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«Das Mess- und Alarmierungssystem ist wie ein Fenster in das ehemalige Munitionslager»

Bruno Locher ist Chef von Raum und Umwelt im VBS und verantwortlich für das Mess- und Alarmierungssystem im ehemaligen Munitionslager. Im Interview erklärt er, wieso diese Systeme wichtig sind und wo die Herausforderungen liegen.

10.07.2019 | Kommunikation VBS, Judith Frei

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Herr Locher, wieso hat man dieses Mess- und Alarmierungssystem installiert?

Im Sommer 2018, als wir angefangen haben, Lösungen für das Munitionslager zu suchen, wurden wir von der Bevölkerung vor Ort gefragt: Wie wisst ihr, was im «Berg» passiert? Eine berechtigte Frage. Wir müssen jederzeit wissen, was in dem ehemaligen Munitionsstollen vor sich geht. Eine Veränderung, sei es ein Steinschlag oder ein Brand, kann allenfalls eine Explosion auslösen. Das Mess- und Alarmierungssystem ist wie ein Fenster in den verschütteten Bahnstollen des ehemaligen Munitionslagers.

Wie funktioniert dieses «Fenster»?

Wir können jetzt verschiedene Parameter wie zum Beispiel die Temperaturen in dem begehbaren Teil des verschütteten Bahnstollens permanent überwachen. Ab einer gewissen Veränderung müssen Experten beurteilen, ob diese Entwicklung gefährlich sein könnte. Wenn ja, wird die Bevölkerung umgehend alarmiert. Die muss dann gemäss Merkblatt zur Notfallplanung, das sie vom Kanton Bern erhalten hat, reagieren.

Was wird neben der Temperatur alles gemessen?

Wir messen zusätzlich aussen und innen die Bewegungen, also Dehnung und Neigung des Gesteins und einzelner grosser Felsformationen sowie die Erschütterungen. Wir haben ausserdem Gassensoren installiert, die Veränderungsprozesse der Munition frühzeitig detektieren. Unsere Fachstellen vom VBS haben mit spezialisierten Firmen ein hoch komplexes Überwachungssystem entwickelt, welches rund um die Uhr zur Verfügung steht. Ein solches System mit der Kombination dieser Sensoren wurde zum ersten Mal erstellt und ist spezifisch für Mitholz entwickelt worden.

Was passiert dann genau, sobald eine Veränderung wahrgenommen wird?

Bei einer relevanten Veränderung wird die Expertengruppe des VBS alarmiert, welche anhand einer spezifischen Lagebeurteilung entscheidet, ob die Bevölkerung alarmiert werden muss. Nicht alle Veränderungen sind unmittelbar gefährlich und nur die Experten können abschätzen, wie das weitere Vorgehen sein soll. Einen Automatismus gibt es einzig bei der Temperaturmessung mittels Wärmebildkameras: Normal liegen die Temperaturen in den Stollen zwischen 5 und 12 Grad. Sobald eine Wärmebildkamera länger als eine Minute Temperaturen über 100 Grad Celsius gemessen hat, wird die Bevölkerung über die Alarmzentrale in Thun und die Kantonspolizei Bern unverzüglich informiert. Solche erhöhten Temperaturen sind eindeutige Zeichen einer Brandentwicklung, welche eine Explosion auslösen kann.

Was waren die Herausforderungen, um dieses System zu installieren?

Es handelt sich um eine aussergewöhnliche Situation, die weltweit einzigartig ist. Das heisst, wir können nicht auf Standardlösungen zurückgreifen, sondern wir müssen Lösungen für Mitholz massschneidern. So sind auch die Sensoren, die wir installiert haben, zum Teil nicht «ab der Stange», sondern an die besonderen Bedingungen angepasst. Bei der Installation der Sensoren war zudem höchste Vorsicht geboten: zuerst mussten im verschütteten Bahnstollen die Voraussetzungen geschaffen werden, damit die Installationsarbeiten mit einem vertretbaren Risiko ausgeführt werden konnten.

Das Mess- und Alarmierungssystem in Mitholz

Im Sommer 2018 wurde die Konzeption für ein Mess- und Alarmierungssystem begonnen. Vom Oktober 2018 bis zum April 2019 wurden die verschiedenen Systeme installiert. Heute ist das System in Betrieb. Es wurden aussen und innen Geosensoren und Videokameras montiert. Im Innern wurden zusätzlich Wärmebildkameras und Gassensoren installiert. Das ermöglicht einen Einblick in den Stollen, der 1947 verschüttet wurde. Damals hat man die Zugänge zum Unglücksstollen zubetoniert. Heute ist der begehbare Teil des verschütteten Bahnstollens über zwei Zugänge innen erreichbar. Die Messdaten sind auf einer zentralen Visualisierungsplattform für die Experten des VBS jederzeit einsehbar.