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Ehemaliges Munitionslager Mitholz

Ehemaliges Munitionslager Mitholz

Übersicht

Im ehemaligen Munitionslager Mitholz besteht ein höheres Risiko infolge einer Explosion von Munitionsrückständen als bisher angenommen. Zu diesem Schluss kamen 2018 ein vom VBS in Auftrag gegebener Expertenbericht sowie ein vom Bundesamt für Umwelt in Auftrag gegebenes Gutachten. Als Folge beauftragte der Bundesrat im Sommer 2018 das VBS, eine Arbeitsgruppe zu bilden. Dieser gehören Vertreter des Bundes, der Kantone Bern und Wallis, der Gemeinden Kandergrund und Kandersteg sowie der BLS an. Zu ihren Aufgaben gehört insbesondere, weitergehende technische Untersuchungen vorzunehmen, konkrete Massnahmen zur Senkung des Risikos für die Umgebung zu prüfen, die Notfall- und Alarmierungsplanung sowie rechtliche Fragen zu klären.

Zahlreiche Massnahmen, wie die Installation eines Mess- und Alarmierungssystems oder die Durchführung weiterführender technischer Untersuchungen in den Bereichen Geologie und Wasser, wurden umgesetzt. Zudem hat der Kanton Bern eine Notfallplanung erarbeitet.

Räumung als Ziel

Um das Risiko langfristig auf ein akzeptables Mass zu senken, erarbeitete das Projekt «Variantenevaluation Mitholz» ab Dezember 2018 mögliche Lösungsvarianten. Im Zentrum der vertieften Prüfung standen Varianten für eine Räumung der Munitionsrückstände. Nur so können die von den Munitionsrückständen ausgehenden Risiken endgültig beseitigt werden. Da sich die einzelnen Räumungsvarianten kaum voneinander unterschieden, wurde ein Gesamtkonzept zur Räumung der Munitionsrückstände weiterverfolgt. Das Gesamtkonzept sieht vorbereitende bauliche Schutzmassnahmen an den Verkehrsträgern sowie den Wegzug der Bevölkerung vor, um die Risiken zu Beginn der Räumung in den akzeptablen Bereich zu senken. Die Vorbereitung und die eigentliche Räumung werden gemäss heutigem Kenntnisstand mindestens 20 Jahren dauern.  

Als Rückfallposition, wenn eine Räumung aus technischen oder Sicherheitsgründen nicht möglich ist oder abgebrochen werden muss, sieht das Konzept die Option der Überdeckung der Munitionsrückstände vor.

Bundesrat beschliesst Räumung der Munitionsrückstände

Die vom Bundesrat eingesetzte Arbeitsgruppe empfiehlt in ihrem abschliessenden Bericht die Umsetzung des Gesamtkonzepts zur Räumung, nachdem dieses in einer Mitwirkung bei den betroffenen kantonalen und kommunalen Behörden sowie einem grossen Teil der Bewohnerinnen und Bewohner von Mitholz auf Zustimmung gestossen war.

Auch der Bundesrat hat sich für dieses Vorgehen ausgesprochen und damit den Weg bestätigt, den das VBS, die betroffenen Kantone und die Gemeinden bisher verfolgt haben. Das VBS ist nun beauftragt, in Zusammenarbeit mit den betroffenen Stellen des Bundes die Räumung konkret zu projektieren und bis im Herbst 2022 eine Botschaft zu erarbeiten, mit der dem Parlament ein Verpflichtungskredit für die Finanzierung der Massnahmen beantragt werden soll.

Auswirkungen für die Bevölkerung

Die Arbeiten zur Räumung der Munitionsrückstände im ehemaligen Munitionslager haben Auswirkungen für die Bevölkerung und auf die Verkehrsverbindungen zwischen Kandergrund und Kandersteg. Nach heutigem Kenntnisstand müssen die Bewohnerinnen und Bewohner von Mitholz während der Räumung je nach Verlauf über mehr als 10 Jahre wegziehen. Um die Verkehrsverbindungen zu gewährleisten, müssen zudem Schutzmassnahmen realisiert werden. Zum Schutz der Nationalstrasse während der Räumung hat der Bundesrat beschlossen, die Variante «Verlängerung Tunnel Mitholz» weiter zu verfolgen.

Unterstützung der betroffenen Personen und Familien

Die Chefin VBS, Bundesrätin Viola Amherd, hat die Bevölkerung mit einem persönlichen Brief und einer Videobotschaft über den Beschluss des Bundesrates zur Räumung informiert, da wegen der Covid-19-Pandemie keine Informationsveranstaltung durchgeführt werden kann.

Das VBS wird die betroffene Bevölkerung insbesondere bei der Vorbereitung des Wegzugs und bei der Suche nach konkreten Lösungen für die Zukunft begleiten. Es wird Unterstützung anbieten, soweit dies die Betroffenen wünschen und benötigen, und dazu mit den einzelnen Personen und Familien das Gespräch suchen.

Das VBS informiert die betroffene Bevölkerung und die Behörden fortlaufend.

Projektorganisation mit Einbezug der betroffenen Stellen

Für die weiteren Arbeiten und die Projektierung des Gesamtkonzepts Räumung hat der Bundesrat das VBS beauftragt, eine Projektorganisation einzusetzen. Dabei sollen die Direktbetroffenen wie auch die betroffenen Stellen von Gemeinden, Kantonen und Bund sowie weitere Kreise wie Tourismus- und Umweltorganisationen eingebunden werden. Die bisherige Arbeitsgruppe wird per Ende 2020 aufgelöst.

Ehemaliges Munitionslager Mitholz

Im 2. Weltkrieg war in Mitholz (Gemeinde Kandergrund BE) ein unterirdisches militärisches Munitionslager gebaut worden. 1947 kam es darin zu Explosionen, wobei 9 Menschen in der Umgebung der Anlage starben. Explodiert war ein Teil der eingelagerten rund 7000 Bruttotonnen Munition. Ein weiterer Teil konnte daraufhin geräumt werden. Aufgrund einer Schätzung befinden sich in den eingestürzten Anlageteilen und im Schuttkegel davor noch bis zu 3500 Bruttotonnen Munition mit mehreren hundert Tonnen Sprengstoff. Frühere Beurteilungen in den Jahren 1949 und 1986 kamen jeweils zum Schluss, dass zwar weitere Explosionen nicht ganz ausgeschlossen werden könnten, jedoch nur mit lokalen, auf die Anlage beschränkten Schäden zu rechnen sei und dass die Anlage weiter genutzt werden könne. Eine vollständige Räumung der Munitionsrückstände wurde 1948 vor allem aus geologischen Gründen als zu risikoreich erachtet.

FAQ

Bevölkerung

Laut den Experten besteht keine Notwendigkeit, um für die lokale Bevölkerung Sofortmassnahmen zu ergreifen. Aufgrund der Risikosituation müssen die Bewohnerinnen und Bewohner von Mitholz nach heutigem Kenntnisstand während der Räumung je nach Verlauf über mehr als 10 Jahre wegziehen.

Das VBS wird die betroffene Bevölkerung insbesondere bei der Vorbereitung des Wegzugs und bei der Suche nach konkreten Lösungen für die Zukunft begleiten. Es wird Unterstützung anbieten, soweit dies die Betroffenen wünschen und benötigen, und dazu mit den einzelnen Personen und Familien das Gespräch suchen.

An den Wohnhäusern selbst ist dies kaum möglich. Massnahmen werden im ehemaligen Munitionslager selbst bzw. direkt an den Verkehrsträgern getroffen.

Für den Fall eines Ereignisses wurde geklärt, dass das VBS für die durch die Explosion von Munition entstandenen Schäden haftet. Der Perimeter für die Entschädigungen richtet sich heute nach dem Notfallperimeter des Kantons Bern. Gebäudeschäden, die durch Explosion entstehen, sind zudem im Kanton Bern seit 1971 durch die obligatorische Gebäudeversicherung gedeckt.

Trotz der Risikosituation haben sich für die Nutzung der Liegenschaften bisher keine Einschränkungen ergeben. Es ist nach einer ersten rechtlichen Einschätzung nicht davon auszugehen, dass dies im Moment eine Entschädigungspflicht für Wertverminderungen auslöst. Nichtsdestotrotz hat das VBS aufgrund der besonderen Situation beschlossen, den betroffenen Liegenschaftseigentümern eine jährliche Entschädigung auszurichten, bis eine Neubeurteilung der Situation angezeigt ist.

Der Bund als Verursacher und Inhaber des ehemaligen Munitionslagers wird in begründeten Fällen die effektive Differenz bei einem Verkauf oder einem Mietzinsausfall übernehmen, sofern diese im direkten Zusammenhang mit der aktuellen Situation entstanden ist. Die aktuelle Situation bzw. ein allfälliger temporärer Minderwert der Liegenschaft löst allein noch keine Entschädigungspflicht aus.

Der Bundesrat geht davon aus, dass die Herausforderungen mit der geltenden Rechtsordnung und den bestehenden Verfahren zu bewältigen sind. Mit bestehenden Instrumenten wie Bundesbeschlüssen zur Finanzierung oder Vereinbarungen mit den Betroffenen über Entschädigungen und Rückkaufkonditionen kann die nötige Rechtssicherheit auch über eine lange Dauer sichergestellt werden.

Das federführende VBS wird in der weiteren Planung laufend beurteilen, ob Anpassungen an der geltenden Rechtsordnung nötig sind, um eine angemessene Unterstützung der Betroffenen oder die erfolgreiche Räumung der Munitionsrückstände sicherzustellen.

Ob alle heutigen Infrastrukturen nach Abschluss der Räumung wiederhergestellt werden können und dies von der Gemeinde gewünscht wird, wird sich im Verlaufe der weiteren Planungen zeigen. Das Ziel ist, dass nach Abschluss der Arbeiten wieder in Mitholz gelebt und gearbeitet werden kann.

Der Bundesrat hat am 4. Dezember 2020 das VBS mit der Ausarbeitung einer Botschaft bis im Herbst 2022 beauftragt. Damit wird dem Parlament ein Verpflichtungskredit für die Finanzierung der Massnahmen beantragt.

Mit der Botschaft für einen Verpflichtungskredit wird auch die Finanzierung der Kosten zu regeln sein, die heute auf 500 bis 900 Millionen Franken geschätzt werden. In der Phase, bis ein Bundesbeschluss für einen Verpflichtungskredit vorliegen wird, sind finanzielle Mittel insbesondere für Projektierungen, die Umsetzung der Vorausmassnahmen, weitere technische Untersuchungen und den Erwerb erster Liegenschaften nötig. Diese werden aus dem Budget des VBS finanziert.

Die Experten kommen zum Schluss, dass bei einem Ereignis innerhalb der Anlage wegen der Druckentwicklung und der Bildung von giftigen Gasen von einem sehr hohen Todesfallrisiko auszugehen ist. Deshalb haben sie die Schliessung der Truppenunterkunft und die Räumung des Lagers der Armeeapotheke empfohlen. Diese Empfehlungen sind umgesetzt worden. Ausserhalb der Anlage besteht durch die Gefährdung insbesondere wegen des erwarteten Trümmerwurfs ein bedeutend kleineres Todesfallrisiko.

Das VBS sowie die Autoren des Berichts haben die Bevölkerung und die betroffenen Behörden in Mitholz Ende Juni 2018 an einer Informationsveranstaltung orientiert. Zudem wurden damals neben einem Zwischenbericht der Expertengruppe diverse historische Dokumente publik gemacht.

Mit regelmässigen Sprechstunden und Informationsveranstaltungen vor Ort soll auch weiterhin eine transparente und kontinuierliche Kommunikation gewährleistet werden, damit die lokale Bevölkerung Vertrauen in die Arbeiten der Behörden aufbauen kann.
 

Da wegen der Covid-19-Pandemie keine Informationsveranstaltung vor Ort durchgeführt werden konnte, hat die Chefin VBS, Bundesrätin Viola Amherd, die Bevölkerung am 4. Dezember 2020 mit einem persönlichen Brief und einer Videobotschaft über den Beschluss informiert.

Bahn/Strasse

Um während der Räumung jederzeit die Verkehrsverbindungen gewährleisten zu können, sind Schutzbauten für die Verkehrsträger vorgesehen. Zum Schutz der Nationalstrasse während der Räumung hat der Bundesrat beschlossen, die Variante «Verlängerung Tunnel Mitholz» weiter zu verfolgen. Die Bahnlinie wird mit einer Galerie geschützt. Während den Vorbereitungsarbeiten bis 2030 können jedoch mindestens kurzzeitige Sperrungen nicht ausgeschlossen werden.

Risikobeurteilung Expertengruppe VBS und BAFU

Die ermittelten Risiken liegen deutlich über den zulässigen Grenzwerten gemäss den Weisungen über das Sicherheitskonzept für den Umgang mit Munition und Explosivstoffen (WSUME) und bei der Störfallverordnung im nicht akzeptablen Bereich.

Die Experten haben mit zwei Szenarien gearbeitet:

  • 1 Tonne Sprengstoff mit einer Eintretenswahrscheinlichkeit von einmal alle 300 Jahre: Diese Ereignisgrösse hält die Vorgaben der Störfallverordnung ein, überschreitet aber die Grenzwerte der «Weisungen über das Sicherheitskonzept für den Umgang mit Munition und Explosivstoffen».
  • 10 Tonnen Sprengstoff mit einer Eintretenswahrscheinlichkeit von einmal alle 3000 Jahre; Diese Ereignisgrösse hält weder die Vorgaben der Störfallverordnung noch die Grenzwerte der «Weisungen über das Sicherheitskonzept für den Umgang mit Munition und Explosivstoffen» ein.

Diese Risikoszenarien bleiben auch nach der Aktualisierung 2020 der Risikoanalyse VBS relevant.

Im Zuge der Erarbeitung der Risikoanalyse des VBS wurden zwei deutsche Experten für ein Korreferat (Zweitmeinung) zum Vorgehenskonzept beigezogen. Diese betrachteten die der Risikoanalyse zugrundeliegenden Szenarien als begründet und die bisherigen Schlussfolgerungen als nachvollziehbar. Die Risikoanalyse des VBS, dass das Risiko für die Bevölkerung gemäss den Beurteilungskriterien zur Störfallverordnung nicht akzeptabel ist, wurde vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) im April 2019 bestätigt. Die Risikoanalyse des VBS ist also plausibel.

Die Situation mit der verschütteten Munition im ehemaligen Munitionslager Mitholz ist aber sehr komplex. Das vom BAFU in Auftrag gegebene Gutachten des deutschen Fraunhofer-Instituts kommt zum Schluss, dass auch ein grösseres Ereignis mit einem anderen Ereignisablauf und räumlich anders verteilten Gefährdungsbereichen möglich ist. Das Fraunhofer-Gutachten geht von einem Szenario von bis zu 20 Tonnen TNT aus, die VBS-Analyse von einem Szenario von bis zu 10 Tonnen TNT.

 

Die Risiken bleiben in beiden Fällen insgesamt ähnlich. Die Gefährdungsbereiche können aber räumlich anders verteilt sein. Der Kanton Bern hat aufgrund der BAFU-Beurteilung den Gefahrenperimeter angepasst. Die Vorausmassnahmen, die das VBS bis 2022 realisieren will, berücksichtigen die Beurteilung des BAFU ebenfalls. 

Ein grösseres Ereignis wird mit dem heutigen Kenntnisstand als nicht realistisch angesehen, kann aber nicht ausgeschlossen werden. Die Experten des VBS tendieren jedoch eher in Richtung kleinerer Ereignisgrössen.

Im Februar 2020 führte das VBS einen Workshop mit internationalen Experten aus den Bereichen Risikoanalyse und Munitionsräumung durch. Aufgrund der daraus gewonnenen Erkenntnisse wurden weitere Untersuchungen zu Kupferazid und zur Wahrscheinlichkeit von Explosionsübertragungen der Munitionsrückstände durchgeführt. In verschiedenen Begehungen konnten zudem weitere Erkenntnisse zur mutmasslichen Lage der Munition gesammelt werden. Aufgrund dieser Erkenntnisse aktualisierte die Expertengruppe des VBS die Risikoanalyse.

Die Experten des VBS stufen infolge der als kleiner eingeschätzten Übertragungswahrscheinlichkeiten im vorhandenen Munitions- und Gesteinsgemenge die Wahrscheinlichkeit insbesondere des Ereignisses mit 10 Tonnen TNT-Ersatzmenge als deutlich kleiner ein als 2018. Das BAFU kommt jedoch zum Schluss, dass weiterhin Szenarien möglich sind, die für ein Ereignis mit 10 Tonnen TNT-Ersatzmenge nicht akzeptable Risiken nach Störfallverordnung ergeben.

Aufgrund der immer noch bestehenden Wissenslücken insbesondere zur Lage der Munition in Teilen des verschütteten Bahnstollens basiert das VBS für die weitere Planung im Sinne des Vorsorgeprinzips auf der konservativeren Einschätzung, womit ein Ereignis mit 10 Tonnen TNT-Ersatzmenge und der Wahrscheinlichkeit aus der Risikoanalyse VBS 2018 massgebend bleibt.

Nein. Die weitere Planung basiert vorderhand auf den Szenarien gemäss der Risikoanalyse 2018. Damit ändert sich auch der Notfallperimeter der Betroffenen bis auf weiteres nicht. Im weiteren Verlauf der Arbeiten wird die Risikobeurteilung periodisch aufgrund des Projektfortschritts aktualisiert.

Nein. Die Situation der Munitionsrückstände unter dem Schuttkegel ist weniger kritisch als im ehemaligen Bahnstollen. Es werden unter dem Schuttkegel keine grösseren Anhäufungen vermutet.

Allgemein

Im Jahr 1986. Damals erfolgte bei Bauarbeiten für die Armeeapotheke mindestens eine qualitative Beurteilung durch einen Physiker der damaligen Gruppe Rüstung. Diese hielt fest, dass durch die Altlasten keine Gefährdung für die neue Anlage entstehe. Worauf diese Stellungnahme basiert ist jedoch unklar. Der Physiker und seine Vorgesetzten, die vermutlich die Situation ebenfalls kannten, sind in der Zwischenzeit verstorben.

In Zusammenhang mit den Überlegungen zum Bau eines auch auf Erschütterungen sensiblen Rechenzentrums wurde eine Risikobeurteilung unter Beizug externer Experten veranlasst und durchgeführt. Diese basiert auf Begehungen und einer historischen Untersuchung. Die Resultate wurden durch beigezogene Experten aus Deutschland plausibilisiert. Seit dem 27. April 2018 liegt eine Risikoanalyse (Zwischenbericht) und seit dem 27. September 2018 der Schlussbericht vor.

Mittlerweile haben sich die Möglichkeiten und Methoden für solche Beurteilungen deutlich verbessert. Hinzu kommt, dass sich die gesetzlichen Bestimmungen im Umgang mit Risiken verschärft haben. Das heisst, dass die Situation vor Ort heute anders beurteilt wird als früher.

Gemäss dem bereinigten Expertenbericht vom 9. Februar 1948/14. Juli 1949 entschied die damalige Expertenkommission, dass eine erneute Munitionslagerung in den ehemaligen Munitionskammern in Mitholz nicht in Frage kommt. Als verbleibende Gefahrenquellen wurden nur mögliche Ereignisse infolge der Restmunition im Bahnstollen betrachtet oder erwartet, die maximal zu kleinen, auf die Anlage beschränkten, Lokalschäden führen könnten. Die Expertenkommission entschied daher, dass die Anlage Mitholz als Materiallager, als Werkstätten oder als unterirdisches Spital weiterverwendet werden kann.

Im Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die Armeeapotheke erfolgte 1986 mindestens eine qualitative Beurteilung durch die damalige Gruppe für Rüstungsdienste (GRD). Die GRD hielt fest, dass durch die Munitionsrückstände keine Gefährdung für die Armeeapotheke in Mitholz bestand. Worauf diese Stellungnahme der GRD vom 14. Februar 1986 basiert, ist jedoch unklar. Die heutige Expertengruppe hat ausser dieser Aussage keine weiteren Dokumente oder Berechnungen dazu gefunden.

Bis 2017 wurde daher davon ausgegangen, dass die Gefährdung für die bestehenden Anlageteile und insbesondere die Risiken für die Umgebung klein sind. Im Zusammenhang mit den Überlegungen zum Bau eines Rechenzentrums 2017 wurde aber die Frage aufgeworfen, wie dies mit dem heutigen Stand des Wissens bewertet würde und eine Risikobeurteilung unter Beizug externer Experten durchgeführt. Diese Risikobeurteilung basiert auf Begehungen und einer historischen Untersuchung (d.h. der Auswertung der zahlreichen Dokumente zur Belegung vor dem Ereignis, dem Ereignis selbst sowie den Räumprotokollen). Ein Zwischenbericht der Risikobeurteilung liegt seit dem 27. April 2018 vor, der Schlussbericht seit dem 27. September 2018. Demnach muss das Risiko höher eingeschätzt werden als bisher angenommen. Die Resultate der Risikoanalyse wurden durch beigezogene unabhängige Experten aus Deutschland plausibilisiert. Dem Bundesrat und der Expertengruppe war es dabei wichtig, rasch möglichst die Behörden und die Bevölkerung vor Ort zu informieren. Dies geschah Ende Juni 2018 erstmals und geschieht seither fortlaufend.

Generelle Auswirkungen

Besonders in den Jahren nach dem Zeiten Weltkrieg kam es zu Unglücken in mehreren Munitionslagern. An den meisten Orten wurden die Munitionsrückstände geräumt. Hier eine Übersicht über die heute bekannten Altlasten:

Anlage  Unglück  Anlagetyp  Altlasten
Ebikon am Rotsee 1916  Oberirdisches Munitionsmagazin und Versuchsstelle für Handgranaten (Lager für 15'000 Handgranaten) Restliche Handgranaten wurden in den Rotsee entsorgt. 1979 wurden 765 geborgen. Im Jahr 2000 wurden weitere 350 Handgranaten geborgen.
Uttigen  1943  Oberirdisches Munitionsmagazin Munitions-einzelstücke, keine grossen Mengen.
Ruis  1946  Unterirdische Felsanlage Nein.
Dailly  1946  Artilleriewerk Dailly Nein.
Mitholz  1947  Unterirdische Felsanlage mit Bahnverladekaverne  Grosse Munitionsmengen
Göschenen  1948  Unterirdische Felsanlage Nein.
Saignelégier  1987  Oberirdisches Munitionslager Munitions-einzelstücke, keine grossen Mengen.
Susten Stein-gletscher  1992  Unterirdische Felsanlage Keine Mengen, welche zu grossen Ereignissen führen könnten und eine relevante Gefährdung für die Umgebung erzeugen würden.

Mehr dazu im Dossier «Boden und Altlasten»

Nein, eine selbstständige Detonation kann praktisch ausgeschlossen werden. Das haben Abklärungen im Jahr 2012 ergeben (Medienmitteilung vom 3.2.2012) Die Munition wurde teilweise von fahrenden Schiffen ohne Munitionsverpackungen in den Schweizer Seen versenkt. Dadurch bildete sich keine grosse Konzentration an Munition wie beispielsweise in Mitholz. Des Weiteren ist die Munition unter einer Schicht Schlick und somit von äusseren Einflüssen wie Luftsauerstoff abgeschlossen.

Mehr dazu im Dossier «Munitionen in Schweizer Seen»

Nein. Die heutige Lagerung der Munition unterscheidet sich komplett von der damaligen Lagerung. Die Munition unterliegt heute einem strengen Munitionsüberwachungsprozess, welcher durch den Bereich Wissenschaft und Technologie von armasuisse durchgeführt wird. Ferner entsprechen die heutigen Munitionslager dem Stand der Technik und verfügen über eine standortbezogene Sicherheitsbeurteilung.

Heutige Munitionslager sind dadurch gekennzeichnet, dass

  • die Zünder getrennt von der Wirkmunition gelagert werden;
  • die Zünder über mehr als ein Sicherheitssystem verfügen;
  • kontrollierte Lagerbedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit) herrschen, welche überwacht werden;
  • sie mit Munition belegt sind, die dem Stand der Technik entspricht;
  • auch die Munitionslagerbauten dem Stand der Technik entsprechen und über eine Risikoanalyse verfügen.

Gewisse Informationen über militärische Anlagen wie beispielsweise Munitionslager sind schutzwürdig und werden aus Sicherheitsüberlegungen der Öffentlichkeit nicht offenbart. Diese Informationen betreffen insbesondere die Standorte solcher Anlagen. Zivile und militärische Blaulichtorganisationen werden mittels den VERTRAULICH klassifizierten Störfalldispositiven informiert.

Teilweise, es wird aber auf jeden Fall mit einer Risikoanalyse nachgewiesen, dass die Sicherheitskriterien gemäss Weisungen über das Sicherheitskonzept für den Umgang mit Munition und Explosivstoffen (WSUME) und Störfallverordnung eingehalten werden. Ungünstig gelegene Lager werden wenn möglich geschlossen oder die Belegung wurde stark reduziert.

Die Sicherheitskriterien gemäss Weisungen über das Sicherheitskonzept für den Umgang mit Munition und Explosivstoffen (WSUME) und Störfallverordnung werden eingehalten. Die technischen Grundlagen dafür wie auch die Sicherheitskriterien in den WSUME werden periodisch durch Experten (intern und extern) überprüft und permanent weiterentwickelt. Sie entsprechen dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik und sind international validiert.

Ehemaliges Munitionslager Mitholz

Die Anlage Mitholz wurde während des 2. Weltkrieg als Munitionsanlage «in der Fluh» gebaut.

Die Anlage wurde nicht mehr als Munitionsanlage genutzt. Sie wurde seither und bis heute als Lager der Armeeapotheke und Truppenunterkunft genutzt.

Seit dem Ereignis 1947 lagert neben den Munitionsrückständen keine Munition mehr im Lager Mitholz. Die Munitionsrückstände bestehen neben Munition kleineren Kalibers vor allem aus Artilleriegranaten verschiedenen Kalibers und Bomben bis zu 50 Kilogramm.

Bevölkerung

Informationen direkt per E-Mail

Sie können aktuelle Informationen aus dem Projekt «Räumung ehemaliges Munitionslager Mitholz» als elektronischen Newsletter abonnieren. Darin informieren wir Sie über Aktuelles aus dem Projekt, wie Mitteilungen des VBS, neue Publikationen oder Dokumente. Zudem publizieren wir lokale Informationen, die sich an die Bevölkerung von Kandergrund und Kandersteg richten (z.B. vorgesehene Arbeiten rund um die Anlage mit allfälligen Sperrungen oder Beeinträchtigungen). Sie können wählen, welche Art von Information Sie erhalten möchten. Selbstverständlich ist eine Abmeldung jederzeit möglich.

Zur Anmeldung

 

Die Bevölkerung in Mitholz ist direkt von den aktuellen Arbeiten in Zusammenhang mit der neuen Risikobeurteilung betroffen. Der Bundesrat hat beschlossen, dass die Munitionsrückstände aus dem ehemaligen Munitionslager Mitholz geräumt werden sollen. Nach heutigem Kenntnisstand der Risikosituation muss die Bevölkerung von Mitholz während der Räumung je nach Verlauf über mehr als 10 Jahre wegziehen.

Das VBS wird die betroffene Bevölkerung insbesondere bei der Vorbereitung des Wegzugs begleiten. Es wird Unterstützung anbieten, soweit dies die Betroffenen wünschen und benötigen, und dazu mit den einzelnen Personen und Familien das Gespräch suchen.


Räumung

Schätzerhandbuch

Videobotschaft von Bundesrätin Viola Amherd an die Bevölkerung von Mitholz


Weitere Informationen

Sachstandberichte

Faktenblätter

Interessengemeinschaft


Mitwirkungsverfahren

Agenda

Agenda

Stand Dezember 2020
Schritt  Datum 
Informationveranstaltungen für die Bevölkerung Periodisch
Einsatz neue Projektorganisation zur Projektierung des Gesamtkonzepts Räumung 1. Januar 2021
Publikation Bericht Arbeitsgruppe Mitholz, Bericht «Variantenevaluation Mitholz», Risikoanalyse VBS 2020 7. Dezember 2020
Beschluss Bundesrat zur Räumung der Munitionsrückstände im ehemaligen Munitionslager Mitholz und Information der Bevölkerung von Mitholz 4. Dezember 2020
Abschluss Projekt Variantenevaluation Ende 2020
Aktualisierung Risikoanalyse VBS 2020 November 2020
Veröffentlichung Bericht Mitwirkung Mitholz 25. Juni 2020
Mitwirkung der Bevölkerung Ende Februar bis Ende Mai 2020
Publikation Stellungnahme BAFU zur Risikoanalyse des VBS zum ehemaligen Munitionslager Mitholz 15. April 2019
Publikation Expertenbericht zur Risikoanalyse (Schlussbericht der Experten) 27. September 2018
Information der Bevölkerung
28. Juni 2018
Publikation Risikoanalyse (Zwischenbericht der Experten) 27. April 2018
Auftrag zu neuer Risikobeurteilung ehemaliges Munitionslager Mitholz Ende 2017

Mitteilungen

Dokumente

Im Dezember 1947 explodieren im Munitionslager der Schweizer Armee in Mitholz grosse Teile der eingelagerten Munition. 9 Menschen verlieren ihr Leben, es gibt Dutzende von Verletzten zu beklagen, über 40 Häuser werden beschädigt, in der Folgezeit müssen 20 Liegenschaften neu aufgebaut werden. Gesamtschaden: rund 100 Millionen Franken – eine damals horrende Summe. Die Fragen nach der Unglücksursache konnte bis heute nicht eindeutig geklärt werden.

Im Anschluss an die Explosion wurden zwei Kommissionen mit der Aufarbeitung der Katastrophe beauftragt: Kommission I hat sich mit der technischen, Kommission II mit der administrativen Untersuchung befasst. Ihre Erkenntnisse haben die Kommissionen in Berichten dargelegt.

Es war 1940, als die Direktion der Eidgenössischen Bauten ein Projekt für ein unterirdisches Munitionslager im Kandertal in Auftrag gab. Während des 2. Weltkriegs entstanden so am Standort «Fluh» in Mitholz sechs unterirdische Munitionskammern von je 150 m Länge und 8,5 m Breite. Das Munitionslager war geheim – einer der Gründe, weshalb nach dem Unglück von 1947 nur spärlich Informationen zum Unfallstandort an die Öffentlichkeit gelangen.

Im Laufe der Zeit wurden in Mitholz verschiedene Ausbauprojekte realisiert und die Anlage als Armeeapotheke und Truppenunterkunft genutzt. Andere Vorhaben wie ein Militärspital oder eine Abfüllanlage für medizinische Flüssigkeiten kamen nicht über die Planungsphase hinaus.

VBS

Im Zuge der technischen Abklärungen zur Räumung des ehemaligen Munitionslagers Mitholz hat die ETH Zürich im Auftrag des VBS ein Gutachten zum Konzept einer «Verkapselung» der Munitionsrückstände erstellt. Das Gutachten kommt zum Schluss, dass mit diesem Konzept weder die Munitionsrückstände sicher eingeschlossen, noch der Durchfluss von Wasser ausgeschlossen werden kann. Damit ist das Konzept keine Alternative zur vorgesehenen Räumung der Munitionsrückstände.

VBS

Am 8. Oktober 2018 veröffentlichte das VBS die vollständige Risikoanalyse zum ehemaligen Munitionslager Mitholz. Gemäss diesem Expertenbericht besteht ein höheres Risiko bei einer weiteren Explosion von Munitionsrückständen als bisher angenommen. Die Analyse entspricht einer sogenannten Historischen Untersuchung (Studium der vorhandenen Akten und Begehungen vor Ort), die nun durch Technische Untersuchungen (Analysen der Munition, der Geologie, etc.) verifiziert wird. Die Risikoanalyse wurde vom Bundesamt für Umwelt überprüft.

Bereits kurz nach dem Unglück 1947 verfassten Spezialisten aus Wissenschaft und Verwaltung ausführliche Berichte, in denen das Risiko hingegen noch anders eingeschätzt wurde.

BAFU

Am 15. April 2019 veröffentlichte das Bundesamt für Umwelt (BAFU) als Fachstelle des Bundes für die Störfallverordnung (StFV) seine Beurteilung der VBS-Risikoanalyse des ehemaligen Munitionslagers Mitholz. Darin bestätigt es die Einschätzung des VBS: Das Risiko für die Bevölkerung ist nicht akzeptabel.

Beurteilung der Risikoanalyse

Das Explosionsunglück von Mitholz 1947 hat schon damals grosses Interesse in der Öffentlichkeit und den Printmedien geweckt.

2017, anlässlich des 70. Jahrestages, thematisierten die Medien die Explosionskatastrophe erneut. Ein Buchprojekt und ein Dokumentarfilm zu Mitholz sind in Planung, und der Berner Heimatschutz, Regionalgruppe Thun Kandertal Simmental Saanen hat eine Vortragsreihe durchgeführt, die weitum auf grosses Interesse gestossen ist.

Am 27. Juni 2018 hat der Bundesrat das VBS beauftragt, eine Arbeitsgruppe zu bilden.Einsitz in dieser haben diverse Stellen genommen: die betroffenen Bundesstellen sind genauso vertreten wie Akteure des Kantons Bern, die betroffenen Gemeinden Kandergrund und Kandersteg sowie die BLS Netz AG als Betreiberin der nahegelegenen Bahnstrecke.

Die Arbeitsgruppe steuert die erforderlichen Arbeiten und koordiniert die Aktivitäten der involvierten Partner, damit möglichst rasch und umfassend Klarheit über das weitere Vorgehen geschaffen werden kann.

Videos

23.09.2021: Stand der Arbeiten und Unterstützungsmassnahmen für die Bevölkerung

Medienkonferenz vom 28. Juni 2018

Fotos

Wohin kann sich die Bevölkerung bei Fragen wenden?
Tel.
+41 58 464 50 58