Schutz vor Cyber-Angriffen

Cyber-Defence

Übersicht

Grundlage für die Strategie und die Massnhamen des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) zum Schutz vor Cyber-Angriffen ist die Nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken (NCS). Sie hat zum Ziel, in Zusammenarbeit zwischen Behörden, Wirtschaft, Hochschulen und den Betreibern kritischer Infrastrukturen die Cyber-Risiken zu minimieren.

Als wesentlich für die Reduktion von Cyber-Risiken bezeichnet diese Strategie:

  • die Eigenverantwortung (der Staat soll nur eingreifen, wenn öffentliche Interessen auf dem Spiel stehen oder er im Sinne der Subsidiarität handelt),
  • die Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Hochschulen und Behörden
  • die Kooperation mit dem Ausland.


Die NCS 2012–2017 umfasst 16 Massnahmen. Am 18. April 2018 verabschiedete der Bundesrat die NCS 2018–2023. Diese baut auf den Arbeiten der ersten NCS auf, weitet diese wo nötig aus und ergänzt sie mit neuen Massnahmen.

Nachrichtendienst des Bundes: Melde- und Analysestelle

Die Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken wird dezentral umgesetzt. Eine wichtige Rolle spielt die Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI), die vom Informatiksteuerorgan des Bundes (ISB) im Finanzdepartement und dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB) im VBS gemeinsam betrieben wird. MELANI dient vor allem dazu, Cyber-Risiken frühzeitig zu erkennen und die Betreiber kritischer Infrastrukturen (z.B. Energieversorger, Telekommunikationsunternehmen, Banken) zu unterstützen, solche Risiken zu verhüten und zu bewältigen.

Der NDB bietet seit 2004 das Programm Prophylax an. Es dient dazu, den Schweizer Werk- und Forschungsplatz für die Risiken ungewollter Datenabflüsse und illegaler Informationsbeschaffung zu sensibilisieren.

Armee: Fokus auf Schutz eigener Infrastrukturen

Die Armee spielt in den Vorkehrungen zum Schutz vor Cyber-Risiken eine wesentliche Rolle.  Sie stützt sich, wie die gesamte Gesellschaft, stark auf Informations- und Kommunikationstechnologien ab und kann das Ziel von Cyber-Angriffen sein.  Deshalb muss sie zunächst ihre eigenen Infrastrukturen und Mittel schützen. Sie investiert in Netze, die gegenüber Angriffen und Gefahren aller Art geschützt sind. Dazu zählen die Projekte zum Neubau von Rechenzentren, Telekommunikation der Armee und Führungsnetz Schweiz.

Soweit die Armee ihre eigenen Schutzbedürfnisse erfüllt hat, kann sie bei Bedarf ihre Kapazitäten zum Schutz vor Cyber-Angriffen subsidiär zivilen Behörden zur Verfügung stellen und damit einen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der kritischen Infrastruktur leisten.

Im Fall eines bewaffneten Konflikts würde die Armee alle ihre Fähigkeiten im Cyber-Bereich einsetzen, um Angriffe zu verhindern, ihre Wirkung zu vermindern und gegnerische Fähigkeiten in diesem Bereich zu schwächen.

Bundesamt für Bevölkerungsschutz: Risiko- und Verwundbarkeitsanalysen

Aufgabe des Bevölkerungsschutzes ist es, die Bevölkerung und ihre Lebensgrundlagen bei Katastrophen und in Notlagen sowie im Falle bewaffneter Konflikte zu schützen und so wesentlich zur Begrenzung und Bewältigung von Schadenereignissen beizutragen. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) führt im Rahmen der NCS Risiko- und Verwundbarkeitsanalysen für kritische Infrastrukturen durch. Basierend auf diesen Analysen erarbeitet das BABS zusammen mit den Regulierungsbehörden, Verbänden und Betreibern kritischer Infrastrukturen (Spitäler usw.) Massnahmen zur Reduktion der Risiken.

Die zivilen Behörden sind darauf angewiesen, dass ihre Telekommunikations- und Alarmierungssysteme in allen Lagen funktionieren und dass die Bevölkerung über gesicherte Kanäle gewarnt und alarmiert werden kann sowie mit verlässlichen Informationen versorgt wird. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz beschäftigt sich auf Ebene Bund mit mehreren Projekten für krisen- und stromsichere Kommunikationsnetze.

Informations- und Objektsicherheit des VBS

Im VBS ist die im Generalsekretariat angesiedelte Informations- und Objektsicherheit (IOS) für den Schutz vor Cyber-Angriffen verantwortlich. Die IOS betreut die integrale Sicherheit des VBS. Sie ist insbesondere für die Vorgaben im Bereich der Sicherheit von Personen, Informationen, Informatik und Sachwerten (Material und Immobilien) zuständig.

Aktionsplan Cyber-Defence des VBS

Mit der Intensivierung der Cyber-Risiken, Erfahrungen mit konkreten Angriffen und neuen Rechtsgrundlagen beschloss der Chef VBS im Jahr 2016, das VBS-Dispositiv zum Schutz vor Cyber-Angriffen zu überprüfen. Daraus entstand ein Aktionsplan Cyber-Defence, der bis 2020 umgesetzt werden soll. Die Umsetzung des Aktionsplanes wird im Einklang mit der übergeordneten nationalen Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken erfolgen.

FAQ

Cyber-Defence im VBS

Cyber-Lehrgang

Zurzeit wird das folgende Modell in Betracht gezogen: Die Milizangehörigen absolvieren im Grundsatz zuerst eine Grundausbildung, welche neben der Fachausbildung zum Spezialisten auch eine, an die zukünftige Funktion angepasste, allgemeine militärische Ausbildung vermittelt. Die erhöhten fachlichen Anforderungen und der umfangreiche Ausbildungsstoff im Fachbereich Cyber führen wahrscheinlich auch zur Besonderheit, dass die Weiterausbildung zum Unteroffizier zum Normalfall wird. Somit würden die Soldaten, welche im Militär wie auch im zivilen Leben solche verantwortungsvolle Funktionen wahrnehmen werden, nebst der technischen Ausbildung, auch über Führungsfähigkeiten verfügen. Die Aufgaben während der Ausbildungsphase sowie später zur Erfüllung der Dienstpflicht sollten dann in enger Zusammenarbeit mit der Berufskomponente – meist zivile Angestellte – erfüllt werden.

In enger Zusammenarbeit mit der Informatik-Branche (ICTswitzerland/ICT-Berufsbildung Schweiz) wird an einem Modell gearbeitet, damit diese Spezialausbildung mit einem eidgenössischen Fachausweis abgeschlossen werden kann. Die neu ausgebildeten IT-Spezialisten könnten damit auf dem Arbeitsmarkt eine höhere Attraktivität erreichen. Die Armee leistet damit einen wichtigen Beitrag an die Cyber-Sicherheit des Wirtschaftsstandort Schweiz.

Die Auswahl der Kandidaten für den Pilot-Lehrgang werden über die Rekrutierungszentren und die Rekrutenschulen während den ersten Dienstwochen erfolgen. Entscheidend für die Zulassung zum Lehrgang ist ein Assessment, welches bereits existiert und erweitert wird. Für die Lehrgänge könnte die Auswahl durch weitere Elemente, wie zum Beispiel vordienstliche Kurse und Selektionen, ergänzt werden. Dazu gibt es in der Armee mit der Pilotenausbildung der Luftwaffe oder in der Militärmusik bereits bewährte Beispiele. Zudem sollte dieses Grundmodell später mit einem Offizierslaufbahnmodell erweitert werden, um das notwendige Kader fachspezifisch ausbilden zu können. 

Im Moment können wir dazu noch keine Einzelheiten nennen. Im Grundsatz orientieren wir uns an den Ausbildungen, welche ein Rekrut bis zum Beginn seiner RS absolvieren kann. Eine fundierte Informatik-Grundausbildung wird in der Regeln vorausgesetzt. Die Eignung für den Lehrgang wird in jedem Fall durch ein vertieftes Assessment geprüft. Dadurch können auch Talente, welche ihre Kenntnisse autodidaktisch erworben haben, zugelassen werden. Weiter müssen sich alle Teilnehmer einer erweiterten Personensicherheitsprüfung unterziehen.

Die Armee bildet ihre Einsatzkräfte grundsätzlich mit eigenem Berufspersonal aus. Es wird angestrebt, die Rekruten in den Kernthemen durch erfahrene Cyberspezialisten der Armee direkt auszubilden. So wollen wir sicherstellen, dass die Armeeangehörigen möglichst zielgerichtet auf die Anforderungen des militärischen Einsatzes vorbereitet werden. Für allgemeine Ausbildungsinhalte wird eine Zusammenarbeit mit Professoren aus der zivilen Bildungslandschaft des Landes geprüft.

Die Planung sieht derzeitig vor, dass im Verlauf der nächsten Jahre rund 50 Spezialisten jährlich ausgebildet werden können.


Es ist vorgesehen im Sommer 2018 einen ersten Lehrgang als Pilotprojekt durchzuführen. Sofern der Lehrgang erfolgreich sein sollte, würde dieser anschliessend zwei Mal im Jahr durchgeführt werden. Zuständig dafür soll die Schule der Elektronischen Kriegführung in Jassbach werden. Die detaillierte Planung und Genehmigung des Lehrganges durch die verschiedenen Entscheidgremien des VBS, des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und der ICT-Berufsbildung Schweiz läuft zur Zeit noch.

Voraussichtlich ab Sommer 2018, der genaue Zeitpunkt ist aber noch nicht bekannt, da die Planung nicht abgeschlossen ist. Dann folgt auch die ganze Einrichtung und die Ausführungsvorbereitungen.

Mit der Weiterentwicklung der Armee (WEA) werden die Angehörigen in eine Cyber-Kompanie eingeteilt. Danach werden sie ihre Dienstpflichten in Einsatzdetachemente beim Berufspersonal der Gruppe Verteidigung leisten und diese operativ unterstützen. Dank der Miliz wird die Armee ihre Durchhaltefähigkeit und ihre Kompetenz im Bereich Cyber stark erweitern.

Die Armee muss in allen Lagen unabhängig ihre eigenen Informationssysteme und Informatiknetzwerke vor Cyber-Angriffen schützen können. Es geht darum, rund um die Uhr und in komplexen sowie dynamischen Bereichen Systeme zu überwachen beziehungsweise zu verteidigen. Dafür braucht es mehr Spezialisten, mehr Kompetenzen und insbesondere eine höhere Durchhaltefähigkeit. Der Lehrgang ist das Instrument, um dieses Ziel zu erreichen.

Bereits seit 2010 führt die Armee in der Schule der Elektronischen Kriegführung Lehrgänge im Fachbereich Cyber durch. Mit der Umsetzung WEA geht es nun darum, diesen Lehrgang inhaltlich und auch bezüglich der Anzahl der Absolventen stark auszubauen.

Aufgrund all dieser  neuen Anforderungen (Notwendigkeit einer längeren und spezialisierten Ausbildung, Entwicklung einer Offizierslaufbahn, Entwicklung von vordienstlichen Angeboten usw.) greift es zu kurz, von einer «Cyber-RS» zusprechen. Es ist nicht möglich, in einer viermonatigen RS einen Cyber-Spezialisten auszubilden.

Weitere Themen

Das VBS hat vor über zehn Jahren damit begonnen, Fähigkeiten im Bereich Cyber-Defence aufzubauen, z.B. das militärische Computer Emergency Response Team (milCERT) oder Kernfähigkeiten in Computer-Network-Operations. Mit der Weiterentwicklung der Armee und dem neuen Nachrichtendienstgesetz liegen nun die Grundlagen vor, um die Fähigkeiten und Mittel für die Cyber-Defence im VBS substanziell zu verstärken.

Gemäss dem Aktionsplan soll das VBS eng mit seinen Partnern sowie der Wirtschaft und den Hochschulen zusammenarbeiten und über genügend qualitative und quantitative Mittel verfügen, um

  • permanent und in allen Lagen seine IKT-Systeme und -Infrastrukturen zu schützen, Cyber-Angriffe abzuwehren sowie die Widerstandsfähigkeit zu verbessern;
  • die gemäss den neuen Gesetzesgrundlagen militärischen und nachrichtendienstlichen Operationen im Cyber-Raum zu ermöglichen und unterstützen;
  • den zivilen Behörden bei Cyber-Angriffen gegen die kritischen Infrastrukturen subsidiär Hilfe zu leisten.

Der Aktionsplan setzt auf

  • die Stärkung der eigenen Mittel, inkl. Miliz;
  • die laufende Optimierung der Prozesse, um die bestmögliche Effizienz mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu erreichen;
  • die Vervollständigung der notwendigen Cyber-Kompetenzen durch eine enge Zusammenarbeit mit den Betreibern der kritischen Infrastrukturen, der Privatwirtschaft und den Hochschulen.


Konkret bedeutet dies:

  • die Schaffung einer strategischen Koordinationsstelle im VBS. Dafür wurde ein Delegierter Cyber-Defence ernannt;
  • die Schaffung zusätzlicher Cyber-Funktionen im VBS. Es geht gemäss aktueller Planung darum, in der heutigen Personalressourcenlage haushaltsneutral zusätzlich 100 Stellen zugunsten des Bereichs Cyber zu rekrutieren, ohne die WEA oder andere wichtige Projekte zu gefährden;
  • die Durchführung einer Übung im Spätherbst 2017, um die Funktionen und Prozesse zu überprüfen und zu trainieren;
  • die Stärkung der operativen Arbeit mit unseren Partnern, national wie auch international. Dazu zählt die Absicht einer Beteiligung der Schweiz am Nato Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence in Tallinn;
  • die verstärkte Zusammenarbeit mit der akademischen Welt bei der Entwicklung der notwendigen Ausbildungskurse. Dazu gehört die Entwicklung des Cyber-Defence-CAMPUS, erste Tätigkeiten sollen Anfang 2018 erfolgen.


Der Aktionsplan des VBS entspricht der nationalen Strategie der Schweiz zum Schutz vor Cyber-Risiken (NCS) und ergänzt diese.

Die Cyber-Defence VBS soll im VBS sämtliche Aktivitäten im Cyber-Bereich koordinieren und voranbringen. Sie wird für fünf Bereiche verantwortlich sein: für das integrale Lagebild der Cyber-Herausforderungen, die Bereitschaft der Cyber-Defence-Mittel des VBS, die Unterstützung der Departementsleitung bei Krisen mit Cyber-Ausprägung, die Vertretung der VBS-Interessen bei den relevanten Instanzen und den Aufbau des «Cyber-Defence CAMPUS» für die Entwicklung der benötigten Fachkräfte, insbesondere mit den Hochschulen und Betreibern kritischer Infrastrukturen.

Heute umfasst der Bereich Cyber-Defence im gesamten VBS rund 50 Stellen. Seit Anfang Juni 2017 ist der departementsinterne Aktionsplan in Kraft. Dessen Umsetzung sieht gemäss aktueller Planung zusätzliche 100 «Cyber»-Stellen bis Ende 2020 vor. Bereits ernannt wurde ein Delegierter Cyber-Defence, und weitere erste Stellen wurden besetzt. Die substanzielle Erhöhung braucht Zeit und ist ein ambitioniertes Ziel, dies auch deshalb, weil der Bund gemäss Parlamentsbeschluss erneut Stellen einsparen muss ­– das VBS allein 300. Die für die Cyber-Defence vorgesehenen Stellen sollen haushaltsneutral im VBS mit einer Neuzusammensetzung des Stellenportfolios geschaffen werden. Die Weiterentwicklung der Armee und weitere wichtige Projekte dürfen dabei nicht gefährdet werden. Ende 2020 sollte das gesamte VBS gemäss aktueller Planung über rund 150 Stellen (verstärkt durch Milizangehörige) verfügen.

Eine genaue Zahl zu nennen, ist schwierig. Vergleiche und erste praktische Erfahrungen legen nahe, dass der geplante Aufbau im Bereich Cyber-Defence in der Grössenordnung von 2 Prozent der Ressourcen des VBS liegen könnte.

Um möglichst rasch zu handeln und Resultate zu erzielen, werden in einem ersten Schritt Mittel durch interne Umverteilungen freigespielt. Um rasche Entwicklungen in diesem Bereich zu ermöglichen, ohne die anderen Leistungen des VBS zu gefährden, wird  sich aber die Frage nach zusätzlichen Mitteln für Cyber-Defence stellen. Diese Diskussionen werden zu führen sein, unter Berücksichtigung der allgemeinen Ressourcenlagen des Bundes und des VBS.

In der Armee wird der Bereich Cyber neu  eine eigene Operationssphäre sein; entsprechend wird eine doktrinale Grundlage entwickelt, um den Einsatz dieser Mittel sowie die Ausbildung für diesen Bereich zu regeln.

Die Armee muss zunächst ihre eigenen Infrastrukturen schützen. Sie kann, sofern Bedarf besteht und ihre Mittel dafür geeignet sind, zivile Akteure subsidiär unterstützen. Im Fall eines bewaffneten Konflikts kann sie alle ihre Fähigkeiten im Cyber-Bereich einsetzen, um Angriffe zu verhindern, ihre Wirkung zu vermindern und gegnerische Fähigkeiten in diesem Bereich zu schwächen.

Ja, die Mittel der Armee können auch im Cyber-Bereich eingesetzt werden, um anderen zu helfen. Die allgemeinen Voraussetzungen und Regeln für einen subsidiären Einsatz der Armee sind:

  • die zivilen Mittel müssen in quantitativer, qualitativer oder zeitlicher Hinsicht ausgeschöpft sein;
  • es braucht einen Antrag der zuständigen zivilen Behörden an den Bundesrat;
  • die Armee muss zu diesem Zeitpunkt über verfügbare und geeignete Mittel verfügen;
  • der Einsatz läuft unter dem Kommando der der zivilen Behörden.


Diese Regeln und Voraussetzungen gelten für alle subsidiären Einsätz der Armee, auch solche im Cyber-Bereich.

Im Moment verfügt die Armee über ca. 100 Armeeangehörige, die aufgeboten und  in diesem Bereich eingesetzt werden könnten.

Die Armeeangehörigen bringen ihre Fachausbildung und -kenntnisse aus dem zivilen Leben mit. Eine eigentliche «Cyber-Rekrutenschule» kann die Armee nicht anbieten. Die im Cyber-Bereich eingesetzten Angehörigen der Armee erhalten aber eine spezifische Ausbildung, damit sie den Bedürfnissen der Armee entsprechend eingesetzt werden können. Sie werden zur Verstärkung der Berufselemente und nicht als eigenständige militärische Einheiten eingesetzt.

Zurzeit wird das folgende Modell in Betracht gezogen: in den ersten Wochen der militärischen Grundausbildung würden IT-Spezialisten in allen Rekrutenschulen der Schweizer Armee gesucht und mittels Assessments ausgewählt. Dazu würden vordienstliche Aktivitäten und Auswahlverfahren, wie sie bereits heute in anderen Spezialfunktionen wie Militärmusiker oder Piloten praktiziert werden, geprüft. Eine erste Zusammenarbeit in diesem Bereich hat bei der Challenge Swiss Cyber Storm stattgefunden. Die ausgewählten dienstpflichtigen Personen würden dann einen auf ihre künftige militärische Funktion ausgerichteten Lehrgang besuchen und durch spezielle Einsatzmodelle an der Seite des Berufspersonals der Armee ihre Dienstpflicht absolvieren. Die Spezialausbildung könnte mit einem eidgenössischen Fähigkeitsausweis abgeschlossen werden. Die IT-Spezialisten könnten damit auch eine höhere Attraktivität auf dem Arbeitsmarkt erreichen und die Armee leistet indirekt einen Beitrag an die Cyber-Sicherheit des Wirtschaftsstandort Schweiz.

Eine enge Zusammenarbeit besteht bereits mit gewissen Hochschulen, und es ist vorgesehen auch den Ausbildungsbereich mit diesen Partnern zu stärken. Diverse Initiativen werden zurzeit geprüft. Studiengänge im Bereich Cyber-Defence sollen in den nächsten folgen, gemäss dem Aktionsplan Cyber-Defence.

Gemäss Aktionsplan soll die Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft verstärkt werden. Das «wie» und «mit wem» ist noch zu bestimmen.

Zurzeit laufen die Gespräche, um diese Zusammenarbeit zu regeln. Die Schweiz betreibt aber bereits eine Zusammenarbeit mit dem Zentrum in Tallin, im Rahmen eines Pilotprojekts (mit zwei Experten der Schweiz vor Ort) und durch die Teilnahme an internationalen Cyber-Übungen.

Nationale Strategie zum Schutz der Schweiz vor Cyber-Risiken

Als wesentlich für die Reduktion von Cyber-Risiken bezeichnet die Strategie

  • das Handeln in Eigenverantwortung (der Staat soll nur eingreifen, wenn öffentliche Interessen auf dem Spiel stehen oder er im Sinne der Subsidiarität handelt.),
  • die nationale Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Hochschulen und Behörden
  • sowie die Kooperation mit dem Ausland.

Die Strategie baut auf den Arbeiten der ersten NCS (2012-2017) auf, weitet diese wo nötig aus und ergänzt sie mit neuen Massnahmen, so dass sie der heutigen Bedrohungslage entspricht. Sie definiert sieben Ziele, welche über zehn Handlungsfelder erreicht werden sollen. Diese sind sehr vielfältig und reichen vom Aufbau von Kompetenzen und Wissen und der Förderung der internationalen Kooperation über die Stärkung des Vorfall- und Krisenmanagements sowie der Zusammenarbeit bei der Cyber-Strafverfolgung bis hin zu Massnahmen der Cyber-Abwehr durch die Armee und den Nachrichtendienst des Bundes (NDB).

Die Strategie enthält neu ein Handlungsfeld Standardisierung und Regulierung, über welches der Bund beauftragt wird, in Zusammenarbeit mit der Wirtschaft Mindeststandards für die Cyber-Sicherheit zu entwickeln und die Einführung von Meldepflichten für Cyber-Vorfälle zu prüfen.

Damit der Bund die durch die Strategie vorgegebenen Massnahmen möglichst rasch und effektiv umsetzen kann, überprüft er aktuell seine Strukturen im Bereich Cyber-Risiken. Gestützt auf diese Überprüfung wird der Bund gemeinsam mit den Kantonen, der Wirtschaft und den Hochschulen den Umsetzungsplan zur NCS erarbeiten, in welchem festgehalten wird, wer für welche Massnahmen die Verantwortung übernimmt, welche Mittel eingesetzt werden und bis wann welche Schritte abgeschlossen sein sollen.

Die Massnahmen sind bis spätestens Ende 2023 umzusetzen.

Über den Umsetzungstand der Massnahmen wird jährlich in einem Bericht informiert.

Meilensteine

Meilensteinplan

Stand April 2018
Meilenstein Datum
Umsetzung des Aktionsplans Cyber-Defence VBS Bis Ende 2020
Verabschiedung der NCS 2018–2023 durch Bundesrat 18. April 2018
Departemente und Ämter setzen NCS um Bis Ende 2017
Verabschiedung Aktionsplan Cyber-Defence VBS Oktober 2016 (Analyse und Strategie); Juni 2017 (Umsetzungsplan)
Verabschiedung Umsetzungsplan  NCS durch Bundesrat Oktober 2013
Verabschiedung der NCS 2012–2017 durch Bundesrat Juni 2012
Schaffung des milCERT und des CNO-Labors 2007
Melde- und Analysestelle Informationssicherung (MELANI) wird operativ 2004 

News

Artikel


Parlament

Titel Typ Eingereicht von
Eine klare Cyber-Gesamtstrategie für den Bund Postulat Sicherheitspolitische Kommission NR
Lösungen zur Anstellung der erforderlichen Fachkräfte für die Cyberabwehr Fragestunde. Frage Béglé Claude (CVP-Fraktion)
Schweizer Innovationen in der Cyberabwehr. Wie können wir unsere Vorteile wahren? Fragestunde. Frage Béglé Claude (CVP-Fraktion)
Cyberdefence. Fähigkeiten zur strategischen Kommunikation und Führung von Informationsoperationen Fragestunde. Frage Seiler Graf Priska (Sozialdemokratische Fraktion)
Nicht dem Rüstungsprogramm 2018 zugewiesene Mittel. Eine Gelegenheit für die Cyberabwehr? Fragestunde. Frage Derder Fathi (FDP-Liberale Fraktion)
Umfassende Cybersicherheit für alle statt Cyberwar nur für das VBS Interpellation Graf-Litscher Edith (Sozialdemokratische Fraktion)
Schaffung eines Cybersecurity-Kompetenzzentrums auf Stufe Bund Motion Eder Joachim (FDP-Liberale Fraktion)
Ein Cyberdefence-Kommando mit Cybertruppen für die Schweizer Armee Motion Dittli Josef (FDP-Liberale Fraktion)