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F-35A: Das Rückgrat der US Air Force

Der Budgetentwurf des amerikanischen Verteidigungsministeriums für das Fiskaljahr 2022 sieht die Beschaffung von 85 F-35 Kampfflugzeugen vor. Damit wird die Bedeutung der F-35 als Eckpfeiler der US-Kampfflugzeugflotte für die nächsten Jahrzehnte unterstrichen. Die Evaluation für ein neues Kampfflugzeug für die Schweiz ergab, dass die F-35A die beste Lösung mit vielen europäischen und weltweiten Kooperationsmöglichkeiten darstellt.

05.10.2021 | ASMZ

F-35A
©Lockheed Martin photo by Liz Lutz

 

Text: Kaj-Gunnar Sievert, Leiter Fachbereich Kommunikation armasuisse

Die F-35 des US-Hersteller Lockheed Martin bewegt auch in den USA die Gemüter in der Politik und in den Medien. Aussagen von General Charles Q. Brown jr., Generalstabschef der US-Luftwaffe, wurden als Kritik am F-35A interpretiert und als Argument für andere US-Kampfflugzeuge gewertet.

Fünfte Generation Kampfflugzeug als Zukunft

General Brown lässt jedoch keinen Zweifel an der Bedeutung des F-35 als Kampfflugzeug der fünften Generation für die US- Luftwaffe: «Die F-35 wird für Jahrzehnte der Eckpfeiler der Kampfflotte der US Air Force sein. Mit meinen Bemerkungen über die Hochwertigkeit der F-35 wollte ich die überlegenen Fähigkeiten dieses Flugzeugs hervorheben.»

Seine Aussagen sind auch vor dem Hintergrund der aktuellen Bedrohungsszenarien zu verstehen. Diese Bedrohungsszenarien gehen von sogenannten «peer-threats» aus. Damit werden Gegner bezeichnet, welche heute oder in absehbarer Zukunft über vergleichbare Fähigkeiten wie die USA verfügen.

Da Kampfflugzeuge der fünften Generation in den nächsten Jahrzehnten bestimmend sein werden, gilt es aus Sicht der US Air Force, sich auf solche Bedrohungsszenarien auszurichten, um weiterhin die eigene Luftüberlegenheit garantieren zu können.

Kampfflugzeuge dieser Generation besitzen dank modernster Informationstechnologie hochgradig vernetzte, umfassende und leistungsfähige Sensoren und reduzieren ihre Entdeckbarkeit mit geeigneten Massnahmen (Stealth). Dieses Konzept wurde auch in anderen Ländern, die eigene Kampfflugzeuge der fünften Generation entwickeln können, als hochrelevant erkannt, wie zum Beispiel China mit dem Chengdu J-20 oder Russland mit dem Suchoi SU-57. Auch Europa will mit den Projekten Future Combat Air System (FCAS) unter deutsch-französischer Führung und mit der britischen Tempest mindestens gleichziehen und haben je nach Projekt mit Italien, Schweden und Spanien mit ihren bedeutenden Flugzeugindustrien weitere Partnernationen gewinnen können. Darüberhinaus gibt es auf der ganzen Welt weitere entsprechende nationale Vorhaben.

Flottenplanung der US Air Force

Die amerikanische Luftwaffe betreibt eine Flotte von über 3000 Kampfflugzeugen. Eine derart umfassende Flotte mit Typen aus mehreren Generationen kann nur mittels einem durchdachten Erneuerungskonzept relevant gehalten werden. Dies erfolgt unter dem Anspruch der US-Streitkräfte bei der Entwicklung und Einführung von neuen Kampfflugzeugen federführend zu sein sowie einen technologischen Vorsprung zu haben.

Die für alle Herstellernationen geltenden langen Entwicklungszeiten verlangen daher eine Überlappung von Einführung, Betrieb und Ausserdienststellung von Kampfflugzeugen mit unterschiedlichem Stand im Lebenszyklus.

Um sich einen Überblick über die aktuelle und zukünftige Flottenpolitik der US- Luftwaffe zu verschaffen, lohnt sich ein Blick in den aktuellen Budgetentwurf des amerikanischen Verteidigungsministeriums für das Fiskaljahr 2022.

Der ausführlich begründete, 148 Seiten umfassende Budgetentwurf ist für jeden Interessierten frei auf dem Internet einsehbar. In den einleitenden Kapiteln wird dargelegt, dass die Investitionen des US-Verteidigungsministeriums und der US Air Force auf Mittel mit zukunftsorientierter Technologie auszurichten sind, um gegen Gegner auf vergleichbarem Niveau bestehen zu können.

Um Mittel für die Modernisierung freizumachen, sollen Flugzeuge der vierten Generation beschleunigt ausser Dienst gestellt werden. In diesem Zusammenhang erwähnt der Budgetentwurf 2022 speziell die vorgeschlagene Reduktion der Fairchild-Republic A-10 Flotte um 48 Einheiten. Ähnliche Stückzahlen sollen auch bei den Kampfflugzeugen Boeing F-18 A-D, Lockheed Martin F-16C/D und Boeing F-15C/D ausser Dienst gestellt werden. Im Falle der F-15C/D wird besonders hervorgehoben, dass die grossen strukturellen Probleme dazu führen werden, dass die Flotte zwischen 2023 und 2027 das Ende der Lebenszeit erreicht haben wird.

US-Luftstreitkräfte setzen auf F-35

Der Budgetentwurf stellt klar dar, dass der F-35 in Zukunft das Rückgrat der taktischen US-Kampfflugzeugflotte bilden wird. «The major tactical air power investment is the F-35 Lightning II Joint Strike Fighter, which will form the backbone of the U.S. Inventory» (Chapter 2, page 2-8). Die Wichtigkeit der moderneren Fähigkeiten wie «Sensorvernetzung» und «Stealth» sind unbestritten, weshalb konsequenterweise die Beschaffung von total 85 F-35 für 2022 geplant wird. Die Stückzahl setzt sich aus 48 F-35A (US Air Force), 17 F-35B (US Navy) und 20 F-35C (US Marine Corps) zusammen. Als einzig weiteres Kampfflugzeug wird im Budgetentwurf die Boeing F-15EX aufgeführt. Die Beschaffung von zwölf Maschinen wird ausdrücklich damit begründet, den Druck von der alternden Flotte herkömmlicher Kampfflugzeuge (Versionen A-D) zu nehmen. Interessant ist dabei die Tatsache, dass das F-15EX Programm seinerzeit entgegen den Absichten der US Air Force lanciert wurde. Im Endzustand sind für das F-15EX Programm 144 Einheiten geplant, während dem für die amerikanischen Streitkräfte eine Kampfflugzeugflotte von rund 2450 F-35 vorgesehen sind.

Die wichtigste Investition in die taktischen Luftstreitkräfte ist der F-35 Lightning II Joint Strike Fighter, der das Rückgrat der US-Kampfflugzeug- Flotte bilden wird.

     Quelle: United States Departement of Defense, Fiscal Year 2022, Budget Request

Darüber hinaus zeigt das Dokument auf, dass das Next Generation Air Dominance (NGAD) Projekt nicht einfach eine neue Kampfflugzeugplattform ist, sondern vielmehr ein Gesamtsystem darstellt, welches identifizierte Fähigkeitslücken füllen und die aktuelle Kampfflugzeugflotte ergänzen soll. Es sei somit nicht in Konkurrenz zum F-35 zu sehen, und die dafür notwendigen Mittel werden durch die Reduktion von älteren Kampfflugzeugen der vierten Generation verfügbar.

Am Rande sei erwähnt, dass im Budgetentwurf 2022 die stark diskutierte Idee eines einfachen, leichten Kampfflugzeuges endgültig nicht mehr verfolgt wird.

Tactical Air Study evaluiert Varianten zur Ergänzung des F-35A

In Zukunft will sich die US Air Force auf Mittel und Systeme modernster Technologie abstützen. Mit der von General Brown initiierten Tactical Air Study sollen dabei Optionen für den richtigen Flottenmix in der langen Frist bestimmt werden. Gemäss General Brown ist dabei die Rolle des F-35A als Rückgrat und Eckpfeiler der US Air Force nicht in Frage gestellt. Es geht vielmehr darum, auf einer längeren Zeitachse mögliche Wege der weiteren Modernisierung der US- Luftwaffe zu beschreiben.

Das bestgeeignete Kampfflugzeug für die Schweiz

Die Rahmenbedingungen der Schweizer Luftwaffe für ihre Flottenplanung unterscheiden sich natürlich von jenen der US- Streitkräfte. Eine Flotte von 36 Kampfflugzeugen lässt sich nur mit einem Kampfflugzeugtyp wirtschaftlich betreiben, welcher für alle Aufgaben der Luftwaffe geeignet ist. Da die Schweizer Industrie technisch und finanziell nicht in der Lage ist, ein eigenes Kampfflugzeug samt allen Komponenten zu produzieren, beschafft das VBS das neue Kampfflugzeug im Ausland. Dabei fällt die Entscheidung auf der Basis klarer Anforderungen und einer umfassenden Evaluation unter Kandidaten im Wettbewerb. Da das neue Kampfflugzeug über 30 Jahre in der Schweiz im Einsatz stehen wird, ist es ein Vorteil, wenn das Muster sich in einer eher frühen Phase seines Lebenszyklus befindet. Das innerhalb des VBS breit abgestützte und umfassend dokumentierte Evaluationsverfahren hat dabei zu einem eindeutigen Ergebnis geführt. Massgebend waren dabei einzig die im Rahmen der Evaluation überprüften verbindlichen Angaben in den Vertragsofferten.

Kooperationen mit den USA …

Mit der Einführung des F-35A kann das VBS, die beim Betrieb des F-5E/F und F-18C/D bewährte Kooperation mit dem US-Verteidigungsministerium weiterführen. Das Projekt wird wie die Beschaffung der beiden Vorgängerprojekte als Regierungsgeschäft (FMS, Foreign Military Sales) abgewickelt. Dabei profitiert die Schweiz davon, dass das US-Verteidigungsministerium gegenüber der Industrie mit seiner ganzen Käufermacht auftritt und die Schweiz von den gleichen Konditionen dieses Grosseinkäufers profitiert.

Zu erwähnen ist auch, dass in den letzten Jahrzehnten alle Schweizer FMS-Einkäufe innerhalb der Botschaftskredite abgewickelt wurden. Auch die Offsetforderungen wurden stets vollumfänglich erfüllt.

Als weitere Kooperationsmöglichkeiten auf Arbeitsstufe seien als Beispiele erwähnt:

  • Zusammenarbeit in der Initialausbildung der Kerngruppe von Piloten und des Bodenpersonals, wobei auf die grosse F-35- Ausbildungsinfrastruktur in den USA zurückgegriffen werden kann.
  • Zugang zu verschiedenen riesigen Testgebieten und ihrer Infrastruktur für Waffentests im Rahmen der bei der Beschaffung geplanten Validierungen.

… und in Europa

Der F-35A ist interoperabel mit den bei unseren Nachbarländern eingesetzten Kampfflugzeugen, basieren doch bei allen die massgeblichen Kommunikationsmittel auf US- Technologie. Das VBS ist überzeugt, dass die bisherige gute nachbarschaftliche Zusammenarbeit weitergeführt oder ausgebaut wird, denn die Sicherheit bleibt ein gemeinsames Anliegen, unabhängig von der Wahl eines Kampfflugzeuges.

Aber auch mit anderen europäischen Ländern bieten sich zusätzlich zur bisherigen Zusammenarbeit neue Chancen, denn die F-35 ist in Zukunft auch das in Europa am weitesten verbreitete Kampfflugzeug. Sieben Nationen setzen bereits den F-35 ein, wobei Italien mit dem F-35A und dem F-35B zwei unterschiedliche Versionen verwendet. Unter den Betreiberländern ergeben sich somit mannigfaltige Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zum Erfahrungsaustausch.

Wie immer bei Kooperationsmöglichkeiten ist die Schweiz aber letztendlich frei, wie weit sie in der Zusammenarbeit gehen möchte.

Fazit

Um die Betriebskosten zu senken, streben die US-Streitkräfte die beschleunigte Ausserdienststellung von Kampfflugzeugen der vierten Generation an. Der F-35A dagegen wird für die nächsten Jahrzehnte das Rückgrat ihrer Kampfflugzeugflotte bilden. Der Betrieb der sehr grossen Kampfflugzeugflotte der US-Luftwaffe bedingt einen Flottenmix von Kampfflugzeugen über mehrere Generationen. Für die vergleichsweise kleine Schweizer Luftwaffe ist dagegen eine Einflottenstrategie basierend auf dem F-35A die beste Lösung. Die Beschaffung des F-35A erfolgt als Regierungsgeschäft, und ermöglicht die bewährte Kooperation mit den Streitkräften der USA weiterzuführen.

Die bisherige Zusammenarbeit mit unseren Nachbarländern kann dank der Interoperabilität des F-35A weitergeführt und/oder erweitert werden. Sie eröffnet zudem neue Kooperationsmöglichkeiten mit der Vielzahl europäischer Betreiber des F-35A, sofern die Schweiz das will.