreten wie Akteure des Kantons Bern, die betroffenen Gemeinden Kandergrund und Kandersteg sowie die BLS Netz AG als Betreiberin der nahegelegenen Bahnstrecke.

Die Arbeitsgruppe steuert die erforderlichen Arbeiten und koordiniert die Aktivitäten der involvierten Partner, damit möglichst rasch und umfassend Klarheit über das weitere Vorgehen geschaffen werden kann.

Die Bevölkerung in Mitholz ist direkt von den aktuellen Arbeiten in Zusammenhang mit der neuen Risikobeurteilung betroffen. Bereits bei Vorliegen eines Zwischenberichts zur Risikoanalyse der Expertengruppe hat der Bundesrat die Brisanz erkannt und beschlossen, dass die Bevölkerung informiert werden muss. An einer ersten Informationsveranstaltung im Juni 2018 hat Bundesrat Guy Parmelin die Bevölkerung in Mitholz und Umgebung darüber in Kenntnis gesetzt, welches Risiko von den noch vorhandenen Rückständen im ehemaligen Munitionslager Mitholz ausgeht. Dazu hat er die bis dahin geheime Anlage entklassifiziert und damit den Informationsfluss nach aussen ermöglicht.

Mit regelmässigen Sprechstunden und Informationsveranstaltungen vor Ort soll auch weiterhin eine transparente und kontinuierliche Kommunikation gewährleistet werden, damit die lokale Bevölkerung Vertrauen in die Arbeiten der Behörden aufbauen kann.

Videos

Medienkonferenz vom 28. Juni 2018

Fotos

Wohin kann sich die Bevölkerung bei Fragen wenden?
Tel.
+41 58 464 50 58


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